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Stell dir vor, du triffst einen Bekannten in der U-Bahn, der Sätze sagt wie „Tom behält alle Zahlen im Kopf, er wird Fangfragen abwehren, Tom ist konzentriert und fokussiert, Tom lässt seinen Charme spielen, Tom ist richtig gut drauf“. Gerade, als du dich peinlich berührt abwenden willst, erkennt er dich und strahlt dich an: „ich bin unter den letzten drei! Heute Mittag hat Tom den Job, ich meine, dann habe ich den Job!“

Du willst ihm viel Glück wünschen und schnell das Weite suchen. Aber schon erzählt er dir von einer Studie, die belegt, dass sich Selbstgespräche positiv auf unseren Erfolg auswirken. Nachweislich vor allem dann, wenn nicht die Ich-Form, sondern die distanzschaffende Form in 3. Person Singular verwandt wird.

Tom steigt an der nächsten Station aus. Du aber bleibst gedankenverloren zurück. Als du aussteigst, hast du die Studienergebnisse bereits überflogen und drei Entscheidungen getroffen: Du wirst deine Selbstgespräche künftig weniger selbstkritisch führen sondern dich anspornen und ermutigen „…wäre doch gelacht, wenn ich das nicht schaffen würde …“

Du wirst das Gespräch mit dir wie gehabt in deinem Tagebuch fortsetzen, aber auch hier auf einen respektvollen Umgang mit dir selbst achten, vielleicht etwas weniger jammern und stattdessen dein Tun und Lassen wohlwollend kommentieren „… toll hingekriegt, bin die Heldin des Tages …“

Du wirst immer dann, wenn du besonders gestresst oder emotional angefasst bist, den Trick mit der Distanzierung anwenden und statt der Ich-Perspektive einen personalen Erzählstil ausprobieren „…sie weiß nicht mehr, wie sie ihre Liste in time schaffen soll, ist schon ganz kurzatmig, ja, sie fühlt sich gehetzt, sie kämpft gegen die Zeit. Gegen die Zeit kämpfen – was für ein Irrsinn! …“

Notiz am Rande: Dies ist kein Plädoyer für Persönlichkeitsspaltung, sondern vor allem die Empfehlung, im Tagebuch, dem Ort für das Ich, mit unterschiedlichen Perspektiven zu experimentieren und durch den Abstand zu neuer Handlungsfähigkeit zu gelangen.

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Aktuell empfehlenswert sind zwei Hefte, die dem Schreiben an und für sich jeweils ausführlich Raum bieten.
Psychologie Heute, Juli 2014, ein Text von Birgit Schreiber mit dem Titel „Schreiben entlastet die Seele“.

Sie zitiert berühmte Persönlichkeiten (Doris Dörrie: „Das Schreiben ist für mich ein Schutzraum“) ebenso wie Wissenschaftler und Psychotherapeuten, die zwar nach wie vor keine validen Studienergebnisse liefern können, aber interessante Aussagen treffen (Psychologin Johanna Vedral: „Schreiben wirkt manchmal wie eine lebenverbessernde Droge“) und beschreibt Beispiele aus der Praxis. Auf sechs Seiten gelingt es ihr, einen lebendigen Eindruck über die Möglichkeiten und Grenzen des selbsttherapeutischen Schreibens zu vermitteln.

Ganz anders – aber nicht weniger gelungen – die Anleitung im Heft Flow, Ausgabe 3, 2014, von Mirjam Windrich, die ein (analoges) Schreibseminar zum Selbermachen entwickelt hat. 
„Achtsame Selbstreflexion“ ist der Titel des Textes, der nur kurz die Prinzipien der Mindfulness-Analyse streift und dann praktisch wird. Und zwar praktisch im Sinne von Flow: ein appetitlich gestaltetes Schreibheft zum Herausnehmen, das für 30 Tage Schreiben reicht. Woche 1 behandelt Fragen zu aktuellen Situation, Woche 2 den Blick nach innen, Woche 3 die Entdeckung der Möglichkeiten und Woche 4 die konkreten Schritte, die zu tun sind.

Warum nicht die Sommerpause für ein Schreibexperiment nutzen?!

