Zum Start der Woche ein neuer Artikel aus meiner Interview Reihe. Das folgende Interview hatte ich im Artikel bindewerk auf der paperworld angekündigt.
Auf der paperworld in Frankfurt hatte mir Matthias Büttner von X17 die Designerin Johanna Sasse vorgestellt, die Notizbücher für bindewerk entworfen hat. Johanna entwirft unter dem Label Jackie Paper u.a. Notizbücher und hatte sich bereit erklärt, mir ein Interview zu geben. Das ist die erste Designerin, die ich interviewe!

Frage 1: Du hast für bindewerk Notizbucheinbände entworfen. Wie wird man Notizbuchdesignerin?

Ich habe ursprünglich Produktdesign studiert und nach dem Studium in meiner Freizeit eine kleine Obsession fürs Mustermachen entwickelt. Das Gestalten der Notizbücher kam ganz natürlich mit dazu, als Arne Katzbichler und Inga Zempel von Bindewerk sich für die Lizensierung einer ersten Musterserie (Serie Jackie) entschieden haben.

Frage 2: Wie kamst du dazu, für bindewerk zu entwerfen?

Der erste Kontakt war reiner Zufall. Ich hatte eine Frage zum Anlegen von Rapporten im Siebdruck und bin damit ins Siebdruckatelier Bräuer bei mir um die Ecke gegangen-Anfang 2007. Die Siebdruckerin Kathrin Bräuer, hatte Arne K. mal auf der Ambiente kennengelernt und wollte immer schon mal ein Projekt mit/für ihn machen. Er wiederum war auf der Suche nach schönen Mustern für Buchbezugspapiere. Sie stellte die Verbindung her und ich glaube innerhalb von drei Wochen hatten wir eine Buchkollektion mit Kombinationen von siebgedrucktem Buchleinen und gemustertem Papier auf der Paperworld 2007 stehen.

Frage 3: Hast du noch Bücher für andere Hersteller entworfen?

Nein. Momentan läuft es sehr gut mit der gegenseitigen Exklusivität bezüglich der Muster zwischen mir und Bindewerk.


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S. auch Artikel bindewerk auf der paperworld

Frage 4: Wie kommst du zu deinen Motiven? Was inspiriert dich?

Ursprünglich habe ich mal mit Photos in Kaleidoskope hinein angefangen. Ich wollte gerne das, was im kaleidoskop zu sehen ist auf Papier oder Stoff bringen. Es gibt so vieles gemustertes in der Natur und der Mathematik… und alte Mosaiken, islamische Ornamente, Plattenbautapeten, 50erJahre-Stoffe, Wassertropfen auf Zugscheiben, Zementfliesen, William Morris, Wiener Werkstätten, Bauhaus-Textil, Ethno-Muster und so weiter…

Frage 5: Bindest du Bücher als Prototypen auch selbst? Woher merkst du, dass ein Design jetzt “passt”?

Ich mache immer mehr Prototypen auch selber. Am Anfang habe ich hauptsächlich aus Zeitmangel mit Photoshop-Montagen gearbeitet um die Designs zu visualisieren. Schöner ist es selber ein Buch zu bauen, weil es doch beim Anfassen besser zu beurteilen ist. Woran merke ich, daß ein Design jetzt passt? Es liegt gut in der Hand und wirkt einfach wie ein richtiges rundes Produkt… Das hat was mit Proportion aber auch mit dem Verhältnis der Farben zueinander zu tun…kann ich nicht wirklich erklären – ist so ein Gefühl von Ausgewogenheit.

Frage 6: Benutzt du selbst ein Notizbuch? Wenn ja: was hältst du darin fest?

(Anmerkung: Auf dem Foto sehr ihr Johannas Atelier) Ja ich benutze Notizbücher (eigentlich immer Messemuster oder etwas schlampige Vormesse-Muster) Und zwar eigentlich erst so richtig seit ich meinen Terminkalender
ausschließlich im Rechner habe. Ich glaube auch, daß Notizbücher deswegen im allgemeinen gerade eine Renaissance erleben. Die Leute haben alle elektronische Kalender der einen oder anderen Art, wollen aber trotzdem mal was aufschreiben oder kritzeln… Ich schreibe absolut alles in meine Notizbücher: To-Do-Listen, Gesprächsmitschriften bei Kundengesprächen, Klamottenentwürfe, erste Skizzen für Grafikdesign für Kunden, Packlisten für den Urlaub, Einkaufslisten, Post-Adressen, Passwörter (die ich dann nie wieder finde), Krickelkrackel beim Telefonieren, irgendwas, das ich mir merken will, auch mal nen klugen Gedanken, falls ich einen habe…
Mein erklärter Lieblingsstift ist der Pentel Tradio Stylo Fountain Pen. Der kratzt so ganz leicht und leise übers Papier… Alternativ Bleistifte in 2b. Und sonst was ich grad zur Hand hab.

Frage 7: Mit deiner Designbrille gesehen: was hältst du von den vielen Buchentwürfen, die in Eigenregie entworfen und vertrieben werden, etwa bei dawanda? Verfolgst du diese Arbeiten?

Viele find ich sooo schön! Besonders die aus gefundenen Materialien. Ich mach das privat auch und es ist der größte Spaß für jemanden ganz persönliche Bücher zu bauen.

Frage 8: Was macht für dich ein guten Notizbuchdesign aus?

Gutes Design ist für jeden was anderes… bedient die Zielgruppe so, daß sie sich mit dem Produkt identifizieren kann… Hochwertig-edel, trashig-bunt, liebevoll-süß, praktisch-basic, architektonisch-schwarz, kunstmäßig usw. Ich persönlich mag die Notizbücher, die ich benutze weil sie mich an den Entstehungsprozeß meiner Kollektionen erinnern. Ich würde aber genausogern, nur eben aus anderen Gründen, ein Notizbuch benutzen, das meine Nichte für mich gebunden hat. Wenn ich eins kaufen müßte wärs wahrscheinlich schwarz und langweilig, wie bei den meisten Designern…

Frage 9: Liest du regelmäßig bestimmte Blogs / Webseiten? Wenn ja, welche?

Ich muß zu meiner schande gestehen, daß ich selten blogs lese… Ich liebe bill cunninghams new york street fashion slide show “on the street” bei der New York Times
Weil ich Esoterik doof finde, lese ich manchmal skepticblog.org . Last.fm macht mich glücklich. Ich hab noch nie so viel neue Musik kennengelernt wie jetzt. Hört mit! ( last.fm )

Frage 10: Wie sieht dein ideales Notizbuch aus?

Es ist kleiner als A5 und größer als A6 und ein bißchen Kompakter im Format-nicht ganz so hoch. Das Papier ist weiß oder cremefarben, blanko. Es ist dick. Mindestens 120 Seiten. Ich benutze es ja zum arbeiten… Und es hat einen Verschluß, damit reingeschobene Sachen nicht verloren gehen. Es ist außen auf irgendeine Art mich ansprechend gestaltet und fest gebunden. Tendenz selbstgemacht ….

Danke an Johanna für die tollen Einblicke in die Arbeit einer Notizbuchdesignerin. Hier noch ein paar ihrer Entwürfe:


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