Als Notizbuch Fetischist habe ich mir über die letzten Jahre ein paar Grundregeln angewöhnt, nach denen ich meine Einträge organisiere. Dabei gab es immer mal wieder Regeln, die ich wieder habe fallen lassen – wie etwa das fortlaufende Schreiben ohne Zwischenräume bzw. das Gegenteil von Regel 7 unten. Hier also die paar Regeln, die die Jahre überdauert und sich seitdem bewährt haben. Einen Teil der Regeln ist im Bild unten auch visualisiert.

  1. Themenkasten links oben – In der linken oberen Ecke sollten immer ein oder zwei Stichworte stehen, die durch einen Kasten eingerahmt sind. Das hilft beim späteren Durchblättern und schnellen Auffinden von Einträgen. Der Themenkasten enthält das Thema der Seite in einem prägnanten Begriff, kann aber auch bei einer losen Sammlung von Aufgaben „Notizen“ heißen oder ähnliches. Wichtig für den Kasten sind auch Regel 6 und 7 unten.
  2. Datum neben Themenkasten – das Datum ist sehr wichtig, was man aber erst nach Wochen merkt, wenn man zurückblättert oder gar in alten Notizbüchern blättert. Zum einen wird so eine Chronologie hergestellt, zum anderen erhält man etwa bei Tagebucheinträgen (wenn man sie denn in einem Notizbuch einträgt) den Datumsbezug.
  3. Erledigungszeichen – dies ist eine ganz spezielle Regel, da sie viele Variationen zulässt. Grundsätzlich sollten alle Einträge im Notizbuch mit einem „-“ Minuszeichen vermerkt werden, wie etwa bei Spiegelstrichen einer Aufzählung. Wenn man den Eintrag dann „bearbeitet“ oder „erledigt“ hat, kann man durch Hinzufügen eines vertikalen Strichs „|“ ein „+“ Pluszeichen draus machen und damit kennzeichnen, dass der Punkt erledigt ist. Durch diese Vorgehensweise hat man beim Durchblättern schnell den Überblick, welche Punkte schon „bearbeitet“ wurden und welche noch nicht. Es empfiehlt sich beim Start eines neuen Buches alte offene Punkte entweder abzuhaken oder zu übertragen. Erledigungszeichen können auch Variationen von „+“ und „-“ sein, etwa Kreise und ausgekreuzte Kreise zum Kennzeichnen von Aufgabenlisten oder Ideen.
  4. Verweise auf andere Seiten – ein Notizbuch muss keine Seitenzahlen haben, sie sind schlicht nicht notwendig. Wenn sie da sind und man Seiten „verlinken“ möchte, kann dies durch eine eingekringelte Seitenzahl erfolgen.
  5. Verbindungslinien – für Schönschreibpuristen und Ordnungsfanatiker sind sie nix: die Verbindungslinien quer über den Text. Gerade beim schnellen Erfassen von Notizen fällt einem beim linearen Listen häufig noch ein Punkt ein, der zu einem Eintrag auf der gleichen Seite weiter oben gehört. Dann kann man die beiden Punkte einfach mit einer Linie verbinden. Beim späteren Durchlesen erleichtert das die Zusammenhänge enorm. Linien können auch zwischen Doppelseiten hin- und herlaufen.
  6. Kategorien in Themenkasten – Regel 1 ist eine Kennzeichnungsregel, die das Notizbuch schnell durchsuchbar macht. Kategorien helfen bei der Benennung, etwa indem man das Wort „Idee“ voranstellt, „Idee: Notizbucheintrag“ oder „Idee: Neuer Eintrag“. Dann sind die Themenkästen nicht nur mit den Stichworten markiert, sondern die Stichworte sind auch kategorisiert. Typische Kategorien sind „Idee“, „TB“ (für Tagebuch), „Verein“ (für Einträge bzgl. eines Vereins z.B. während einer Sitzung), etc.
  7. Foto Notizbuch