Und hier noch ein Special für alle, die finden, dass Tagebuchschreiben nix für Männer, geschweige denn für Leistungsträger in unserer Gesellschaft ist: Und ewig lacht das Tagebuch.
Sollte Jogi Löw am 13. Juli auf dem Zenit seiner Laufbahn stehen, steht uns der Siegeszug des Tagebuchs bevor. Gerade für Menschen in Führungspositionen ist das Tagebuchführen DAS Mittel der Wahl, um emotionale Intelligenz, soziale Kompetenz und das Gespür für sich und andere zu fördern. Interessant vor allem die Platzierung des Artikels: im Sportteil und nicht nur bei Literatur und Gesellschaft!

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Der Himmel ist knallblau, die späte Junisonne scheint warm auf die Stadt, alle Menschen sind an der Alster, an der Elbe oder im Biergarten. Das denke ich, als ich den fensterlosen Bunker an der Feldstraße betrete. Wer bitte geht an einem Abend wie diesem freiwillig in den Bunker? Noch dazu, wenn Brasilien spielt und es hier nur um Tagebücher geht? 
Der Bunker ist Austragungsort für den dritten Geburtstag des Hamburger Diary-Slam und für die Taschenbuchausgabe von „Ich glaube, ich bin jetzt mit Nils zusammen“ von Ella Carina Werner und Nadine Wedel, den Gründerinnen des Diary Slam in Hamburg.

Wer also hat sich auf den Weg gemacht? Scharen von jungen Frauen in den Zwanzigern. Frauen mit langem Haar, eckiger Brille, mit Nasenpiercing, Blümchenschal, Spaghettiträgern, Babybauch, iphone und/oder Becks Gold im Anschlag, mit Riesenhandtaschen und – man höre und staune! – dem einen oder anderen Mann im Schlepptau, gelegentlich sogar der Mutter. Ehe es losgeht, simmert der ausverkaufte Saal von Stimmengewirr, Gezwitscher wie in einer Spatzenhecke.

Das Publikum brennt darauf, sich vor Peinlichkeit zu krümmen, wenn Sätze fallen wie „Bitte lieber Gott, lass mich einen Freund bekommen, ehe ich 16 bin, am liebsten den Benni“ (Nadine) oder „Nudelessen mit Moni. Abends effektive Aussprache“ (Sebastian) oder „Da ist es mir so richtig eiskalt übers Herz gelaufen“ (Petra) oder der schnörkellosen Selbstbeobachtung von Ivonne: „Ich liege auf dem Sofa und poetisiere“. Es wird gejohlt, ab und an gibt es Szenenapplaus oder Zwischenrufe wie „was ist denn aus Moni und dir geworden?“

Wie lässt sich das Interesse am Gefühlsgestammel von Jugendlichen aus den 80ern und 90ern erklären? Warum schießen von Berlin bis Donaueschingen, von Hamburg bis Otterndorf oder München die Diary-Slams aus dem Boden? Was treibt erwachsene Menschen am Sommerabend in den Bunker? Wie kommt es, dass die literarischen und psychischen Verwerfungen der Jugendzeit an die Öffentlichkeit gezerrt und von einem wachsenden Publikum mit Enthusiasmus gefeiert werden? Gibt es einen Zusammenhang zwischen leeren Kirchen, einem überalterten Theaterpublikum und dem Erfolg von Diary-Slams? Welche Gefühle stecken hinter dem Gejohle und dem glückseligen Fremdschämen? Welche Funktion erfüllen diese Veranstaltungen? Einfach nur Unterhaltung?

Mhm. Fragen über Fragen. Jetzt seid Ihr dran!

Die drei überzeugendsten Antwortkommentare hier im Notizbuchblog erhalten je ein Exemplar von „Neuerdings schreibe ich an mich selbst, 26 Arten, ein Tagebuch zu führen“, meiner bei X17 veröffentlichten Anleitung für Tagebuchschreiberinnen und –schreiber. Die Verlosung endet am 27. Juni 2014 um 18 h.

