Archiv für » April 17th, 2012«

Im Online-Shop von Haribo habe ich durch Zufall gesehen, dass der Gummibärchen-Hersteller jetzt auch unter die Notizbuchanbieter gegangen ist.

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Über den Diary-Slam in Hamburg haben Angelika und Christian ja bereits berichtet. Durch Zufall habe ich neulich im NDR im Kulturjournal eine Reportage über einen Slam in Hamburg gesehen. Den Beitrag, der fünf Minuten dauert,  kann man hier auch online sehen.

Wenn man heute in sie hineinschaut, sind sie Horte echter Peinlichkeit: Tagebücher aus Teenie-Zeiten. Bei “Diary Slams” lesen Menschen öffentlich aus ihren Tagebüchern vor.

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Die naheliegende und erwartbare Antwort lautet: für mich allein und für niemand sonst. Wer nicht gerade Schriftsteller oder Journalist mit Auftragsarbeit ist, schreibt in der Regel nicht für eine potenzielle Leserschaft, sondern sehr privat in ein von fremden Blicken gut geschütztes Buch. Aber was genau heißt eigentlich ´für sich schreiben´? Wer ist mein Gegenüber, wenn ich schriftlich meine Gedanken sortiere, mein Notizbuch als Kummerkasten oder Mülleimer benutze oder die Erlebnisse des Tages nicht nur im Kopf sondern auch auf Papier festhalte? Gibt es vielleicht heimliche Adressaten, deren Existenz mir nicht bewusst ist. Gibt es eine Instanz, die irgendwie mit im Spiel ist, während ich mich für mutterseelenallein halte? Oder gilt nach wie vor die Anrede: „liebes Tagebuch!“, und die Frage ist damit erledigt?

Der Schriftsteller Peter Tamm sagte vor zwei Jahren in der ZEIT: „Aber so gerne ich Tagebücher lese, so ungerne schreibe ich sie. Mir ist die Instanz nicht klar, an die sie sich wenden. Mir selbst brauche ich nichts zu erzählen, und wenn ich an einen anderen Leser, eine andere Leserin denke, fange ich sofort an, mich zu verstellen.“ (ZEIT, 18. März, 2010)

Für wen also schreibt man im Tagebuch? Ich habe keine konsistente Antwort auf diese Frage, vermute aber, dass die Antwort „ich schreibe nur für mich“ zu kurz greift. Unabhängig von jedem Veröffentlichungsgedanken findet beim Tagebuchschreiben ein Dialog statt. Mit wem? Vielleicht mit einem Teil meiner Persönlichkeit, vielleicht mit einem mir nahestehenden Menschen, vielleicht mit Gott, meinem inneren Krititker, dem Kind in mir, vielleicht – und das passiert schneller als man schreiben kann – mit einer zukünftigen Leserschaft, die endlich verstehen soll, wer man in Wirklichkeit war.

Franz Kafka notiert am 7. November 1921 in sein Tagebuch: „Unentrinnbare Verpflichtung zur Selbstbeobachtung. Werde ich von jemand anderem beobachtet, muss ich mich natürlich auch beobachten, werde ich von niemandem sonst beobachtet, muss ich mich umso genauer beobachten.“ Schreiben auch wir für Beobachter? Verinnerlichte Beobachter, mit denen wir uns im Tagebuch auseinandersetzen? Vielleicht schreiben wir auch an unser zukünftiges Ich, an den Leser, der wir sein werden, der Jahre später diese Zeilen lesen wird. Ein interessanter Gedanke, den Keith Haring Ende der 70er Jahre folgendermaßen aufgreift: „Etwas in ein Buch schreiben heißt auch Zeit in Schachteln – Seiten – packen …. Zur gleichen Zeit, wo ich hier rede, rede ich auch mit dir zur anderen Zeit, weil ich in Schachteln rede, weil diese Schachteln die Zeit aufnehmen und eine andere Zeit draus machen können. Zeitstücke in Schachteln“ .

Falls sich jemand von euch für solche Überlegungen interessiert und dazu was sagen kann und will, ist die Kommentarbox hiermit geöffnet.

Die Zitate entstammen bis auf das Peter-Tamm-Zitat alle dem Ausstellungskatalog Absolut privat!?: Vom Tagebuch zum Weblog. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung in den Museen für Kommunikation (Werbelink), Edition Braus, 2008.

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