Zur Zeit ist es unmöglich, an den vielen Meldungen im Netz zur Überwachung von Angela Merkel vorbeizugehen. Die NSA hat ganze Arbeit geleistet. So langsam beginnt mich dieser Überwachungswahnsinn zu nerven. Wenn jemand seine Daten und sein Leben öffentlich in Facebook und Twitter preisgibt, dann ist das eine Sache. Da muss jeder selbst wissen, was er von sich preisgibt. Aber das Verhalten der NSA ist völlig inakzeptabel, wenn sie ohne unser Wissen Informationen aller Art sammelt, die wir nicht geteilt wissen möchten.

Was hat das mit dem Notizbuchblog zu tun? Sehr viel. Wenn sogar Angela Merkel abgehört wird, dann sind all die praktischen digitalen Helfer zum „Notieren“ ein öffentliches Buch – für wen auch immer. Evernote, Notizbuch-Apps auf Tablets, digitale Kalender, Tagebuch-Apps und pseudo-nicht-öffentliche Dienste zum Teilen von Fotos. Ich selbst nutze Evernote, Twitter und digitale Kalender. Bis auf meinen Kalender findet sich darin nichts Vertrauliches. Aber meine Ideen, Gedanken, Träume – die bleiben geheim, weil sie ausschließlich analog existieren. Mit allen Risiken, Einschränkungen und: Vorteilen!

  1. keine Kopien (Nachteil: Vergänglichkeit) ohne mein Wissen (Vorteil: Kontrolle meiner Daten)
  2. keine einfache Durchsuchbarkeit (Nachteil: langes Suchen. Vorteil: Sicherheit durch Unklarheit und ein längerer Suchvorgang unterstützt zufälliges Finden = Serendipität)
  3. Normalerweise wüsste auch niemand von der Existenz meiner Notizbücher (Vorteil: Verstecktheit), wenn ich nicht zufällig über dieses Thema bloggen würde
  4. und niemand kennt den Inhalt (Vorteil: Vertraulichkeit)
  5. ich kann entscheiden, wann ich Bücher vernichte (Vorteil: Selbstbestimmtheit)
  6. und ich ob ich die Daten ändere (Vorteil: Interpretationshoheit)

Es gibt also gute Gründe, in Notizbücher zu schreiben. Natürlich kann die jemand klauen und natürlich kann ein Geheimdienst mit entsprechender Motivation auch an diese Daten kommen. Aber welchen Aufwand müsste er dann treiben, um das in dem Ausmaß zu tun, in dem er es jetzt tut? Heute steht jeder unter Generalverdacht: „wir scannen euch mal auf Vorrat, mal schauen, ob ihr verdächtig seid oder werdet“.
Ich bin ein großer Freund des Digitalen im Allgemeinen und des Internets im Speziellen, wie sollte das als gebürtiger Informatiker auch anders sein? Aber ich will selbst bestimmen, wer wann wo wie meine Daten nutzt. So geht es nicht.

Notizbuchschreiber sind die wahren Revolutionäre, die mit ihrer analogen Privatheit dem grellen Licht des Digitalen entkommen können.

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7 Antworten
  1. Silke sagt:

    Das Internet gaukelt Anonymität vor, das aber jeder Schritt durch andere Computer registriert werden, Daten gesammelt werden wohin man surft etc will keiner wissen. Jede Cloud und Datensammlung die man online sicher glaubt ist Freiwild für Jeden der an die Daten will

  2. Peter sagt:

    Ich finde es gut, dass die NSA mit ihrem Überwachungswahn die Medien beherrscht und ich hoffe, dass dies künftig auch so bleibt – Jeden Tag eine Affäre! Morgen bitte die Mails von Angela, die Steuerdaten von Pofalla und die Kommunikationsmittschnitte zwischen Friedrich und Konsorten. Jeden Tag, jeden einzelnen Tag muss Schmutz an den Tag gezogen werden! Solange bis die politischen Entscheidungsträger in diesem Land lernen, dass Facebook und Twitter nicht für den Wahlkampf da sind, das die Daten der Einwohnermeldeämter nicht an die Werbeindustrie zu verkaufen sind. Und solange bis die hohen Herren begreifen, dass Geheimdienste geschuldet ihrer Aufgabe Grenzen überschreiten werden.
    Die weltweite Gesellschaft wandelt sich im Angesicht und der Möglichkeiten, welche durch digitale Verarbeitung und Speicherung von Daten sowie die Vernetzung ohne (geographische) Grenzen geboten werden. Welche Auswirkungen diese Veränderungen für alle Bereiche unseres sozialen, politischen und wirtschaftlichen Lebens haben ist schwer zu definieren. Mir fällt es schwer diese Auswirkungen für mich und meine Zukunft abzuschätzen. Jeden Tag kann man den Zeitungen entnehmen das es der politischen Kaste in der Welt unmöglich ist diese Entwicklung zu erkennen und entsprechende Leitlinien für unsere Zukunft zu definieren.

    Die Erkenntnis, dass wir in einer gläsernen post-privacy Gesellschaft leben, in welcher alte ethische Grundsätze überholt sind, hat auch mein Nutzungsverhalten verändert. Ich werde auch künftig kein digitaler Eremit – aber ich schreibe viel, viel mehr auf Papier.

  3. Christian sagt:

    @Peter: Falls es Ungerechtigkeiten gibt, bin ich auch für Enthüllung. Aber alle Politiker über einen (schlechten) Kamm zu scheren und auf Enthüllungen zu hoffen, entspricht nicht meinem Weltbild. Ich will v.a. nicht selbst überwacht werden. Daher Notizbücher.

  4. Peter sagt:

    @Christian, mich persönlich interessieren weder die Mails Telefonate von Politikern. Nur haben die letzten Tage gezeigt, dass es scheinbar einen Unterschied zwischen der Vollüberwachung der Bevölkerung (Ist alles OK, Gheimdienste versichern
    alles ist legal) und dem Mitschneiden der Merkelschen Kommunikation gibt (das geht gar nicht). Unberücksichtigt der Tatsache das unsere Regierung ja noch Verschlusssachengeheimnisse hat, haben alle Bürger das Recht auf Privatsphäre. Dies wird in Berlin über fast alle politischen Lager hinweg ignoriert. Handlungsbedarf entsteht nur wenn die Chefin betroffen ist…. diese Einstellung entspricht nicht meinem Weltbild 🙂

  5. Peter sagt:

    p.s. ich möchte den Blog auch nicht politisieren oder gesellschaftspolitische Herausforderungen zu kommentieren.

    Nur soviel mach du mit deinem Blog weiter so, damit es hier gut was zu lesen gibt – voll digital…

    danke für die Mühen – ich lese hier gern.

  6. Angelika sagt:

    Christian, du sprichst mir aus dem Herzen. Vor allem formulierst du, was ich ohnehin tue, ohne es mir bewusst gemacht zu haben: das private Ich und das öffentliche Ich trennen. Manches Mal verschwimmen die Grenzen, dann ist es gut, sich daran zu erinnern, dass alle digitalen Aktivitäten tendenziell gläsern sind. Was für ein widerliches Gefühl!

  7. Klaus sagt:

    manche Dinge will ich weiterhin digital aufschreiben und erfassen, NSA hin oder her. Und das ist letztlich auch absolut kein Problem, solange es nicht ins Netz rausgeht, solange man sich nicht die achsobequeme Cloud-Geschichte aufschwätzen lässt. Mit ein wenig Vorsicht ist man zu Hause relativ gut aufgehoben.

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