Rechtsweg völlig ausgeschlossen…


© mit freundlicher Genehmigung, Nadine Wedel, http://www.diaryslam.de/
Die Personen auf den Bildern haben der Veröffentlichung zugestimmt


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Kategorie: Tagebuch  Tags: ,  6 Kommentare

Tagebücher leiden unter der Hitze. Das Hirn ist träge, die Gedanken krümeln sich durch die Windungen. Das Leben, der Alltag, die Geschehnisse – sie dümpeln dumpf vor sich hin. Was soll man da bitte aufschreiben?! 
In Zeiten von Umbruch oder heftiger emotionaler Bewegungen fließen die Worte schwallartig aufs Papier bzw. in die Tasten. Aber bei Stillstand? Was dann? Lieber in den Biergarten oder ziellos im Netz surfen?

Meistens enden ambitionierte Tagebuchvorhaben, wenn das Leben scheinbar unspektakulär verläuft und die Einträge an „Liebes –Tagebuch-heute-war-wieder-nichts-los“ erinnern. Schade eigentlich. Denn auch und gerade dann, wenn nichts Dramatisches passiert, steigen Bläschen aus dem Unbewussten an die Oberfläche. Aber nur dann, wenn man ihnen eine Chance gibt.

Zum Beispiel durch die Konzentration auf den Moment. Auf das, was jetzt gerade wahrnehmbar ist. Ohne Wahrnehmung wird das Schreiben zur leeren Hülle. Also wahrnehmen, was die Sinne anbieten. Den Geruch von Hitze oder den Moment nach dem Gewitter. Wie der Duft von nassem Hund in die Nase steigt, wie der Asphalt sein Aroma aus Staub, Schlamm und Befahrenwerden absondert. Wie Frösche den Abend einquaken, wie die offenen Fenster das Leben in den Wohnungen nach draußen twittern. Gelächter, Tellergeklapper, Fernsehgeräusche, Liebesstöhnen, Erziehungsmaßnahmen aus dem Untergeschoss, „wie oft habe ich dir gesagt … jetzt ist aber Schluss … du lässt das jetzt, Jonas …?!“ usw. usf. . 
Dann der Blick auf den Himmel, der sich rötlich färbt, während schwarze Wolken sich davor aufbauen wie Kulissen im Theater. Die Himmelsbühne. Immer was los draußen. Dann der Blick nach innen. Ein Atemzug. Noch einer, stimmt, ganz vergessen, den ganzen hitzigen Tag lang die Luft angehalten. Warum eigentlich? Was macht es so schwer, unter Druck weiterzuatmen? Woher kenne ich das? Ach ja, ich erinnere mich …

Das ist der zweite Tipp für flaue Zeiten. „Ich erinnere mich“. Mit diesem Satzbeginn lassen sich Seiten füllen. Einzige Bedingung: laufen lassen. Den Satz so lange ergänzen, bis überraschende Erinnerungen aufsteigen. So wie der Geruch von nassem Asphalt.

Es gibt kein langweiliges Leben. Oder wie Sting es in einem seiner Songs ausdrückt: There is a deeper world than this…

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Im Juni gibt es gleich zwei Pflichtveranstaltungen für Tagebuch-Junkies:

Erste Veranstaltung: Das 3-jährige Bestehen des Diary-Slam in Hamburg wird gefeiert! Und zwar am Tag des Tagebuches (am 12. Juni 1944 begann Anne Frank mit ihrem ersten Eintrag). Die Veranstalterinnen sprechen vom „Best of Diary Slam Volume 2“ und haben besondere Künstler und eine besondere Location dafür gewählt. 12.06.2014 – 20:00 Uhr Best of Diary Slam Vol. 2:

[…] Wer den monatlichen Diary Slam in der Eckkneipe „Aalhaus“ schätzt, wird diesen Abend lieben! – Einlass ab 19.30 Uhr – Uebel&Gefährlich, Feldstraße 66, 20359 Hamburg – Eintritt: VVK 7,00 € zzgl. Gebühren, Abendkasse 9,00 €[…]

