Archiv für die Kategorie »Tagebuch «

Der folgende Artikel stammt von Angelika von Aufseß, von der in Zukunft vielleicht öfter im Notizbuchblog zu lesen ist. Sie ist Tagebuchfan und erzählt uns heute etwas dazu, was Menschen treibt, Tagebücher zu führen.

„Warum besitze ich überhaupt ein Notizbuch? Es ist leicht, sich in jedem dieser Punkte etwas vorzumachen. Der Impuls, etwas aufzuschreiben, ist merkwürdig zwanghaft, nicht zu erklären für die, die ihn nicht verspüren (…). Vermutlich beginnt es schon in der Wiege oder eben nicht.“ So sinniert die amerikanische Autorin Joan Didion schon in den sechziger Jahren über ihren Drang, Beobachtungen schriftlich festzuhalten, Erlebtes zu dokumentieren und zu reflektieren.

Tagebuchschreiber haben dieses unlogische, schwer zu begündende Verlangen nach Verschriftlichung, nach dem Übersetzen vom eigenen Leben in Sprache, in Stichworte oder Skizzen, einfach weil es beglückend ist, den Stift über die Seiten zu führen und sich so seiner selbst zu vergewissern.
„Gott will nicht, dass ich Tagebuch schreibe, ich aber, ich muss“, schreibt Franz Kafka zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in sein Tagebuch. Er zählt damit zu den üblichen Süchtigen, die immer und überall ihr Heft mitschleppen, weil sie ja dringend den Wunsch verspüren könnten, etwas hinein zu schreiben.
Und warum? Weil Kafka, Didion & Co. sich ernst genug nehmen, um im turbulenten oder tristen Alltag schriftliche Zwiesprache zu halten, Ideen oder literarische Skizzen zu notieren, sich selbst Anekdoten zu erzählen; weil sie Spaß daran haben, ihren Kummer ins Tagebuch zu kotzen, ihren Chef als Zombie zu karikieren oder die Magie eines Momentes ins Heft zu bannen, um es in mageren Zeiten hervorholen zu können.
Wir Tagebuch- und Notizbuchbesitzer sind (laut Joan Didion, und ich glaube, ich stimme ihr weitgehend zu) „ein anderer Menschenschlag (…), Kinder, die anscheinend schon bei ihrer Geburt eine Vorahnung von Verlust befallen hat“.
Da man mit so illustren Gestalten wie Franz Kafka, Virginia Woolf, Max Frisch, Peter Rühmkorf oder auch Andy Warhol, Keith Haring oder Anais Nin unterwegs ist, kann das so verkehrt nicht sein!

Tipp zum Weiterlesen

Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben: Mit einem Nachwort von Antje Ravic Strubel von Joan Didion – 304 Seiten – List Taschenbuch (1. April 2009)

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Im Literaturblog litaffin habe ich kürzlich ein Interview mit Claudia Wiedelmann gelesen, die für das Deutsche Tagebucharchiv in Emmendingen bei Freiburg in ihrer Freizeit fremde Notizbücher durchstöbert und liest.  Das Deutsche Tagebucharchiv ist eine einmalige Einrichtung in Deutschland, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, alte Tagebücher und Dokumente zu sammeln und aufzubewahren. Über ihre ehrenamtliche Arbeit berichtet Claudia Wiedelmann, dass sie im Jahr sieben bis acht Tagebücher liest und sorgfältig durcharbeitet, damit sie im Anschluss Wissenschaftlern, Studenten, Journalisten und Interessierten zur Verfügung stehen.

Der Radiosender SWR4 hat sich dem Thema „Tagebücher“ mit einem Themenschwerpunkt gewidmet. Ihr findet auf der Homepage Audiobeiträge zum Thema Tagebuch und  Tagebuchschreiben sowie eine Bildergalerie mit berühmten Tagebuchschreibern.

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Heute möchte ich euch kurz einen kleinen Blog empfehlen. Er heißt „Of woman and diaries“ und dreht sich ausschließlich um Frauen und ihre Tagebücher. Der Blog ist allerdings auf englisch.

Leider erfährt man auf dem Blog nicht, wer hinter diesem Werk steckt, man findet aber zahlreiche Fotos und Zitate rund um Tagebücher und Notizbücher.Schaut doch mal rein.

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