Dass Moleskine gutes Marketing macht, ist allgemein bekannt. Dass die Geschichte der Moleskine Bücher nicht wahr ist, ist ebenfalls bekannt. Für Moleskine Verhältnisse hat es sehr lange gedauert, bis sie bei Twitter aktiv wurden. Seit Ende November ist es soweit, Moleskine wird aktiv:


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Die letzten beiden Woche passierte praktisch nichts – weil sie keine große Aufmerksamkeit mit diesem Account hatten. Das soll sich nun ändern und dazu gehen sie mit einer weit verbreiteten, aber effektiven Methode von viralem Marketing zur Sache: sie verlosen Bücher aus ihrer Bauhaus Edition. Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, muss den Tweet zur Verlosung retweeten. Das hat natürlich einen riesen Effekt: jeder der den Tweet retweetet macht damit automatisch auf das neue Moleskine Twitter Konto aufmerksam – da Moleskine einen guten Namen hat, werden immer mehr Leute @moleskine folgen und den selbst weiter Werbung für @moleskine machen, da sie ja auch gewinnen möchten. So entsteht ein Schneeballeffekt und @moleskine wird ganz schnell viele Follower finden.
Um eines klarzustellen: diese clevere Idee hat Moleskine auch nicht erfunden und sie wurde schon mehrfach von anderen Blogs in Kampagnen verwendet. Ich möchte nächstes Jahr selbst die ein oder andere Verlosung auf diesem Weg angehen.
Die Verlosung läuft noch bis zum 20. Dezember und ich frage mich, wieviele Follower sie bis dahin schaffen? Meine Prognose: mindestes 5000 (alleine während ich diesen Artikel schreibe, haben sie schon 10 Follower gewonnen!) Bin gespannt, wie sie dann die Verlosung auswerten. Wenn ihr sehen wollt, wie schnell das mit dem Schnellballeffekt geht und wie oft dieses Mem retweetet wurde, dann könnt ihr ganz schnell die Twitter Suche verwenden.

Aber in meinen Augen ist das alles nur Vorgeplänkel, die richtigen Aktionen werden im nächsten Jahr starten, wenn sie richtig viele Follower haben. Dann wird Twitter ein wichtiger Marketingkanal für Moleskine werden und wir werden sicher weitere Aktionen sehen. Twitter ist auch sehr attraktiv als Kanal, da die typischen Twitter Nutzer genau die hippe Zielgruppe treffen, die Moleskine erreichen möchte (s. dazu auch Studie: Twitter-Nutzer sind jung, städtisch und mobil).

Ehrlich gesagt frage ich mich häufig, was Moleskine ausmacht? Die Story? Das Glück, den Markt der Notizbücher neu erfunden zu haben und damit das Glück der erste gewesen zu sein? Das Marketing? Die Verbreitung? Die Bücher können es doch nicht sein, oder? Die werden günstig in China produziert und dann mit hoher Marge weiterverkauft. Sie sind qualitativ nicht besonders hochwertig. Ja, sie sind auf ihre Weise spartanisch schön, sie sind hipp und sie drücken ein Lebensgefühl aus. Aber wir haben im Notizbuchblog schon oft von anderen Herstellern und Büchern gelesen, die qualitativ viel hochwertiger und mindestens genauso schön sind. Was ist es also? Warum kauft ihr ein Moleskine und nicht ein anderes Buch?

Moleskine leistet dem Notizbuchmarkt einen prima Dienst, indem es das Thema „Notizbuch“ überall präsent macht. Auch ich wurde mal durch die kleinen Bücher „angefixt“, bin dann aber schnell abgewandert. Nichtsdestotrotz finde ich Moleskine als Marke brillant, das Marketing perfekt – und den Hype um Notizbücher, den sie entfacht haben, gigantisch. An dieser Stelle also auch mal ein Danke! an Moleskine.

Was mich noch brennender interessiert: wie geht es weiter? Was kommt nach der „Moleskine“ Ära? Ich habe so eine Gefühl, was es sein könnte, möchte aber gerne mal eure Meinung hören: Ring frei für eure Kommentare.

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11 Antworten
  1. Uta sagt:

    mmmhhh, warum kaufe ich Moleskine? Erst mal gefällt mir der schwarze Buchdeckel, dann ist mein Kalender auch von Moleskine. Ich habe mit einigen anderen Motizbüchern die leidvolle Erfahrung gemacht, dass sie auseinander fielen, bevor sie vollgeschrieben waren, bei einem hat der Buchdeckel sogar Blasen geworfen. So was mag ich nicht. Außer Moleskine nutze ich noch Paperblank und das war es dann aber auch. Ich mag eben keine zerfledderten Bücher :o)

  2. Zebrafell sagt:

    Moleskine sind wahrhaftig eine mystische Erscheinung sondergleichen.

