Archiv für die Kategorie »schreiben «

Leserin und Kollegin Petra schickt mir einen Link auf ein sehr schönes YouTube Video mit dem Titel What is that? (Τι είναι αυτό;) 2007. Ich möchte die Handlung und die Pointe nicht verraten, nur so viel: es geht um einen Vater, einen Sohn und das Tagebuch des Vaters. Schaut selbst (Griechisch mit englischen Untertiteln). Auch für solche Momente kann Tagebuchschreiben nützlich sein …

Ähnliche Artikel in der gleichen Kategorie:


Kategorie: schreiben  Tags: ,

In der karrierebibel gab es vor kurzem einen Wettbewerb zum Thema „wie arbeite ich“. Ich wollte ursprünglich auch einen Text einreichen, habe es mir dann aber anders überlegt. Einer der Artikel, die im Blog publiziert wurden, heißt: No-Tech – Zeitmanagement auf Papier funktioniert besser. Der Autor berichtet im Artikel, wie er trotz professionellem Einsatz digitaler Werkzeuge doch auf analoge Begleiter zurückkam, und wie er mit dem Papier arbeitet:

[…] Bei mir zum Beispiel ist es in Stresszeiten so: Statt Notiz-Apps oder Kalender-Tasks tritt Papier in den Vordergrund. Immer. Keine Zeit, neue Einträge zu machen und diese dann gewissenhaft zu taggen. Aus diesem Grund habe ich irgendwann beschlossen, mein System von vornherein auf Papier auszurichten […]

Ganz klar ein Notizbuch-Kandidat, auch wenn in den Fotos im Artikel eher eine lose Blättersammlung zu sehen ist.

Ähnliche Artikel in der gleichen Kategorie:


Kategorie: schreiben

heise online berichtet in E-Books lesen sich langsamer als gedruckte – aber nicht viel von einer Studie des Usability Papstes Jakob Nielsen, den die Webdesigner unter euch sicher kennen: iPad and Kindle Reading Speeds.
Ich weiß nicht, inwieweit man die Ergebnisse mit 32 Leuten als repräsentativ nennen kann, aber das Ergebnis ist doch interessant.

[…] The iPad measured at 6.2% lower reading speed than the printed book, whereas the Kindle measured at 10.7% slower than print. However, the difference between the two devices was not statistically significant because of the data’s fairly high variability. […] Thus, the only fair conclusion is that we can’t say for sure which device offers the fastest reading speed. In any case, the difference would be so small that it wouldn’t be a reason to buy one over the other. […] But we can say that tablets still haven’t beaten the printed book […]

Mir persönlich geht es auch so: ich lese analog sehr viel schneller als digital, v.a. im Vergleich zwischen PC und Tageszeitung. Das diagonale Schnelllesen in einer gedruckten Tageszeitung ist für mich durch kein noch so tolles digitales Format am PC oder gar dem iPad (habe ich mir angeschaut, s. Warum wir Notizbücher nutzen) zu ersetzen. Was mir am analogen Lesen ebenfalls sehr gut gefällt: man liest eher auch Artikel zu Themen, die man im Internet nie angeschaut hätte. In der digitalen Welt filtert man die Ergebnisse sehr schnell auf das eigene Interessensgebiet und liest selten Artikel zu Themen, die außerhalb der eigenen Wahrnehmung liegen. Gründe: 1) man sucht nicht danach. Wie auch? Man weiß ja nicht, was man suchen soll. 2) Selektive Aufmerksamkeit: Artikel zu einem Thema, das einen interessiert, verlinken meist auch Artikel, die ähnliche Themen haben. Das passiert mit einer Tageszeitung nie!

Soweit zum Lesen. Doch was ist mit dem Schreiben? Kann man Notizen schneller analog erfassen als digital? Und kann man die alten Notizen analog schneller lesen als digital? Meine persönliche Erfahrung: es fällt schwerer in einem Stapel Notizbüchern nach einer bestimmten Seite zu suchen als digital. Lesen geht aber viel schneller und – analog zum Lesen in einer Zeitung – man stolpert über Themen, die man längst vergessen hätte und die einen spontan wieder inspirieren.

Was sind eure Erfahrungen?

