Im aktuellen newsletter von Förster & Kreuz, http://www.foerster-kreuz.com, bin ich auf einen Beitrag gestoßen, der für Kreative, Künstler, Lebenskünstler, Notizbuch- und Tagebuchschreiber und den Rest der Welt sehr beachtenswert ist. Sie stellen darin einen Künstler namens Mike Winkelmann, alias Beeple, vor. Sein Prinzip: jeden Tag ein Kunstprojekt beginnen und es abschließen. Auf seiner homepage www.beeple-crap.com erklärt er den Grund für seine „Everydays“: Er will in bestimmten Bereichen besser werden und tut dies, indem er jeden Tag etwas erschafft und das Ergebnis davon online veröffentlicht. Fast 1.700 Tage in Folge hat er nach eigenen Angaben durchgehalten und eine Menge, genaugenommen fast 1.700, Zeichnungen, Filme und Fotomontagen produziert, d.h. etwas begonnen und es abgeschlossen. Ohne Anspruch darauf, dass jedes Werk ein Meisterwerk ist, aber mit dem Anspruch, mit der Everyday-Aktion sein Potenzial zu erweitern und zu verfeinern.

Zu Recht könnten wir uns die Frage stellen: wo wäre ich heute, hätte ich jeden Tag eine Etappe auf einer bestimmten Wegstrecke zurück gelegt? Hätte ich meine Vorhaben nicht nur mit Gedanken und Worten paniert sondern sie direkt in die Pfanne gehauen? Tag für Tag! Da solche Fragen (hätte, hätte, Herrntoilette) aber zu schlechter Stimmung führen, formulieren wir sie um: welche Projekte oder Herausforderungen jiepern heute unserem Entschluss entgegen, begonnen und abgeschlossen zu werden? Ohne Vielleicht, ohne Einschränkung, ohne Angst vor dem Scheitern!

Das Tagebuch, – um die Kurve zum Tagebuchdienstag zu nehmen –, das Tagebuch ist ein wunderbares Übungsfeld, um sein Potenzial zu erweitern und jeden Tag einen Eintrag zu beginnen und ihn zu beenden. Ohne Anspruch auf auf kreative Höchstleistung oder bahnbrechende Erkenntnisse. Einfach nur Datum hinschreiben, Stift über das Papier schicken: mit Worten, Skizzen, Sätzen, mit Lyrik, Gestammel, Banalem oder Wichtigem. Der berühmte Diarist Victor Klemperer hat es so formuliert: „Nur Leben sammeln. Immer sammeln. Eindrücke, Lektüre, Gesehenes, alles. Und nicht fragen wozu und warum. Ob ein Buch daraus wird oder Memoiren oder gar nichts, ob es in meinem Gedächtnis haftet oder verdirbt wie eine schlechte photographische Platte. Nicht fragen, nur sammeln.“

Ob Klemperer oder Beeple, die Message dahinter ist simpel: Tu es!!!

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Kategorie: Tagebuch
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5 Antworten
  1. Ja, man fühlt sich an einen der treffendsten Werbesprüche der Welt erinnert: Just do it (Nike). Wie treffend. Tu es einfach. Das ist ja das faszinierende an dieser Thematik- wenn es eben so einfach wäre, täte es ja jeder 😉 Oder auch nicht, stimmt.

    Was sind also meine Motive: Es a) nicht zu tun (welche Vorteile hat das?), und b) warum will ich es überhaupt? Was steckt dahinter?

    Auch diese Fragen helfen oft nicht. Unzählige Blogbeiträge sind schon geschrieben worden dazu (u.a. Koop-Wiechmann, Liebmann etc.). Von mangelnder Gewohnheit ist oft die Rede.

    Nach unzähligen Eigenversuchen und nach wie vor steten inneren Kämpfen komme ich immer wieder darauf, und deswegen gefällt mir dieser Blog Beitrag so gut, dass es oft ganz schlicht daran liegt, zuviel darüber nachzudenken, anstatt das Ding gleich mal „in die Pfanne zu hauen“ und es zu tun.
    Jeden Tag und ohne inneren Kritiker („Du hast jetzt mal Kaffee Pause, danach freue ich mich wieder auf Dich!“).

    Diesen inneren Dialog führe ich gelegentlich: „Ich will zeichnen lernen. Es praktisch schon können. Kann es aber nicht. Woher auch? Ich übe es ja nie. Aber der andere dahinten kann doch auch so toll zeichnen. Ja, Du siehst das Ergebnis, siehst, er kann es wohl. Aber hast Du auch nach seinem Weg dorthin gefragt? Vergleich Dich nicht, finde Deinen eigenen Weg und vor allem, habe Mut zu Deinem eigenen Stil.

    Kennt wer solche inneren Dialoge auch?
    Happy doing!

  2. Angelika sagt:

    Vielleicht sollten sich alle Zensor-Erfahrenen zusammenrotten und ihre vielfältig erprobten Strategien (erfolgreiche und vergebliche) austauschen. Am besten gleich in einem Buch als Ratgeber in der Abteilung Lebenshilfe. „Gibt es längst? Nützt eh nix?“ Ah, da ist er wieder! Mal sehen, ob die Idee trotzdem reift!

  3. Ich bin sofort dabei. Beim zusammenrotten sowieso. Beim Buch auch. (Solange wir den erhobenen Zeigefinger zu Beginn gleich abbrechen und stattdessen gleich gepflegt auf heilig machen… 😉 ).

  4. Mirko sagt:

    Ich kann dem Gedanken viel abgewinnen, dass wir jeden Tag eine Sache beginnen und durchziehen. Ob das nun unbedingt Kunst sein muss – nun ja. Aber so allgemein klingt dieses Vorgehen extrem sinnvoll: Irgendwas für heute aussuchen und dieses irgendwas auf jeden Fall tun.

    Nur halt nicht aus den Augen verlieren, dass es nicht nur die Einheit Tag gibt. Dann ist alles locker.

  5. Christian sagt:

    @ANgelika: das schreit ja förmlich nach dem „Jeden Tag Manifest“

    @Georg: guter Beitrag. Denke auch, dass das nicht ausarten sollte. Es geht ja nichts ums Missionieren, sondern darum Werkzeuge anzubieten, die man entweder nutzen kann oder nicht.

    @Mirko: stimmt. Es sollte ja eine Art GTD-Regel sein. Jeden Tag was kleines erreichen, auch wenn das große Ziel mehr als eine Tageseinheit braucht.

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