Zweite Veranstaltung: Im Deutschlandfunk wurden kürzlich zwei Veranstaltungen im Kulturgut Nottbeck in Oelde (Westfalen) vorgestellt, von denen zwar eine bereits Vergangenheit ist, die trotzdem kurz skizziert werden muss, schon allein als Beweis dafür, dass Tagebücher nicht nur Sache von Teenagers und ältlichen Frolleins sind: Drei Tage rund ums Tagebuch mit TOM LIWA

[…] In einem dreitägigen Workshop auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg beschäftigt sich TOM LIWA mit dem vielleicht am weitesten verbreiteten literarischen Genre überhaupt: dem Tagebuch. Vom 30. Mai bis zum 1. Juni 2014 führt der Sänger, Songschreiber und Freestyle-Therapeut in literarische Techniken des autobiografischen Schreibens ein, gibt den Teilnehmern aber vor allem auch inhaltliche Anregungen und Anleitung zu einem bewussteren Leben. Neben Wahrnehmungsübungen und Begegnungen mit bemerkenswerten Menschen wird ein großer Teil des Programms im Freien stattfinden. Einzigartige Erlebnisse und tägliche Schreibpraxis verbinden sich während der drei Tage zu einer einmaligen und prägenden Gesamterfahrung.
 […]


Die zweite Veranstaltung, ebenso im Kulturgut Nottbek, verantwortlich ebenfalls Tom Liwa, beweist Mut und Experimentierfreude. Nix wie hin!!! Einzigartig und vielstimmig: eine Hommage ans Tagebuch

[…] Zwei Tage, sechs Tagebücher, sechs Fragezeichen. Auf den TAGEBUCHTAGEN am 13. und 14. Juni 2014 auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg widmet sich eine illustre Auswahl renommierter Künstler einer ebenso illustren Auswahl an Tagebüchern. Ein einmaliges Festival, bei dem Literatur auf Musik, Tanz, Theater und Performance trifft und die gelebte Zeit anderer zum Erlebnis wird! […]

Mehr über den Veranstalter und seine Liebe zum Tagebuchschreiben zum Nachlesen und Nachhören auf “Tagebücher sind besondere Inspirationsgeber”.

Nach diesen beiden Events gibt es jede Menge Stoff für außergewöhnliche Tagebucheinträge, da bin ich mir sicher.

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[…] „13.46 Uhr. Der Atem fließt träge, die Halsmuskeln muckeln. Der Kopf scheint sein Gewicht minütlich zu verdoppeln. Die Finger tasten zögerlich über die Tastatur. Sie warten auf Befehle, die nicht kommen. Die Befehlszentrale liegt im Mittagskoma. Schultern wandern zu den Ohren. Kiefermuskeln mahlen. Hie und da ein flüchtiger Gedanke. An Kaffee. An weite Sprünge über grünes Land. Zurück in den Raum. Zurück hinter offene Augen vor geschlossenen Vorhängen. Es atmet wieder. Der Motor springt an, die ersten Impulse tickern in die Finger, die den Tanz erneut aufnehmen. Warm klopfen sie auf die Mulden des Alphabets. Das Tief zieht ab.“ […]

(ava beim Versuch des Körpertagebuchschreibens …)

Schon mal ein Körpertagebuch geführt? Menschen mit körperlichen Einschränkungen (Diabetes, chronische Schmerzen, Übergewicht …) kennen das Tagebuch als Pflichtprogramm während einer Behandlung. Manchmal sind Zahlen in Tabellen einzutragen, manchmal Kreuze zu machen, manchmal auch Sätze zu Befindlichkeiten hinzuschreiben. Das meine ich hier aber nicht, sondern eher ein literarisches Körpertagebuch. Ende des letzten Jahres habe ich bereits das Winter Journal von Paul Auster angepriesen (Winterjournal (Werbelink)), in dem der Autor seine Lebensgeschichte anhand seiner körperlichen Empfindungen erzählt.

Jetzt im April erschien auf Deutsch der Roman Der Körper meines Lebens (Werbelink) von Daniel Pennac, in dem die Hauptfigur ein Tagebuch führt, und – ähnlich wie im Winter Journal – von ihrem körperlichen Erleben ausgeht.