Ähnliche Artikel in der gleichen Kategorie:


Kategorie: schreiben  Tags: , , ,

Meine Kollegin und treue Leserein Petra Kazakos schreibt zur Zeit an einem Buch, das sich mit den Beziehungen zwischen Lesen und Reisen befasst. In einem Kapitel geht es dabei um das Thema „Erinnerung“, speziell auch um das Thema Stammbücher (Wikipedia). Petra schreibt dazu:

[…] Dies waren kleine, handliche Bücher, die auf Reisen mitgenommen wurden, um eine Art frühes Netzwerk per Widmungen von freundschaftlichen Kontakten, die man in der Fremde machte, zu bilden. Entstanden Mitte des 16. Jahrhunderts in universitärer Umgebung, wurde die Sitte bald aufgenommen von Adel, aber auch Gesellen, Handwerkern, etc. Ab dem 18. und vor allem im 19. Jahrhundert nahmen sich Frauen dieser Sitte immer mehr an und die Gestaltung der kleinen Büchlein erhielt einen neuen Charakter. […]

Der nun folgende Beitrag stammt aus Ihrem Buch, das noch keinen Verleger hat. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich durch diesen Artikel ein Kontakt zu einem Verleger herstellen ließe, der das Buch herausbringen möchte. Ich kann Petras Kontaktdaten zur Verfügung stellen, wenn ihr mir mit ernsthaften Absichten eine E-Mail schreibt. Doch nun Blog frei für Petras Leserbeitrag:

Wir alle versuchen, unsere Erinnerungen zu bewahren und das Vergessen, diesen tückischen und leider kaum zu kontrollierenden Selektionsvorgang unseres Gedächtnisses, zu überlisten. Vor allem die schönen Erinnerungen, weil sie uns aufmuntern und uns in schwereren Zeiten trösten. Manchmal helfen wir dabei unserem Gedächtnis ein bisschen nach mit alten Briefen, Fotoalben, Theaterkarten, Einladungen – lauter Dingen, deren Anblick wir mit einem bestimmten Erlebnis oder einer Person verbinden.
Dazu zählen auch Tage- und Notizbücher, autobiografische Literatur, die im Alltag, auf Reisen oder rein aus Gründen der Gedächtnisstützung geführt werden. Eine Spielart autobiografischen Schreibens oder Bewahrens von (Reise)erinnerungen an freundschaftliche Begegnungen sind die so genannten Stammbücher oder ihre späteren Vertreter, die Freundschafts- und Poesiealben mit ihren Widmungseinträgen. Kleine Bücher, die dazu dienten, freundschaftliche Kontakte, vornehmlich aus der Jugendzeit, zu bewahren, um sich später daran zu erfreuen, zu erinnern.
Eva Linhart hat die Entwicklung der Stammbuchsitte am Beispiel der Linel-Sammlung des Museums für Angewandte Kunst Frankfurt untersucht. Die 685 Exponate aus 350 Jahren, die zur Ausstellung „Der Souvenir – Erinnerung in Dingen von der Reliquie zum Andenken“ präsentiert wurden, bieten einen guten Überblick über diese Sonderform unter den Erinnerungsmedien. In ihrem Beitrag „Vom Stammbuch zum Souvenir d’amitié“ ist zu erfahren, dass die Sitte in der Mitte des 16. Jahrhunderts an deutschen Universitäten entstand. Damals hießen die Bücher noch „liber amicorum“ oder „album amicorum“, später waren sie auch unter dem Namen „Stamm- oder Gesellenbuch“ bekannt und seit der Empfindsamkeit als „Souvenir d’amitié“.(1)
Ihr handliches Format, anfangs Hoch-, später Quer-Oktavformat, verweist auf ihren „Benutzungszusammenhang, nämlich auf Reisen mitgenommen zu werden“.(2) Ab dem 19. Jahrhundert setzen sich kleine Kassetten durch, die noch das Format mit den Büchern gemeinsam haben, aber mit losen Blättern der Erinnerung befüllt wurden.
Waren es zunächst junge Männer, Studenten, die diese Sitte vor allem unterwegs in ihren Studienorten pflegten, um beispielsweise von ihren Professoren und Mitstudenten Widmungen zu erbitten, entdeckten ab dem 17. Jahrhundert zunehmend Gesellen, fahrende Handwerker, Kaufleute und Militärangehörige die Stammbuchsitte für sich. Ab dem 18. Jahrhundert beginnen Frauen, Stammbücher anzulegen.(3) Im 19.Jahrhundert dominieren sie sogar die Stammbuchsitte.
Über die Zeiten ändert sich nicht nur der inhaltliche Charakter der Einträge, von religiösen, belehrenden hin zu vor allem freundschaftlichen Widmungen, sondern auch deren Gestaltung. Statt auf Reisen mitgenommen zu werden und „freundschaftliche Stationen“ zu fixieren, finden sich nun eher Eintragungen durchreisender Freunde oder Gäste des Hauses, was die Büchlein in die Nähe der Gästebücher oder der Poesiealben rückt. Und immer ist die Hauptfigur dieser Autobiografie der Erinnerungen nur implizit die Besitzerin, über die man im Grunde meist bloß erfährt, wer ihre Freunde waren und vielleicht noch ihren Namen.
Auch meine eigenen Exemplare veranschaulichen diesen Wechsel, oder besser, diese Erweiterung hauptsächlich schriftlicher Widmungen um gestickte, gezeichnete, geflochtene oder sonstwie gestaltete Motive. Das macht vor allem die Exemplare des 19. Jahrhunderts zu Schatzkästchen eines Erinnerungskults, des Versuchs, Erinnerungen ästhetisiert zu konservieren.


