Letzten Dienstag konntet ihr an dieser Stelle den ersten Text von Angelika lesen, unserer Spezialistin für Tagebücher. Wir planen, nun regelmäßiger über das Thema Tagebücher zu berichten und zwar immer dienstags. Es wird also so etwas wie einen „Tagebuchdienstag“ geben. Der heutige Text von Angelika beschäftigt sich mit der Frage, wie man damit beginnt, ein Tagebuch zu führen. Denn aller Anfang ist schwer.

Vor dir liegt dein neues Notizheft, dein Tagebuch, Lebensjournal, wie auch immer du es nennst. Es ist blanko, liniert oder kariert, und es ist LEER. Du schreibst das Datum, dann stockt der Stift. Writers´ block: gute alte Schreibblockade. Kritische Stimmen in dir warnen davor, deine Worte würden falsch klingen, die Texte würden dir später peinlich sein oder noch schlimmer: es könnte jemand darin lesen! Schnell weg mit dem Heft!
Kann man machen, muss man nicht!
Man beginnt ein Heft am besten, indem man einfach beginnt! Die Stimmen ignorieren und dem Impuls folgen, schreibend sich selbst auf die Spur zu kommen und schreibend die Möglichkeiten einer eigenen, höchstpersönlichen Tagebuchkultur zu entdecken und sie über die Jahre zu verfeinern! Um die Schwelle der ersten leeren Seite zu nehmen, gibt es viele bewährte Hilfsmittel. Hier meine beiden Favoriten (die ich auch nach knapp 30 Jahren Tagebuch nutze, wenn ich ein neues Heft beginne):

  • Das serielle Schreiben: du suchst dir einen Satzanfang aus, den du in jedem neuen Satz wiederholst und spontan ergänzt mit dem, was dir in den Stift fließt, z.B.
    ich schreibe in dieses Heft, weil ….. ich schreibe in dieses Heft, um ….. ich schreibe in dieses Heft …., – bis die erste Seite voll ist oder die Begründungen versiegen.
  • Oder du beginnst jeden Satz mit: ich erinnere mich daran, wie …., ich erinnere mich, dass…., ich erinnere mich ….
    Den Moment mit allen Sinnen beschreiben: du schreibst alles auf, was du siehst, hörst, riechst, fühlst, schmeckst, und lässt dich von deinen Sinneswahrnehmungen assoziativ weiter tragen in Erinnerungen, Gefühle, Ideen, Pläne, Träume – wohin auch immer, und kehrst immer wieder zurück zu dem, was gerade ist.

Wie geht ihr mit „dem Anfang“ um? Wie war bei euch das erste Mal Tagebuchschreiben? Wie habt ihr die mentalen Hürden überwunden? Ich freue mich über eure Erfahrungsberichte in den Kommentaren!

Wer sich intensiver mit dem Thema Anfangen befassen will, findet weitere Tipps im Klassiker der Tagebuchliteratur: Tagebuch schreiben (Werbelink) von Tristine Rainer und Kerstin Winter (Taschenbuch – 1. Juni 2005)

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6 Antworten
  1. Sabine sagt:

    Ich habe 13 Jahre ausgesprochene Tagebücher geschrieben und es war immer so, dass es ein abendliches, liebgewonnenes Ritual war. Den Tag noch mal Revue passieren lassen, Fragen stellen, die ich vielleicht später beantworten kann, irgendwas einkleben ;-), malen…. Mir flossen die Worte immer aus den Fingern und ich wenn ich heute drin lese -ich habe alle aufgehoben und sie werden wohlbehütet!-, bin ich wieder „da“

    Ich denke, erzwingen kann man nichts, Tagebuchschreiben kommt einfach. Ansonsten ist man dafür nicht geschaffen. Soll es ja auch geben 😉

