In einem Studienprojekt zum Thema Weihnachtsbäume an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe hatte Katrin Sonnleitner die schöne Idee eines alternativen Weihnachtsbaums. Dadurch inspiriert faltete ich selbst einen ähnlichen Baum und zeigte euch erstmals Weihnachten 2010 Fotos. Seitdem hatte ich das Foto immer mal wieder an verschiedenen Stellen verwendet und viele von euch haben mich schon nach einer Bastelanleitung gefragt. Den letzten Anstoß, diese Anleitung endlich zu schreiben, gab eine Anfrage von ARD Online, die gerne eine Bastelanleitung und Fotos im Dezember auf ihrer Homepage veröffentlichen wollen.

Für die folgenden Arbeiten muss man in erster Linie Geduld mitbringen und ein altes Buch, normale Einbandgröße mit etwa 300-400 Seiten (also etwa 150-200 Blatt Papier). Der Einband sollte fest sein und die Bindung stabil, den man muss viel biegen und drücken. Ich habe das Buch auf dem Foto verwendet: einen alte Ausgabe von Flaubert, die ich in einer Bücherkiste liegen hatte:

Bevor ich erkläre, was man am Buch machen muss, eine kleine Trockenübung. Bitte trennt zuerst eine Seite aus dem Buch heraus und schneidet Stufen derart in das Buch, dass der obere Teil ein Quadrat ergibt, das diagonal gefaltet halbiert wird. Die nächste Stufe muss dann etwas weniger tief eingeschnitten sein.

Wenn ihr die Stufen eingeschnitten habt, schneidet entlang der Schrift in die Seite soweit ein, dass man sie wie im Bild zu sehen falten kann. Faltet die Ecken um, damit ihr ein Gefühl für die Größe bekommt und auch versteht, wie man die Schnitte in die Seite machen muss.

Nun schlagt im Buch die erste Seite auf und legt eure Schablone aus dem Schritt vorher auf die erste Seite. Markiert die Stufen, die ihr oben ausgeschnitten hattet (im Bild rot zu sehen):

Jetzt kommt der erste schwierige Teil: ihr müsst jetzt den kompletten Buchblock wie mit der roten Linie angezeichnet ausschneiden. Das macht ihr entweder Seite für Seite mit einer Schere, was allerdings sehr lange dauert und sehr monoton ist, oder ihr geht etwas grober an die Sache und nehmt einen Cutter und schneidet mutig mehrere Seiten gleichzeitig heraus. Das sieht dann nach ein paar Seiten so aus:

Wenn ihr bis zum hinteren Buchrücken vorgedrungen seid, habt ihr ein Buch, das etwa aussieht wie auf dem nächsten Bild. Es ist übrigens nicht so wichtig, dass die Kanten besonders gerade oder glatt sind. Die verschwinden beim Falten sowieso „im Innern“ des Baumes oder bilden die Unterseite jeder Ebene.

Bevor ihr nun mit dem Falten anfangt, müsst ihr noch die notwendigen Schnitte entlang der Schrift machen, wie in den ersten Schritten am einzelnen Blatt geübt. Diese Schnitte müsst ihr auf jeder Seite machen! Dazu braucht man etwas Geduld, denn in diesem Schritt bringt der Cutter nichts und man muss Seite für Seite mit der Schere ran. Sind alle Seiten des Buches fertig vorbereitet, könnt ihr vorne mit dem Falten anfangen. Das sieht dann etwa so aus:

Nach den ersten Seiten sieht man auch schon, was es werden soll:

Und schon nach ca. 20 Seiten kann man das Buch aufstellen und sich vorstellen, wie der Baum aussehen wird. Das ist als Motivation ganz hilfreich, denn man muss nun Seite für Seite umblättern und falten.

Je weiter man vorankommt, desto mühsamer wird es. Man muss ständig die bereits gefalteten Seiten mit der einen Hand so weg halten, dass man mit der anderen Hand die nächste Seite falten kann. Aber je weiter man kommt, desto schöner wird der Baum:

Und wenn man dann nach ca. 60-120 min Arbeit fertig ist, darf man diesen Anblick genießen.

Ich habe bisher nur Bäume mit drei Ebenen gefaltet, aber sicher kann man auch noch mehr Ebenen einbauen. Dann erhöht sich der Aufwand für Schneiden und Falten wahrscheinlich enorm. Wenn einer von euch einen Baum selbst faltet, freue ich mich über Fotos. Ich werde die Bäume gerne hier im Blog veröffentlichen. Viel Spaß beim Basteln in der Vorweihnachtszeit!

UPDATE Dezember 2015: es gibt mittlerweile eine weitere Anleitung für eine andere Art von Weihnachtsbaum: Anleitung: Weihnachtsbäume aus alten Buchseiten falten

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17 Antworten
  1. Verena sagt:

    auf die Anleitung hab ich gewartet! 🙂 Vielen Dank!
    Sobald ich ein geeignetes Buch gefunden habe, werde ich mich auch mal dransetzen.