Zum Vergrößern bitte klicken
„Freundschaftliche Andenken“, © Petra Kazakos

Anders als Tagebücher waren diese Bücher durchaus für fremde Augen bestimmt. Darin liegt eine weitere Gemeinsamkeit zu Poesiealben, Gästebüchern oder später auch zu Fotoalben. Wer Tagebuch führt, wird um die Segnungen eines schweigsamen Freundes wissen, dem man alles unzensiert mitteilen kann, ohne Kritik befürchten zu müssen, der dabei hilft, Geschehenes zu bewahren und zu verarbeiten, durch das Niederschreiben Ordnung in die Gedanken bringt und bei der Suche nach Lösungen hilft. Betrachte ich meine eigenen Tagebücher, wirken sie wie eine Mischform aus den feminisierten Stammbüchern des 19. Jahrhunderts und der üblichen textlastigen Tagebücher, denn sie enthalten Fotos, Entwürfe, Karikaturen, Zeichnungen, Eintrittskarten zu diversen Veranstaltungen und derlei mehr. Nur, dass sie eben nicht von fremder, sondern meist von meiner eigenen Hand stammen und nicht dazu gedacht sind, herumgezeigt zu werden.
Diese Ästhetisierung eines ganz normalen Lebens und seiner Gebrauchsgegenstände findet sich nicht nur bei gestalteten Tagebüchern. Die Tochter einer Freundin verziert auf diese Weise sogar das Heft, in das sie die zu erledigenden Hausarbeiten einträgt. Es ist voller Bildchen, Sprüche und dekorativer Schnörkel und damit fast zu schade für einen so banalen Zweck. Ob sie diese Heftchen aufhebt oder wegwirft, wenn sie voll sind, weiß ich leider nicht. Ich hoffe, sie hebt sie auf, um sich daran zu erinnern, wie sie mit 13, 14 Jahren gewesen ist.

Im Text erwähnte Quellen: Linhart, Eva: „Vom Stammbuch zum Souvenir d’amitié. Deutscher Schicksalsfaden“, in: Der Souvenir – Erinnerung in Dingen von der Reliquie zum Andenken, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, Wienand Verlag 2006, S. 202-233, siehe dazu S. 211f., 2. Linhart, S. 211., 3. Linhart, S. 217.

Danke an Petra für den Gastbeitrag und viel Erfolg bei der Verlegersuche!

Ähnliche Artikel in der gleichen Kategorie:


Kategorie: schreiben  Tags:

suite101 ist ein Netzwerk für Autoren und besitzt eine Kolumne / ein Blog namens Schreiben als Beruf. Leserin Sabine schickt mir über Facebook einen Link auf den Artikel Das Ideenheft des Autors – Ein nützliches Hilfsmittel beim Schreiben. Der Autor erläutert im Artikel, wieso jeder Autor idealerweise ein Notizbuch führen sollte: so geht nichts verloren und das Gehirn bleibt im Training als Ideengenerator.

Er führt als Ideenspeicher Notizzettel und eine Word-Datei an. Die Notizzettel werden allerdings schnell unübersichtlich und die Word-Datei hat den Nachteil, dass man zuerst den Rechner hochfahren muss. So bleibt noch das Notizbuch als bewährter Helfer übrig.

Er plädiert für regelmäßiges Schreiben und Erfassen von Ideen und empfiehlt sogar eine Art „schriftliches Kritzeln“.

Der Textinhalt kommt alten Notizbuchfans sicher bekannt vor. Auch für Nicht-Autoren ist das spontane Erfassen von Gedanken eine wichtige Kreativitätstechnik. In Notizbuchregel 20 – Wie man Ideen erfasst und Notizbuchregel 24 – Mehrere Ideen parallel erfassen bin ich auf die geeignete Vorgehensweise beim Erfassen von Ideen näher eingegangen.