  8. Neues Thema = neue Seite – Mut zur Lücke und zu freiem Platz. Jedes neue Thema sollte auf einer neuen Seite starten. Natürlich beschreibt man nicht jede Seite vollständig und so bleibt leere Fläche übrig. Das hat aber tatsächlich Vorteile, auch wenn es dem ein oder anderen als Platzverschwendung erscheint: a) es lockert das Buch auf und macht es lesbarer, b) nachträgliche EInträge auf der Seite sind problemlos möglich, c) Abschlussbemerkungen haben einen prominenten Platz (wie etwa „Protokoll hierzu verschickt am 09.09.99“.
  9. Werfe nie ein Notizbuch weg – Notizbücher sind (je nach Inhalt) eine Art analoger Livestream. Sie erzählen das eigene Leben nach und erinnern an Details, die man längst vergessen hatte. Sie sind ein Tagebuch, auch wenn sie gar nicht als solches gedacht sind.
  10. Zeichnungen sind erwünscht – ich verwende meist DIN A6 oder DIN A5 Notizbücher. Da bleibt Platz für Zeichnungen, aber nicht für flächige Diagramme wie Mindmaps – mit denen stößt man schnell an Grenzen. Zeichnungen machen das Notizbuch lesbar, lockern auf und geben dem ganzen einen etwas abenteuerlichen Charme.
  11. Wichtige Schlagworte einkringeln – neben den Themenkästen sind direkt im Text eingekringelte Schlagworte ein wichtiges Hilfsmittel zum Schnellen Überfliegen von Notizbucheinträgen. Mit Maßen eingesetzt erlauben sie auch ein rasches Durchblättern und Suchen.
  12. Kritzeln ist erlaubt – Notizbücher leben und sie müssen nicht perfekt sein. Kritzeln, Rechtschreibefehler und andere Dinge, die in Prosatexten tabu sind, sind hier erlaubt. Wenn man sich diese Inkorrektheiten nicht erlaubt, ist man mehr mit der Form als mit dem Inhalt beschäftigt. Die Form kommt beim regelmäßigen Schreiben von selbst. Man sollt es hier mit Ovid halten: Video meliora proboque deterioria sequor.
  13. Jedes Notizbuch sollte nummeriert sein – das hilft später beim Auffinden eines Buches. Sehr hilfreich ist dazu ein Eintrag unter der Nummer, der das Datum des ersten und das Datum des letzten Eintrages zeigt. Die Nummer mit den Daten sollte direkt auf der Rückseite des Buchdecks stehen, zusammen mit der Adresse
  14. Adresse eintragen – immer vollständige Adresse, E-Mail und Telefonnummer vorne ins Buch schreiben. Wenn es verloren geht, kann es ein ehrlicher Finder zurückschicken oder sich melden.
  15. Position des Lesebändchens – fast alle Notizbücher haben Lesebändchen. Wenn man das Lesebändchen immer auf der nächsten freien Seite positioniert, kann man mit einem Griff die nächste freie Seite aufschlagen und gleich losschreiben.
  16. Hersteller variieren – es lohnt sich, ab und an den Notizbuchhersteller zu variieren. Man kommt so auf neue Ideen und findet auf diese Weise irgendwann den eigenen Favoriten.

Übrigens: Wer ein gutes digitales Notizbuch sucht, sollte sich Evernote anschauen. Meiner Meinung nach das beste digitale Notizbuch derzeit.

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Kategorie: Tipps
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9 Antworten
  1. Markus sagt:

    Tolle Liste! Nutze auch Moleskine, insg. 3 Stück, vom (Tages)Kalender über ein Tagebuch und ein kleines Notizbuch. Moleskine ist einfach fantastisch. Eine Sucht! :-)

  2. rebhuhn sagt:

    cooler artikel! ich habe das blog jetzt auch abonniert :) zur zeit arbeite ich aber eher mit einer art zettelsystem: auf der arbeit privates notieren, auf nem zettel mitnehmen; zu hause arbeitsdinge notieren und auf der arbeit erledigen.. und: ich habe gmail und den kalender – da ich ständig online bin, reicht das aus.

  3. Christian sagt:

    @rebhuhn: schau dir mal Evernote an. Ist eine Software für Notizen. Die kann sich übers Netz mit mehreren Installationen synchronisieren. So hat man die Notizen von zu Hause im Büro und umgekehrt. Habe es auch im Einsatz: unersetzbar!

  4. rebhuhn sagt:

    @Christian
    ja, ich habs im artikel gelesen… allerdings sind meine zettel unersetzlich, denn: ich kann sie an verschiedenen orten zur erinnerung deponieren, sie von einer tasche in die andere tun und auch mal jemandem, der etwas davon erledigen soll, einfach in die hand drücken ;)! ich werds mir aber anschauen, nur noch nicht heute ^^

  5. TelefoNina sagt:

    Vielen Dank für diese Tipps. Ich bin am Jahresanfang von einem rein digitalen auf ein fast komplett analoges Notizsystem umgestiegen. Hier und da hapert es noch mit der Funktionalität – da hilft mir diese Liste sehr weiter!

  6. Christian sagt:

    @TelefoNina: danke für deinen Artikel unter http://www.telefontraining-blog.de/nicht-ohne-mein-notizbuch/ !

  7. Rolf sagt:

    Hallo Christian,

    super Artikel! Genau was ich gesucht habe :-)
    Viele Dank!
    Werde die Regeln mal für mich testen.

    Viele Grüße
    Rolf

  8. Christian sagt:

    @Rolf: freut mich, dass dir die Regeln was nutzen. Ich hatte sie auf 25 Regeln ausgedehnt – die müste ich noch mal in einem Artikel zusammenfassen.

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