  2. Judith sagt:

    Hallo,
    ich habe diese Bastelidee heute auf ARD online gesehen, und hier dann nach der genauen Anleitung geschaut.
    Mit dem Schneiden bin ich jetzt fertig (Mein Finger tut weh, vom Cutter so fest eindrücken) und heute abend werde ich falten, falten, falten…
    Ich hätte die Anleitung etwas genauer lesen sollen, denn ich habe jetzt ein Buch mit 600 Seiten genommen, eigentlich nur wegen des roten Einbandes und weil ich es definitv nie mehr lesen werde.
    Foto vom fertigen Werk schicke ich dann gerne zu.
    Danke für diesen Tannenbaum für alle Leseratten und Bücherwürmer.
    Einen schönen 2. Advent.
    Gruß Judith

  3. Christian sagt:

    @Judith: danke für deine Rückmeldung. Bin gespannt auf das Endergebnis. Mit so vielen Seiten sieht es bestimmt super aus!

  4. […] Die Anleitung zu dieser Weihnachtsbaum-Alternative gibt es auf Notizbuchblog. […]

  5. Natalja sagt:

    Vielen lieben Dank für diese tolle Anleitung.
    Habe es am Wochenende aus eine alten Unternehmensführungsbuch von 1972 verwirklichen können. So hat das Buch ein neues sinnvolles „Leben“ begonnen. Als Tipp hätte ich noch Folgendes:
    -habe die Seite mit der Schere von vorne nach hinten zugeschnitten (war für mich eirgendwie sicherer und einfacher) pro Schnitt etwa 7 Seiten
    – das Falten allerdingt ist besser, wenn man die Reihenfolge ändert, also von hinten nach vorne.

    Ich wünsch den anderen „Mutigen“ auch viel Spass und vielen Dank an den Autor.

    LG Natalja

  6. Julia sagt:

    Sieht sehr hübsch aus! Ich mag Alternativ-Origami, nur hab ich eigentlich Hemmungen, ein Buch zu zerschneiden. Aber um manche Exemplare ist’s wirklich nicht schade.
    Darf ich deine Anleitung auf meinem Blog verlinken und dazu das letzte Bild verwenden?

    LG, Julia

  7. Sheep sagt:

    Wow!
    Sieht richtig gut aus, grenzt aber ein wenig an Vergewaltigung eines guten Buches. 😉

    Ich bleibe aber vorurteilsfrei, bis ich das ganze selbst einmal ausprobiert habe.
    Scheint alles in allem sehr dekorativ zu sein .:)

  8. Christian sagt:

    @Sheep: ach, so schlimm ist das nicht. Ich nehme in der Regel alte Bücher mit festem Einband vom Flohmarkt.

  9. Vielen Dank für die Anregung. Es geht aber auch ohne Schneiden. Das Falten von Büchern ist seit einiger Zeit eine schöne Beschäftigung. Zumal es überall Büchertische gibt, die ausgelesene Bücher billig oder zum Tausch anbieten.

    Besuchen Sie doch mal meinen Blog. Zum Thema Bücher falten gibt es dort einiges zu sehen.

    Mit herzlichen Weihnachtsgrüßen
    Michael Hardenfels

  10. Kerstin sagt:

    Das sieht gut aus – ich werde das mal ausprobieren. Genug alte Bücher habe ich auf alle Fälle 🙂

  11. Christian sagt:

    @Kerstin: danke! Freue mich auf Rückmeldung, ob die Bücher was taugen. Und ein Foto von deinen Arbeiten wäre super!

  12. […] Geduld aus einem alten Buch einen Weihnachtsbaum bastelt, erklärt Ihnen Christian Mähler von notizbuchblog.de. Und so geht’s: Drei quadratische Ebenen wie eine Treppe als Vorlage auf die erste Seite des […]

  13. Meinauda sagt:

    Danke für die anschauliche Anleitung, die ich an ein paar alten Bücher ausprobiert habe.
    Der schwarze Karton des Buches „Fromme Lügen“ eignete sich sehr für einen gefalteten Weihnachtsbaum als Geschenk zur Ordination einer Pastorin. Geschmückt wurde der Baum dann noch mit einem Stern.
    Kam gut an!

  14. […] das Ganze dauert insgesamt ein gutes Stündchen. Gefunden habe ich den Faltbaum beim wunderbaren Notizbuchblog, wo ihr genau erklärt bekommt, wie ihr aus einem langweiligen alten Buch eine tolle […]

  15. Alex sagt:

    Hi Christian,
    danke für die tolle Idee. Ich hab mitten im Juli angefangen, einen Weihnachtsbaum zu falten!
    LG Bienchen

  16. Christine sagt:

    Huhu Christian,

    Du bist beim Update Deiner Zeit etwas voraus 🙂
    Vielen Dank für die Anleitung, das werde ich ausprobieren…

    LG Christine

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