Ähnliche Artikel in der gleichen Kategorie:


Kategorie: schreiben  Tags: ,

Der Guardian berichtet im Artikel Keeping a diary makes you happier von pschologischen Untersuchungen, wonach Tagebuchschreiben enorm hilft, Emotionen zu verarbeiten (danke an @reku für den Tipp) . Dazu wurden Gehirnscans durchgeführt, um die Gehirnaktivität entsprechender Tagebuchschreiber zu untersuchen.

[…] „Writing seems to help the brain regulate emotion unintentionally. Whether it’s writing things down in a diary, writing bad poetry, or making up song lyrics that should never be played on the radio, it seems to help people emotionally,“ Dr Lieberman said. […]

Man bat außerdem zwei Gruppen jeden Tag 20 Minuten zu schreiben. Die eine Gruppe schrieb über Gefühle, die andere über neutrale Themen. Die Gehirnaktivitäten der beiden Gruppen unterschied sich deutlich – die „emotionale“ Gruppe schien in den Gehirnregionen aktiver, die für die Gefühlskontrolle zuständig sind. Zudem schien Tagebuchschreiben bei Männern einen größeren Effekt zu haben als bei Frauen :

[…] „Men tend to show greater benefits and that is a bit counterintuitive. But the reason might be that women more freely put their feelings into words, so this is less of a novel experience for them. For men it’s more of a novelty,“ Lieberman said. […]

Die Studie zeigte auch, dass es einen Unterschied macht, wie man über seine Gefühle schreibt: eine eher abstrakte Sicht war hilfreicher als die Verwendung lebendiger Sprache, die in der Regel Emotionen schüren dürfte.
Im Notizbuchblog werden die Themen rund um Tagebücher sehr gern gelesen. Vielleicht findet ihr in den alten Artikeln zum Thema noch ein paar Artikel, die euch interessieren.

Ähnliche Artikel in der gleichen Kategorie:


Kategorie: schreiben  Tags:

Martine ist eine Leserin, die mir auch ab und an mal eine E-Mail schreibt. Mein Aufruf in Schreiben macht Schweigen zu Gold hat es ihr besonders angetan, da sie sich schon seit Jahren mit dem Thema Schreibpsychologie beschäftigt. Ihre Heimat ist der Textloft, ein Projekt, mit dem sie ihr Geld verdient. In Ihrem Blog berichtet sie über ihre Arbeit und sich.
Für das Notizbuchblog hat sie einen Leserbeitrag verfasst, der sich mit dem Thema „Schreiben“ befasst, und in dem sie über ihre Erfahrungen mit dem Thema „Schreiben“ berichtet. Da ich in Zukunft gerne öfter über das Thema „Schreibpsychologie“ und verwandte Themen berichten möchte, habe ich eine eigene Kategorie Schreiben dafür eingerichtet. Hier nun der Text von Martine:

Ganze Bibliotheken ließen sich mit Büchern zu diesem Thema füllen. Die Frage nach dem Gegensatz zwischen analogem und digitalem Notizbuch ist nicht nur eine praktische Frage, sondern auch eine neuropsychologische Frage, die das Schreiben und die Entstehung von Schriftgut überhaupt betrifft.

Damit keine Missverständnisse entstehen: Es geht bei der Schreibpsychologie der allgemein verbreiteten Meinung entgegen nicht um die psychotherapeutische Wirkung des Schreibens – hier würde untersucht, welchen Gewinn oder gesundheitlichen Nutzen jemand durch die Entwicklung schreibkreativer Techniken haben kann; das ist hier irrelevant -, sondern um die Entdeckung dessen, was in einem grundsätzlich (also beruflich) schreibenden Menschen passiert, welche Mechanismen im Gehirn aktiv sind und wie sie sich auswirken.

Vorab: Hier hat die digitale Welt keine Gegensätze geschaffen, die nicht schon zu Zeiten der mechanischen Schreibmaschine bestanden hätten: Die Anzahl der Autoren, die ihre Werke erst handschriftlich verfassen und dann abschreiben, ist nur unwesentlich gesunken. Ob man sich also für das analoge Notizbuch oder für das digitale entscheidet, ist eher mit dem eigenen Schreibprozess verbunden. Dabei spielt auch die Art des Schriftstücks (Belletristik, journalistische Texte oder private Notizen) keine Rolle.

Das handschriftliche Schreiben ist für das Gehirn komplizierter. Auch für einen Menschen, der etwa sehr schlecht tippen kann, ist es – auch wenn der Einzelne es nicht bewusst merkt – einfacher zu tippen, weil die Vorgänge, die mit der Formung der Buchstaben mit dem Stift zusammenhängen, wesentlich größere Teile des Gehirns mobilisieren. Aktiv sind da die Feinmotorik und der Denkprozess. Deshalb können Menschen nach einem Schlaganfall schneller wieder lernen, mittels einer Tastatur zu kommunizieren, als dass sie das handschriftliche Schreiben wieder beherrschen.

