Tagebucheintrag im Mai: Bäume schlagen aus, die Natur explodiert, Düfte vernebeln die Sinne. Ein zielgerichtetes, vernünftiges Alltagsleben scheint kaum möglich. Vor allem Menschen mit Gärten bewegen sich jetzt rauschhaft durch ihr sich stündlich veränderndes Refugium. Was gestern noch wie tot unter der Erde lag, weht jetzt als dunkelviolette Tulpe (Queen of the Night) im Frühlingswind. Vorhin noch volle Sicht auf die Straße, jetzt eine dichte grüne Mauer aus Liguster oder Hainbuche. Frostgebeutelte Rosen springen dem Tod von der Schippe und treiben mächtig aus, als müssten sie verlorene Zeit wettmachen.

Wer einen Garten hat und darüberhinaus ein Gartentagebuch führt, hat jetzt alle Hände voll zu tun. Es gilt, die rasanten Entwicklungen zu dokumentieren, oder – und das macht das Gartentagebuch so wertvoll – zum Oktober zurück zu blättern und nachzusehen, wo man welche Zwiebeln versenkt hatte. Sowohl für den Rückblick, für die Planung als auch für lyrische Ausbrüche scheint mir ein Tagebuch unverzichtbar. Allerdings gehe ich dabei ähnlich unsystematisch vor wie die KollegInnen vom Forum „mein schöner Garten“. Interessanter Diskurs zum Thema Gartentagebuch bei: Mein Schönber Garten

Eine andere Entdeckung – und Empfehlung – für GartenfreundInnen ist das Buch Die Tage des Gärtners: Vom Glück, im Freien zu sein (Werbelink) von Jakob Augstein, im Hanser Verlag. Es ist eine Mischung aus persönlichem Erfahrungsbericht („Ich zum Beispiel habe neulich tatsächlich einen Löwen gekauft. Aus Sandstein. Das ist bedenklich … Aber es ist schon so, dass die Anschaffung von Gartenstatuen ein erster Schritt ist auf einem rutschigen Pfad, der abwärts führt”, S. 141) und kompromisslosen Empfehlungen („Ein Rat am Rande: Lassen Sie bloß die Finger vom Rittersporn!“, S. 26). Ich habe es mit großem Vergnügen gelesen, ihm beigepflichtet, widersprochen, den Kopf geschüttelt, meistens aber geschmunzelt.

Gibt es unter den BlogleserInnen eigentlich Gartenfreaks? Auch gartentagebuchführende Gartenfreaks?

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2 Antworten
  1. Doro sagt:

    Danke für den schönen Buchtipp! »Die Tage des Gärtners« ist allein schon wegen der Illustrationen ein Genuss!

  2. Himbeer sagt:

    Da ist ein Fehler im Link zu Mein schöner Garten! Im Übrigen: ja, ich führe Gartentagebuch. Leider verfüge bisher nur über mit Kübeln und Dosen vollgestellte Fenstersims und Feuerleiter – aber auch darüber schreibe ich.
    Ich empfehle – ein Klassiker-: Das Jahr des Gärtners!
    (siehe z.B.: http://www.amazon.de/Das-Jahr-G%C3%A4rtners-Karel-Capek/dp/3895615919/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1337211687&sr=1-2 )

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