I think letter-writing is a casualty of that same impulse. We spend so much time reading and writing fractured pieces of our experience that we forget to tell our story in the broad strokes of a diary or letter.

Dieses Zitat stammt aus Jason Boogs Artikel auf Mediabistro über die Bedeutung handschriftlicher Briefe. Sein Fazit: Handschriftliche Briefe sind nach wie vor wichtig, da sie uns dazu zwingen, zusammenhängende Texte zu schreiben und uns nicht nur auf Textfragmente und chat-ähnliche Texthappen zu konzentrieren. Bei diesem Argument stimme ich ihm zwar zu, doch es reicht meiner Meinung nach längst nicht aus, um die Bedeutung handschriftlicher Briefe wirklich zu beschreiben.

Briefe: Zeichen von Wertschätzung und Zeit

Wie Christian in einem früheren Artikel bereits schrieb, gibt es immer mehr Projekte und Bewegungen, die den Wert handschriftlicher Briefe neu entdecken und verbreiten. Aus meiner Sicht ist das kein Wunder zeigt ein handgeschriebener Brief in der heute schnelllebigen, von E-Mail, WhatsApp und Messengern dominierten Zeit doch, dass sich ein Mensch Zeit genommen hat, um mir zu schreiben und seine Gedanken in Worte zu fassen.

Wenn es sich dabei nicht gerade um einen Drohbrief handelt, kommt dadurch ein hohes Maß an Wertschätzung und Respekt zum Ausdruck. Qualitäten, die zeitlos und nach wie vor unendlich wertvoll sind. Doch der Wert handschriftlicher Briefe reicht noch weiter, denn bei vielen Menschen beobachte ich, dass das oft fast schon verlernte Schreiben von Hand eine erstaunlich emotionale Reaktion auslöst, Kreativität freisetzt und Gedanken ermöglicht, die bisher zurückgehalten und blockiert waren.

So bequem und komfortabel Tippen auch sein mag, echte Leidenschaft lässt sich oft am besten ausdrücken, wenn eine Feder über hochwertiges Papier gleitet, die Hand den angenehmen Widerstand spürt und das Ohr die leisen Geräusche der Feder auf dem Papier wahrnimmt. Die eigenen, zu Worten gewordenen Gedanken Realität werden zu sehen und die Tinte beim Trockenen zu beobachten hat etwas meditatives, das zur Entschleunigung und zur Achtsamkeit zwingt und bisher unbewusste Gedanken und Emotionen freisetzt. Nicht nur im Coaching sind handschriftliche Briefe – oder auch das Führen eines handschriftlichen Tagebuches – hervorragende Werkzeuge, um sich in Ruhe mit sich selbst oder anderen Menschen auseinanderzusetzen.

Für mich ist das Schreiben von Briefen daher ein wertvolles Ritual und ganz und gar kein anachronistischer Zeitvertreib. und für Euch?

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5 Antworten
  1. Karsten sagt:

    Wer viel mit der Hand schreibt wird wahrscheinlich auch eine Affinität zu handgeschriebenen Briefen haben. Einen Trend in dieser Richtung kann ich trotzdem nicht ausmachen. In letzter Zeit habe ich verstärkt wieder Briefe und nicht nur Postkarten geschrieben, aber leider nur wenige Antworten in der gleichen Form erhalten. Freuen würde ich mich, wenn es in der DUDEN Reihe Kreatives Schreiben einen Band zum Briefeschreiben gäbe. Das würde gut in die Reihe der bisherigen Bände passen.

  2. Udogi-Sela sagt:

    Selbst der Empfang und das Versenden von Urlaubspostkarten hat sich drastisch reduziert. Schließlich ist ein am Urlaubsort geschossenes Bild mit Kurztext elektronisch schneller verschickt, als eine lang am Kartenständer ausgesuchte Postkarte, zu der man auch noch eine Briefmarke kaufen muss, dazu noch einen Stift braucht, dann einen Platz zum Schreiben und die Überlegung, mit welchen Worten ich den kleinen weißen rückseitigen Platz voll schreiben will. Das braucht Zeit und Gedanken an und über den Adressaten, die heute offensichtlich kaum noch jemand aufbringen will. Dabei finde ich es schön, eine empfangene Urlaubspostkarte noch wochenlang an der Pinnwand hängen zu sehen.

    Oder hängt sich einer ein iPod dahin?

  3. Nicole M. sagt:

    Durch das Ende des Studiums verlieren sich so einige Leute aus den Augen, wenn jeder einen Arbeitsplatz am anderen Ende des Landes/der Welt hat. Deswegen schreiben meine Freunde und ich uns nun regelmäßig Briefe und freuen uns jedes Mal, wenn etwas Buntes im Briefkasten liegt :) Wir werden das Briefe schreiben auf jeden Fall so schnell nicht aufgeben!

  4. T. M. sagt:

    Ich schreibe fast nie handschriftliche Briefe. Ich habe (leider) keine Gelegenheit dazu. Nun ja, angesichts meiner, äh, „kreativen“ Handschrift ist das vermutlich auch besser so.

    Wenn ich Briefe schreibe, dann an Behörden oder sonstige mehr oder weniger „offizielle“ Stellen. Und die werden natürlich gedruckt. Wobei ich zwecks Individualität manchmal z. B. gelbes Briefpapier nehme, wenn es kein allzu ernster Anlass ist, damit es etwas individueller wirkt.

    Prinzipiell hätte ich schon Lust, Briefe zu schreiben und zu bekommen. Wenn ich aber privat etwas zu schreiben habe, setzt sich dann doch immer die Bequemlichkeit durch, und ich schreibe eine E-Mail. Außerdem sind E-Mails natürlich viel schneller. (Ich kann mir kaum noch vorstellen, wie es früher ohne ging.)

    Eine Sache finde ich dabei allerdings sehr schade: Briefe kann man aufbewahren und kann dann noch nach vielen Jahren nachlesen, was man sich so geschrieben hat. Manchmal gewinnt es erst an Jahren wirklich an Bedeutung. Papier dauerhaft aufzubewahren ist immer noch einfacher, als elektronische Daten. Und so ist mit meinem alten Laptop vor einigen Jahren fast ein kompletter „Brief“wechsel mit einer Person, der für mich eine große Bedeutung hatte, in der Unzugänglichkeit versunken, was ich sehr schade finde. Wenn ich mal die nötige Zeit und Lust aufbringe, werde ich versuchen, sie zu „retten“ und dann auszudrucken.

  5. […] Briefe schreiben: Anachronistischer Zeitvertreib oder wertvolles Ritual? […]

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