Leserin Martine schickte mir letztes Jahr einen Link auf den Artikel Handschrift – Schreibt das erst mal sauber ab! in der FAZ. Der Artikel wurde zur Zeit der Buchmesse 2010 veröffentlicht und dreht sich darum, dass trotz der Digitalisierung des Alltags immer noch viele Schriftsteller von Hand schreiben. Von ältern Autoren kennt man das, denn damals gab es keine Computer, und es gibt Archive, in denen die Handschriften einzusehen sind. Aber heute muss es für die Autoren einen Grund geben, von Hand zu schreiben. Welchen Grund mögen sie haben? Der Österreichische Autor Clemens Berger etwa sagt:

[...] „Weil ich das Haptische brauche, den Stift auf dem Papier, weil ich mit der Hand schneller und ununterbrochener schreibe, weil ich mit der Hand, einem Stift und einem Heft überall schreiben kann.“ [...]

Der Dichter Lutz Seiler sagt:

[...] „Der Bleistift ist mir näher, es ist, als behaupte die Fassung aus dem Drucker bereits eine gewisse Autorität, sie möchte gern schon etwas sein und sperrt sich auf diese Weise gegen größere Eingriffe, während die handschriftliche Fassung vollkommen offen und befreundet bleibt und zugänglich für Änderungen jeder Art.“ [...]

Der Artikel ist lesenswert. Aber so wie die Notizbücher trotz des Digitalen eine Renaissance erleben, wird eines Tages auch die Handschrift eine Renaissance erleben – und ihr werdet als Notizbuchfans dann die Avantgarde sein.

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6 Antworten
  1. Rosie sagt:

    Genau…das haptische ist es. Und dazu noch dies, dass Notizbuch und Stift in die kleinste Tasche passt, stets bereit ist und keinen Stromanschluss braucht. Ich liebe meine Moleskines. Für Worte und Skizzen.
    LG von Rosie

  2. Gerd sagt:

    und ein Notizbuch erliegt nie einem Festplattencrash ;)

  3. Oliver Jung sagt:

    Ich habe mir vor einigen Tagen Gedanken gemacht und diese festgehalten, die in eine ganz ähnliche Richtung gehen:
    http://alltagshacks.de/produktivitaet-kreativitaet-und-schoene-werkzeuge.html
    (ich hoffe, so ein manueller Trackback ist hier in Ordnung – ansonsten lösche ihn einfach, lieber Christian).

    Meine Schlussfolgerung: Kreativität ist wichtig für Produktivität. (Haptisch) Schöne Werkzeuge fördern die Kreativität. Also fördern solche Werkzeuge auch die Produktivität.

  4. Christian sagt:

    @alle: danke für eure Rückmeldungen. Da sind wir uns ja alle einig. Ich mag dieses Kratzen des Stiftes auf dem Papier und das Gefphl, ein Buch in der Hand zu haben. Möchte ich nicht missen – und das geht soweit, dass ich deswegen bewusst auf digitale Werkzeuge verzichte.

  5. T-M sagt:

    Wenn ich etwas “kreatives” schreibe, tue ich das in der Regel und trotz meiner schrecklichen Handschrift) handschriftlich. Warum? Nun, das hat mehrere Gründe: Mit einem Stift in der Hand habe ich das Gefühl, kreativer und freier denken zu können, als wenn ich vor dem Computer sitze. Für kurze Texte ist es OK, aber wenn ich etwas längeres schreiben möchte, kann ich es besser per Hand.

    Dazu kommt, dass sich für mich handschriftliche Texte viel leichter fortsetzen lassen. Wenn ich einen Text am Computer schreibe, und nicht an einem Stück damit fertig werde, speichere ich ihn z. B. als Word-Dokument und schaue mir das dann mit etwas Pech nie wieder an. Ich denke nicht mehr daran oder zumindest nur dann, wenn ich gerade keine Lust oder Zeit zum schreiben habe. Handschriftliches lässt sich nicht so leicht übersehen.

    Dazu kommt noch, dass sich Texte am Computer beliebig oft ändern, löschen und neu schreiben lassen. Was sehr praktisch ist, wenn ich irgend etwas “technisches” schreibe, ist paradoxerweise hinderlich, wenn ich irgendwie kreativ sein möchte: Ich fange jedes mal von vorne an zu überarbeiten, und bis ich da ankomme, wo ich beim letzten mal aufgehört habe, habe ich die Lust verloren und werde nie fertig. Natürlich lässt sich auf dem Papier auch durchstreichen und neu schreiben, aber es ist aufwändiger und der Versuchung daher geringer.

    Es gibt noch weitere Vorteile: Papier braucht keine Akkus und lässt sich sowohl lose als auch in Buchform praktisch überall hin mitnehmen. (Kleiner Nebeneffekt dabei: Man gewöhnt sich an, immer einen Stift zur Hand zu haben, was gelegentlich ganz praktisch ist.)

    Außerdem ist es relativ robust: Ein Blatt Papier, dass auf den Boden fällt, bleibt unbeschädigt, und ein Notizbuch bekommt höchstens einen Knick oder vergleichbare Beschädigungen, die vielleicht ärgerlich sein mögen, aber es sicherlich nicht unbenutzbar machen. Meinen Laptop hingegen lasse ich lieber nicht fallen. ;-)

    Das alles sind einige der Gründe dafür, warum ich, obwohl ich den Computer viel und häufig nutze, manche Dinge auf ganz altmodische Art handschriftlich erledige.

  6. Christian sagt:

    @T-M: ich denke, du bist schon länger Notizbuchnutzer, wenn ich so deine Beschreibung lese. Gerade die Möglichkeit, dass das Handschriftliche “bleibt” und nicht gelöscht werden kann wie in einem Computer, macht es so attraktiv. Das hilft mir persönlich auch dabei, kreativ zu sein. Das Spielen mit der Sprache, aber auch die Möglichkeit, an beliebigen Stellen Pfeile zu ziehen oder etwas zwischen zwei Zeilen zu kritzeln, empfinde ich als wertvolle Freiheit.

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