    Wie im Artikel geschrieben wurde, kann deren unvergleichliche Popularität keineswegs auf materielles Preis-Leistungs-Verhältnis zurückgeführt werden, wobei ich die Notizbücher nicht als „nicht besonders verarbeitet“ bezeichnen würde, muten sie mir doch recht wertig an. Vielleicht kenne ich auch einfach nicht die Alternativen.

    Nun würde ich zusammengefasst sagen, dass der Beliebtheitsgrad wahrscheinlich bedingt ist durch die Postion Moleskines als Stellvertreter für die gesamte Sparte von Notizbüchern. Medien wie Blogs und generell das Web 2.0 stellten das Produkt stets als kreativ und kulturell an, wodurch ein gewisser Mythos entstand, den Modo&Mode entsprechend mit ihrer kleinen Legende zu unterstreichen wussten.

    Nun müdete dies schließlich in ein Dilemma für zahlreiche Notizbuch-User (vielleicht fällt mir beizeiten eine bessere Bezeichnung ein 😉 ), welches folgende Entscheidung umfasst: Moleskine oder anderes?

    Mich erinnert dies stark an die Entscheidung iPod oder anderer MP3-Player oder allgemein gesagt: Marke oder markenlos?

    Während in anderen Sparten ein Konkurrenzkampf herrscht, ist die Markenvielfalt der Notizbücher eher begrenzt bekannt, sodass sich lediglich ein Moleskine etablieren konnte – bedingt durch diesen Hype -, was dementsprechend zu jener besagten Monopolstellung führte.

    Und für viele ist dies wohl der Grund zu den bewährten Produkten der Moleskine-Reihe zu greifen, allen Märchen und märchenpreisen zum Trotz.

  3. Christian sagt:

    @Uta: danke für deine Meinung

    @Zebrafell: sehr interessante Einschätzung. Danke dir! Glaubst du, dass ein weiterer Hersteller so erfolgreich sein könnte wie Moleskine, wenn er so bekannt wäre und den gleichen Nimbus über eine bestimmte Zielgruppe erreichen könnte? Vielleicht sind die wirklichen sog. „Early Adaptors“ und trendigen Szenemenschen das Massenprodukt Moleskine schon leid und suchen nach einer Alternative?

  4. Zebrafell sagt:

    Ich glaube nicht, dass ein weiterer Hersteller Moleskine (Modo&Mode, der selten erwähnte Name des Herstellers) den Rang ablaufen könnte, zumal es überhaupt unwahrscheinlich ist, dass andere Hersteller den gleichen Zugang wählen würden, da man dies als Plagiat abstempeln würde (es gibt sogar Plagiate, allerdings ohne den besagten Nimbus, welche bei gleichem Aussehen nur 5€ kosten).

    Nun der Gedanke, dass das Produkt der Nachfrage des Marktes in Sachen Innovation nicht mehr nachkommen kann, ist doch eher dann der Fall, sobald es nicht mehr möglich ist, im Vergleich durch neue Ideen zu punkten und die Alternativen stark genug sind.

    Aber dann sollten wir wieder darauf zurückkommen, dass wir schließlich bei Moleskines um etwas reden, was so simpel ist, dass es gerade den Reiz ausmacht: Es handelt sich bloß um Papier!
    Papier wie es es seit Jahrhunderten schon gibt und welches bereits Hemingway und Van Gogh vor uns benutzt haben… und weitere Milliarden Menschen.

    Wir reden hierbei nicht von der Spiegelreflexkamerabranche in der den großen Marken Konkurrenz gemacht wird durch aufsteigende Hersteller, die den Einsteigerbereich überwuchern. Wir reden auch nicht von Marken wie Apple, die sich durch ihr Anderssein abheben. Wir reden von Papier, was sich im Falle des Moleskines noch am ehesten mit Kaffee von Starbucks oder Nespresso vergleichen lässt.

    Und sollte das Interesse der Szenemenschen irgendwann einmal abflauen, so werden diese wieder vor ihrem Macbook im Starbucks sitzen und gespannt Blogs verfolgen, während im Hintergrund die Notifications von Facebook, Twitter…

    Ich füge noch hinzu, da mir noch ein differenzierterer Ansatz eingefallen ist:

    Moleskines selbst sprechen als Zielgruppe nicht Leute an, welche das Notizbuch als reines Mittel zum Zweck, also Papier sehen, sondern eher Menschen, welche von anderen Medien zum Notizbuch kommen und sich von ihrem Moleskine sozusagen Features erwarten, siehe GTD-Community (ein Blick auf Prodktivitätsblogs wie imgriff.com offenbart, dass Moleskine synonym für Notizbuch gebraucht wird). Dementsprechend könnte es sogar sein, dass die Abwägung erst gar nicht stattfindet, sondern dass man direkt zum Stellvertreter der Sparte greift.

    Außerdem tragen jene Eigenschaften (Kultur und Kreativität) dazu bei, dass man sich mit dem kleinen Buch identifizieren möchte, um selbst ein wenig kulturhafter und kreativer zu werden.