„Die Geschichte eines Körpers – erzählt von seinem Inhaber Ein Leben wird erzählt, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Nur die Perspektive ist eine besondere: Der Körper selbst mit seinen Reaktionen und Veränderungen ist hier Stichwortgeber für die Geschichte eines langen, bewegten und erfüllten Lebens. Ein Roman in Tagebuchform. »Ich will nie wieder Angst haben.« Dies ist der feste Vorsatz des Erzählers in Daniel Pennacs neuem Roman, der in Frankreich sofort bei Erscheinen die Bestsellerliste stürmte und sich dort für Monate festsetzte.“

Viel Vergnügen beim Körpertagebuch-Lesen oder Schreiben!

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© mit freundlicher Genehmigung, paperblanks

Es gibt zwar kein Bier auf Hawai – so der Schlager von Paul Kuhn aus dem Jahr 1963 – dafür aber jede Menge Blumen. Mit Blumen und Blüten bedruckte Stoffe haben eine lange Tradition auf Hawai. Seit kurzem jedoch liegt der Zauber von hawaianischen Blüten nicht mehr nur auf Stoffen, sondern auch auf Notizbüchern aus dem Hause Paperblanks. Dort heißt es:

[…] Unsere Aloha Reihe ist durch diese zeitgenössischen Muster inspiriert, sie fangen den Aloha Geist von Freude und Eintracht in den überschäumenden hawaiianischen Blumenmustern ein.Neu sind Akahai (“Freundlichkeit ausgedrückt durch Zärtlichkeit”), Ola (“gesund, lebendig”), Laulima (“Zusammenarbeit”) und Lokahai (“Einigkeit ausgedrückt durch Harmonie”). […]


© mit freundlicher Genehmigung, paperblanks

Zu erwerben ist der Aloha-Geist in Mini (13,95 Euro) und Midi (16,95), jeweils in bewährter paperblanks-Qualität, einem Bändchen und einem Elastikbandverschluss. Man kann ihn aber auch hier gewinnen. Wir verlosen drei Exemplare im Format Midi.
Darüber hinaus haben wir noch zwei Exemplare aus der Serie Blumenpracht zu verschenken. Blumen und Blüten auch hier, doch deutlich stiller und nicht nur geografisch meilenweit entfernt vom Aloha-Spirit. Hier befinden wir uns im Frankreich des 19. Jahrhundert. Mit Hand bemalte Stoffe verkörpern höfisches Leben, verfeinerte Sitten und die verspielte Eleganz einer vergangenen Epoche.


© mit freundlicher Genehmigung, paperblanks

Wer gern in elegischer Stimmung, am besten mit feinem Schreibgerät oder gar einer Feder, seine Gedanken zu Papier bringen möchte, im Schein der Kerze oder bei einem Glas Beaujolais, ist mit der floralen Serie glücklich zu machen und muss nur noch ein paar kleine Entscheidungen treffen: hell oder dunkel, also Bukett auf Elfenbein oder Ebenholz, und Format: Groß (22,95 €), Midi (17,95 €) oder Schlank (13,95€).


© mit freundlicher Genehmigung, paperblanks

Den glücklichen GewinnerInnen unserer Verlosung ist die Entscheidung abgenommen: sie bekommen ein helles oder ein dunkles im Format Midi.

  • Die Verlosung startet 12. Mai 2014 und endet am 14. Mau 2014 um 18 h
  • Wer teilnehmen möchte, muss hier einen Kommentar mit einer gültigen E-Mail Adresse hinterlassen (wird nicht angezeigt und nur für die Verlosung verwendet)
  • Am Ende werden alle Kommentare durchnummeriert und die Gewinner per Zufallsgenerator ermittelt
  • Christian oder ich schreiben die Gewinner dann an und erfrage die Postanschrift, die wir an die STRAUB & LINARDATOS GmbH für den Versand weitergeben. Diese Firma ist eine PR Agentur, die für paperblanks aktiv ist
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

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„Die Stimmung war sehr fidel“, notiert Ernst Jünger in sein Tagebuch und meint damit den Aufbruch in einen Krieg, der fast 1,5 Millionen Menschen den Tod bringt. In den Schützengräben ist es schnell vorbei mit fidel. Das Grauen des großen Krieges, dessen Beginn sich 2014 zum 100. Mal jährt, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Mit Bildern und Filmaufnahmen?
Auf Arte und demnächst auf ARD bemüht sich das multimediale Webspecial „14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs“ das Unfassbare für die Zuschauer fassbar und erzählbar zu machen.