    Lieben Gruß
    Bine

  2. Markus sagt:

    Es ist im Grunde nicht schwer. Die Musik reinmachen was einem gefällt und anspricht und dann kann es schon losgehen.
    Ja, wenn man ganz frisch in die Materie einsteigt ist es ungewohnt aber mit der Zeit kommt man rein. Dann kann man gar nicht mehr ohne und die Worte laufen ohne irgendwelche Hemmungen einfach auf Papier. Dann hat alles andere um einem herum keine Bedeutung mehr, es existieren nur noch 2 Dinge! Die Gedanken und das Papier, so geht es mir zumindest 🙂

    Grüsse
    Markus

  3. Sabine sagt:

    Ich habs verlernt – das Tagebuchschreiben, wie ich es früher gemacht habe. Ganze Geschichten und Sätze 🙂 Heute fehlt mir manchmal die Lust und Muße dazu. Ich schreibe heute viel in Listenform oder in Stichworten – … aber ich schreibe 😉

    Freue mich auf eure Anregungen. Tolle Idee!

    Gruß Sabine

  4. Ivan Blatter sagt:

    Ich weiss gar nicht, ob ich hier schreiben „darf“, weil ich mein Tagebuch in den Computer tippe. 🙂

    Auf alle Fälle kenne ich das Gefühl noch von früher: Ein unberührtes, neues Heft war für mich eine Schwelle, die ich überwinden musste.

    Heute habe ich das Problem nicht mehr, da sich jeden Tag ein neues Dokument öffnet (ich nutze DayOne für Mac).

    Und ich schreibe kein klassisches Tagebuch, sondern schreibe 10-20 Min. lange ohne zu denken, also mache automatisches Schreiben. In meinem Fall nach Julia Cameron.

    Hier muss ich sowieso nicht denken, sondern einfach nur schreiben. Tut gut und ordnet die Gedanken! Das ist seit ein paar Wochen fester Bestandteil meines Morgenrituals!

  5. T-M sagt:

    Ich bin mal wieder mächtig spät dran, aber vielleicht liest es ja trotzdem noch jemand.

    Ich schreibe zwar erst seit knapp einem Jahr Tagebuch, aber ich habe gerade heute schon mein 19. angefangen, da ich sehr kleine Büchlein verwende (anfangs billige China-Kladden und Oktavhefte, jetzt etwas bessere) und zumindest in den ersten Monaten ziemlich viel geschrieben habe.

    Wenn ich also ein neues Büchlein anfange und nicht so recht weiß, was zu schreiben ist, schreibe ich meist als erstes eben, dass ich jetzt einen neuen Band anfange, was ich dabei für Gedanken habe usw. Eventuell auch die Frage, ob dies der letzte Band ist, stets verbunden mit den Hinweis dass diese Frage, bezogen auf den vorherigen Band, nun mit „Nein“ beantwortet werden muss. 😉

    In der Regel fällt mir dann früher oder später etwas sinnvolles ein. Und wenn nicht, ist morgen ja auch noch ein Tag. 😉

    Ach ja: Wenn ich keine Lust zu schreiben habe, lasse ich es ganz einfach sein und mache eine Pause, sei es nun ein Tag oder (in letzter Zeit, wo ich wieder ziemlich beschäftigt bin) auch mehrere Wochen. Würde ich versuchen, mich dazu zu zwingen, jeden Tag zu schreiben, würde ich die Lust daran verlieren und es ganz sein lassen (habe es selbst schon erlebt).

  6. Luna sagt:

    Ich kann mich meinen Vorrednern anschliessen. Schreibe seit über 17 Jahren, mehr oder weniger regelmäßig, Tagebuch bzw Lebensabschnittsberichte 😉
    Die Kiste mit den verschiedenen Büchern ist bunt gefüllt. Es ist lustig und überraschend, wenn ich mal wieder drin stöbere. Da sind Sachen beschrieben, die ich schon vergessen hatte und je nach damaliger Stimmung ist der Eintrag knallbunt, beklebt, ausführlich. Oder eben klein geschrieben, mit getrockneten Tränen…

    Die Anfänge sind meist ein Grübeln über das was kommt und drin stehen könnte.

    Und die Angst, dass es jemand liest habe ich auch heute noch !
    Deswegen bewahre ich die Tagebücher, wie auch meine Notizbücher, nicht im Regal auf, sondern in einer Box.

    Gruss

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