  5. Christian sagt:

    @zebrafell: danke für deine Anmerkungen.

    Was meinst du mit Zugang? Es gibt ja heute schon genügend Notizbuchhersteller, die ähnlich gutes Marketing machen und mindestens genauso großen Kultstatus besitzen (s. Field Notes), die aber nur regional richtig aktiv sind (bei Field Notes: USA).
    Das Papier und die Einfachheit von Moleskine sind ja definitiv kein Alleinstellungsmerkmal von Moleskine – das sind Kennzeichen praktisch jedes Notizbuchs. Moleskine lebt vom Marketing und seinem Markennamen – von sonst nichts.

    Es stimmt: Moleskine wird häufig als Synonym für Notizbuch verwendet. Wie Tempo für Taschentuch

    Wie ich in deinem Blog lese, hast du dir auch drei Moleskine gekauft – du musst also ein Fan sein. Würde mich freuen, weiter von dir zu hören.

    PS: Der Hersteller heißt übrigens modo&modo nicht modo&mode

  6. Zebrafell sagt:

    Bezüglich des Herstellernamen: Ich wollte nachschauen, weil es mich gewundert hat und ich den Namen, von einem anderen Blog so im Kopf hatte. Danke jedenfalls für die Korrektur 😉

    Und in meinem aktuellen Blogeintrag – ich führe meinen Blog aktuell eher für mich, drum verzeih mir die Form – versuche ich das Phänomen Moleskine eher kritisch zu sehen, habe allerdings selbst eines gekauft aus heiterer Intuition und nutze es bereits ausgiebig. Delbst meine Schwester hat ihren Tagesplan eingetragen, auch wenn es sich noch nicht ganz um GTD handelt 😉

    Zu den anderen Herstellern: Ich habe mich auf den heimischen Markt bezogen, die Situation international kenne ich leider nicht. Und hier sieht es so aus, dass jeder Person, jeder halbwegs kultivierten Person (ok es waren alles Mädchen) Moleskine ein Begriff war.

    Und diese Personen waren begeistert von dem Büchlein und wovon dies rührt wisse wir ja.

    Wie ich in deinem Blog lese, hast du ja jede Menge Notizbücher gekauft – du musst auch ein Fan sein 😉

    Großes Lob von mir, wirklich tolle Arbeit! Ich lese mich fast täglich hier rein und bekomme noch immer nicht genug 🙂

  7. Christian sagt:

    danke für die Rückmeldung! Finde deinen Blog zum Start gelungen. Würde mich freuen, wenn du mir als kritischer Leser treu bleibst. Da lebt ein Blog ja von! 🙂

  8. Uta sagt:

    Hierzu sei erwähnt, dass ich mein erstes Moleskine gekauft habe, bevor ich die Marke überhaupt kannte, das passierte erst einige Zeit später. Ich mochte einfach das schwarze Cover!

  9. Christian sagt:

    @Uta: so ging es mir auch, obgleich in meinem Notizbuch schon dieser Beipackzettel mit der Geschichte war. Vor den Moleskine hatte ich nur Jahreskalender als Notizbuch und ich meine auch irgendwann einmal eine dieser rot-schwarzen Chinakladden.

  10. Martine sagt:

    Wie Uta habe auch ich mein erstes Moleskine gekauft, bevor Marke und Werbestrategie eine feste Größe auf dem Notizbuchmarkt wurden. Und ich bin dabei geblieben, weil mir die Heftchen an sich gefallen. Ich schreibe sehr viel, sehr klein und sehr schnell, und das Papier kommt einfach meinen Bedürfnissen entgegen: Es ist dünn genug und lässt ein Linienblatt zu, was mir sehr wichtig ist (mit linierten oder karierten Blöcken kann ich mich nicht anfreunden, ich brauche unterschiedliche Zeilenabstände und eine freie Einteilung meiner Texte auf der Seite), und es ist für „Füller-Schreiber“ wie mich ausreichend glatt, ohne schwer zu wirken, wie es bei die meisten füllerfähigen Papieren sonst der Fall ist. Auch die Papierfarbe finde ich als Brillenträgerin für die Augen erholsam. Ich gebe zu, dass ich meine Moleskines mittlerweile aber lieber verstecke – es ist mir schlichtweg peinlich, ein Produkt zu benutzen, das mit Begriffen wie „Hype“ und „Mode“ in Verbindung gebracht wird und das im Grunde genommen für dümmliche Allesgläubigkeit und für die unkritische und unreflektierte Aufnahme eines Marketingprojekts steht.

  11. Christian sagt:

    @Martine: vielen Dank für diese persönlichen Einsichten. Wegen „hype“ und „Mode“: da hätte ich an deiner Stelle keine Hemmungen, ist doch schließlich – wie du richtig andeutest – nur ein Notizbuch.

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