[…] „Ein internationales Team von Rechercheuren und Autoren hat in mehrjähriger Arbeit mehr als 1.000 Tagebücher und Briefsammlungen gesichtet und 14 bewegende Schicksale des Ersten Weltkriegs ausgewählt. Die Charaktere sind nicht Generäle und Staatenlenker, sondern Soldaten im Schlamm der Schützengräben, Hausfrauen, Kinder, denen der Krieg als Alptraum, aber auch als Abenteuer erscheint, sowie Krankenschwestern, die außer Illusionen auch jeglichen Glauben verlieren. Es sind Männer, Frauen und Kinder nicht nur aus Deutschland und Frankreich, sondern auch aus Großbritannien, Österreich-Ungarn, Russland, den USA und Australien.“ […]

Ein ambitioniertes Unterfangen. Ist es gelungen? Ich habe mir vor einigen Tagen die ersten beiden der insgesamt acht Teile auf Arte angesehen, blitzgespannt, wie die Melange aus Tagebüchern, Filmsequenzen, Re-Enactment und Kommentaren funktionieren würde. Die Message der Produktion ist schnell klar: Emotionaliserung durch Personalisierung. Wie schon bei „Unsere Mütter, unsere Väter“, dem Dokudrama aus dem 2. Weltkrieg, soll ich die Schicksale der 14 Frauen und Männer begleiten und mich dadurch berühren lassen. Weil: namenlose Opfer oder blanke Fakten holen heute niemanden mehr aus der Komfortzone.
Tja, und da streiten sich in mir die Seelen. Als jemand, die Geschichten liebt, die sich gern mit Protagonisten identifiziert oder von ihnen distanziert, die eine echte Schwäche für Tagebücher hat, sollte ich das Format eigentlich mögen. Fakt ist: ich finde die Re-Inszenierungen der Tagebucheinträge oder Briefe vor allem peinlich. Ich bin, so vermute ich, die falsche Zielgruppe. Mir reichen blanke Fakten und ein paar wenige Originalaufnahmen vom Grauen der Schlachtfelder, um die Unfassbarkeit der Kriegsgräuel zu ahnen. Ich brauche keine großäugigen Kinder, die ihre Ängste flüsternd in die Kamera sprechen. Ich fürchte, ich finde die Emotionaliserungsschraube überdreht.

Seht selbst und kommentiert!

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Manche tun es, manche reden nur darüber und viele hängen im Niemandsland dazwischen. Dort im Niemandsland, wo die Hoffnung mit der Enttäuschung und die Energie mit der Lethargie tanzt – und wenn sie nicht gestorben sind, tanzen sie noch immer. Wovon rede ich eigentlich? Von Ewigen Projekten.
Den Begriff habe nicht ich mir ausgedacht sondern die Damen und Herren von der ZEIT. Auf der Onlineplattform werden LeserInnen aufgerufen, ihre Ewigen Projekte vorzustellen: „Haben Sie auch so ein Projekt, das Sie seit Jahren begleitet und von dem Sie mittlerweile ahnen, dass Sie es nie beenden werden? Von dem Sie mittlerweile vielleicht gar nicht mehr wollen, dass es je zum Ende kommt, weil es Ihnen ein liebgewonnener Begleiter geworden ist oder seine ganz eigene Dynamik und Schönheit entwickelt hat? Dann erzählen Sie uns davon – und zwar jetzt gleich!“ (ZEIT):
Da kommen recht wunderliche Projekte zum Vorschein. Patchworkhäkeldecken, die nicht fertig werden, der ultimative Spickzettel für Englisch-Tests in der Schule bis hin zu Wortneuschöpfungen, die das Thema Aufschieben in ein anderes Licht rücken wollen: Das Morgensagen, Zeitverlegen, Alibihandeln uvm. Besonders beeindruckend fand ich das Ewige Projekt des Fotografen Frederik Busch:

[…] In den 24 Jahren, die ich mein visuelles Tagebuch nun führe, habe ich rund 20 Aktenordner mit Tausenden von Farb- und Schwarz-Weiß-Negativen gefüllt. Ich habe das Tagebuch-Projekt irgendwann “das kleine Glück” getauft. Bis heute fotografiere ich analog, mit Kleinbild- und Mittelformat-Kameras. Regelmäßig lege ich neue Ordner an und sortiere um, mal nach Jahren, mal nach Themen. […]

Was er mit seinen Bildern macht, können Menschen, die über Jahre hinweg Tagebuch führen, unterstreichen (ich jedenfalls ☺), weil die Übersetzung des eigenen Lebens in Bild oder Wort in späteren Zeiten beglückend ist:

[…] „Wenn es mir nicht gut geht oder ich an mir selbst zweifle und mich zu verlieren drohe, dann hilft es mir, mich über meine Negative zu beugen. Meistens bekomme ich schnell wieder ein Gefühl für mich selbst und denke: Du solltest stolz auf dich sein. Selbst wenn ich nie ein Buch publiziere: Mein ganzes Leben steckt in diesem Archiv. Ich kann meine Freunde und mich selbst jederzeit wiederfinden. Und das ist ein großes Glück.“ […]

(Frederik Busch)

Dazu passt ein Zitat des berühmten Diaristen Victor Klemperer (1881-1960):

[…] „Nur Leben sammeln. Immer sammeln. Eindrücke, Lektüre, Gesehenes, alles. Und nicht fragen wozu und warum. Ob ein Buch daraus wird oder Memoiren oder gar nichts, ob es in meinem Gedächtnis haftet oder verdirbt wie eine schlechte photographische Platte. Nicht fragen, nur sammeln.“ […]

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Ist es mein Tunnelblick oder nimmt die Zahl an berühmten Persönlichkeiten, die entweder öffentlich Tagebuch schreiben oder über deren Tagebücher in der Öffentlichkeit berichtet wird, tatsächlich zu?
Zum einen sind es Literaten, die für alle lesbar das verarbeiten, was das Leben ihnen aufbürdet. Nach Wolfgang Herrndorf (siehe auch Herrndorfs Tagebuch) macht jetzt Henning Mankell Schlagzeilen, weil er öffentlich über seine Krebserkrankung schreiben will. Auf seiner Website heißt es:

„Sehr früh entschied ich mich zu versuchen, über diese Dinge zu schreiben. Letztlich geht es ja um Schmerzen und Leiden, die viele Menschen empfinden – allerdings auch um eine erstaunliche medizinische Wissenschaft und ein Licht, das oftmals durch den Nebel dringt. Ich will genau so schreiben, wie es ist. Über den schweren Kampf, den das immer bedeutet.“

Vom Schauspieler Philip Seymour Hoffman, der am 2. Februar starb, wird berichtet, man habe seine Tagebücher gefunden, in denen Hoffman sich mit seiner Drogensucht auseinandersetzt. Und last but not least fiel mir heute eine Notiz in die Hände, dass Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones ihrer Ehekrise unter anderem mit einem gemeinsamen Tagebuch zu Leibe rücken wollen. Bei vip.de wird ein Insider zitiert mit den Worten:

“Sie arbeiten daran, wie sie ihre Gefühle ausdrücken können – dazu gehören auch Tagebücher. Sie zeigen sie sich gegenseitig, wenn es schlecht zwischen ihnen läuft, das ist ein Mittel, wie sie Dinge zum Ausdruck bringen können.”

Ich finde an diesen Beispielen gar nicht so interessant, dass auch VIPs Tagebuch führen, sondern vielmehr, dass zunehmend darüber kommuniziert wird. Meine These: das Tagebuchschreiben – insbesondere in Krisenzeiten – wird salonfähig. Stimmt ihr dieser These zu? Oder hat es mehr mit meinem oben erwähnten Tunnelblick zu tun?

Auf Diskussion darüber freut sich: Angelika.

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