Bei Gizmodo fragt der Autor Is Handwriting dead? nachdem er den Artikel Why handwriting matters im Guardian gelesen hatte. Der Autor ist Philip Hensher, der das Buch Missing Ink – The Lost Art of Handwriting, and Why it Still Matters (Werbelink) geschrieben hat. Zum Artikel, der ein Extrakt des Buches ist, heißt es:

[…] Does handwriting have a value that email and texting can’t replace? In this extract from his new book, The Missing Ink, Philip Hensher laments the slow death of the written word, and explains how putting pen to paper can still occupy a special place in our lives […]

Er war über sich selbst erschrocken als er feststellte, dass er noch nie die Handschrift seines Freundes gesehen hatte, aber schon viel auf digitalem Wege mit ihm kommuniziert hatte. Er bedauert diese Entwicklung sehr:

[…] At some point in recent years, it has stopped being a necessary and inevitable intermediary between people – a means by which individuals communicate with each other, putting a little bit of their personality into the form of their message as they press the ink-bearing point on to the paper. It has started to become just one of many options, and often an unattractive, elaborate one. […]

Er beschreibt dann die Entwicklung der persönlichen Handschrift als ein Vorgang der Selbstfindung. Er schreibt dann so schöne Sätze wie

[…] These attempts to modify ourselves through our handwriting become a part of who we are. […]

oder

[…] Our rituals and sensory engagement with the pen bind us to it. The other ways in which we write nowadays don’t bind us in the same way. […]

Er schreibt über die verschwindende Handschrift und die volkswirtschaftlichen Kosten, die schlechte handschriftliche Fähigkeiten der Wirtschaft bereitet. Sein Schlussfolgerungen lassen hoffen:

[…] I’ve come to the conclusion that handwriting is good for us. It involves us in a relationship with the written word that is sensuous, immediate and individual. It opens our personality out to the world, and gives us a means of reading other people. It gives pleasure when you communicate with it. […]

Er möchte klar machen, dass Handschrift etwas Schönes ist. Sie trägt zur Entschleunigung bei, die wir sonst beim Essen und in Yoga-Kursen zelebrieren. Und dann macht er sechs Vorschläge, Handschrift wieder im Alltag zu verankern. Und um zu verdeutlichen, wieviel Persönlichkeit von einem Menschen in seiner Handschrift steckt, erzählt er eine Geschichte. Sie handelt von einer seiner Studentinnen, die plötzlich starb. Vorher hatte sie an einem Kurs teilgenommen, in dem sie ein Notizbuch voll mit handschriftlichen Notizen hinterlassen hatte. Als sie tot ist, nimmt er das Notizbuch und liest darin:

[…] After I heard that she had died, I went down to the cellar where these things are stored and extracted her writer’s notebook from the archive. It was just full of her. You could see where her pen had moved across the page, only months before; you could see her good creative days and the days where nothing much had come; […] I only taught her, but I was moved by it, and felt a connection with the poor girl, […]

Handschrift ist in meinen Augen eine sehr wichtige Kulturtechnik. Wir dürfen sie nicht verlernen. Habt ihr Sorge, dass die Handschrift ausstirbt? Vielleicht nicht jetzt, aber in 20 oder 50 Jahren?

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7 Antworten
  1. Carina sagt:

    Naja die Sorge habe ich eigentlich nicht.

    Und wenn alle Handschriften aussterben – ICH halte mich weiter an meinen analog geführten Kalender, mein Tagebuch und Briefe an meinen Freund. Und an mein Leben ohne Smartphone.

    Leider nimmt der PC auch in meinem Leben berufsbedingt weiter eine große Rolle ein, aber glücklicherweise muss ich als angehende Grundschullehrerin noch viel Handschriftliches lesen und selbst verfassen.
    Und ich gehe NICHT davon aus, dass überhaupt jemals in Planung ist, das Erlernen einer Handschrift in der Schule abzuschaffen. Damit werden doch auch grundsätzliche motorische Fähigkeiten trainiert.

    Wäre zu schade, wenn unsere Welt am Ende nur aus Grobmotorikern besteht.

  2. Sonja sagt:

    Hier gibt es einen „Club zur Rettung der Handschrift“ und wunderschöne Postkarten darüber. Ich traf auf diese Dinge im letzten Jahr auf der Buchmesse in Leipzig, habe schon einige Postkarten dort gekauft und verschickt, auch über http://www.postcrossing.com
    Hier die Seite:
    http://www.cookiedu.de/trillhaase/

    Gruß von Sonja

  3. Udogi-Sela sagt:

    Das Schreiben mit der Hand könnte in Zukunft als Hobby weiterleben.
    Frage: Hast du ein Hobby?
    Antwort: Ja, ich schreibe mit der Hand!
    „Was, echt? Wo hast du das denn gelernt? Dauert das nicht viel zu lange? Zeig mal! Sieht ja toll aus… Könnte ich das auch? Das Blatt könntest du glatt als Bild an die Wand hängen! Müssen Hand und Arm besonders trainiert werden?“

    So wird einem bewusst, dass handschriftliches Schreiben neben dem Denken der Wörter, die man auf das Blatt Papier setzt, wirklich ein handwerklich-kreativer Vorgang ist. Und wie viel von einem selbst darin verborgen ist beweist nicht zuletzt die Kunst, bzw. die Wissenschaft der Graphologie.
    Vielleicht wird es einmal so sein, dass man sich fürchten wird per Hand zu schreiben, weil man damit sein Selbst sofort schonungslos offenlegt.

  4. Christian sagt:

    @alle: danke für eure Rückmeldungen!

    @Sonja: danke für den tollen Linktipp!

    Ich befürchte, dass die Handschrift zwar weiter in der Schule gelehrt wird, dass sie aber schnell verkümmert, sobald man die Schule verlässt.
    Aber sie ist immer noch diejenige Schreibvariante, die am meisten entschleunigt. Die damit verbundenen positiven Effekte (und da gibt es viele) werden immer ein großes Plus der Handschrift bleiben

  5. Carina sagt:

    Aber Tastendrücken ist ja soviel bequemer als selbst schreiben.
    Und schneller geht es sowieso, wenn ich viel zu sagen habe.

    Klar kann ich viele Vorteile des Nicht-mit-der-Hand-Schreibens finden, wenn ich will, aber wie du schon sagst, es entschleunigt und vor allem entspannt es (so finde ich) im Kopf. Leider macht die Hand schon immer nicht so lange mit wie ich es gern gehabt hätte – wie oft saß man da mit schmerzlich verkrampfter Hand und war nichtmal annähernd fertig mit seinem Aufsatz.

    Aber ich denke, wenn die Handschrift weiter gelehrt wird, wird sie m.E. nicht verkümmern, sondern ist jederzeit bei Bedarf für den Einzelnen in seiner „Erinnerung“* abrufbar, solange man das Lesen nicht verlernt hat… (solls ja auch geben)

    *Hoffen wir mal, dass es gar nicht erst soweit kommt, dass sie bloß Erinnerung ist…

    Viel schlimmer noch finde ich, wenn diese WWW-bedingten Kürzel wie lol, hdgdl, rofl, wtf und so weiter Eingang in die Handschrift finden. Das nimmt dieser so persönlichen Sache schon wieder den Reiz.

  6. Andrzej sagt:

    Hallo alle miteinander !

    Ich denke auch, dass die Handschrift nicht aussterben wird.
    Vielleicht werden wir, die gerne von Hand schreiben, mit der
    Zeit weniger. Aber aussterben wohl nicht. Ich wage die Prognose,
    dass es immer Leute geben wird, die sich etwas Handschriftliches
    gönnen :-) ! Handschrift als etwas exlusives, warum nicht :-)

  7. […] Vom Wert der Handschrift Bei Gizmodo fragt der Autor Is Handwriting dead? nachdem er den Artikel Why handwriting matters im G […]

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