Durch diese Komplexität wird das handschriftliche Schreiben von unserer Psyche auch zugleich ernster genommen: Belangloses und Beleidigungen (es gab eine Studie dazu Mitte der 80er Jahre, die ich leider nicht mehr finde) tippt man eher, als das man sie mit der Hand schriebe, denn die Hemmschwelle ist beim Handschreiben höher. Durch die Mobilisierung der Motorik bedingt wird das Handschreiben auch als sinnlicher empfunden und spricht tatsächlich Teile des Gehirns an, die bei anderen sinnlichen Genüssen reagieren (angenehmer Geschmack, Sex, schöne Landschaften). Beim Tippen wiederum wird keine emotionale Komponente gemessen. Das Schreiben kann zwar genauso kreativ sein, aber es ist distanzierter – auf stilistischer Ebene sagt man dazu „journalistischer“ (auch wenn der geschriebene Text zu einem Roman gehört). Wissenschaftler vermuten, dass neben der hohen nötigen Hirnleistung auch die Erkennung der eigenen Handschrift zur Personalisierung des Geschriebenen erheblich beiträgt. Die Identifizierung mit der eigenen Handschrift wird als unausweichlich empfunden, während Schreibmaschinen-Buchstaben oder Texte am Bildschirm von jedem geschrieben worden sein könnten.

In der Unterrichtssituation – und hier spreche ich aus eigener Erfahrung (ich bin zwar mittlerweile Freie Texterin, bin aber eigentlich von Haus aus promovierte Textwissenschaftlerin und Dozentin für Stilistik und Textpsychologie) – bestätigen sich diese Erkenntnisse: Studenten fangen schneller an, den ersten Satz zu schreiben, wenn sie tippen; die Hemmung und die Zweifel an der Qualität des eigenen Schreibens sind größer, wenn sie mit der Hand schreiben. Der Umgang mit der Tastatur ist eher spielerisch (man tippt einfach drauf los und guckt am Ende, was für einen Text man da geschrieben hat), so dass hier die berühmte „Angst vor dem leeren Blatt“ gar nicht erst entsteht. Das Tippen ist sogar eine gute Empfehlung gegen eine Schreibblockade, weil es als unverbindliche Spielerei enthemmt.

Qualitativ lässt sich sagen, dass Studenten, die mit der Hand schreiben, stilistisch bessere Texte hervorbringen – wahrscheinlich, weil sie langsamer und bedachter schreiben.

Bei Brainstormig-Übungen wiederum ist das Handschreiben ein besseres Werkzeug, denn die Positionierung auf dem Blatt, der Entwurf-Charakter und die Nichtnotwendigkeit einer grafischen Ordnung unterstützen die Freiheit des Denkprozesses.

Kleines Fazit von einer, die seit über 30 Jahren schreibt und ihr Geld damit verdient: Privat schreibe ich nur handschriftlich, und es würde mir im Traum nicht einfallen, meinen Papier-Terminkalender durch ein digitales Schedule-Irgendwas zu ersetzen. Mit Freunden korrespondiere ich viel lieber mit der Schneckenpost. Beruflich schreibe ich meistens an der Tastatur, weil der Zeitdruck einfach zu groß ist. Wenn ich aber das Glückhabe, für einen bestimmten Auftrag meine Zeit frei einteilen zu können, schreibe ich mit der Hand vor. Das Abtippen ist auch eine gute Möglichkeit des Korrekturlesens.

Danke an Martine für den hochinteressanten Text! Martine hat mir zum Text noch ein paar Links geschickt, über die ich aber ein anderes Mal berichten werde.

Ähnliche Artikel in der gleichen Kategorie:


Kategorie: schreiben  Tags:

Dr. Elisabeth Mardorf schrieb mich vor ein paar Tagen an, weil sie den Artikel Notizbücher haben Konjunktur interessant fand. Sie selbst hat das Buch Ich schreibe täglich an mich selbst geschrieben, das sich mit der kreativen Nutzung von Tagebüchern befasst. Sie schreibt auf ihrer Homepage:

[…] Ich schreibe seit meinem 13. Lebensjahr Tagebuch, und ich bin bis heute begeistert davon. Tagebuchschreiben entlastet und kann helfen, Struktur ins Chaos zu bringen, Probleme zu lösen, Pläne zu entwickeln und Entscheidungen zu fällen. Man kann mit Hilfe des Tagebuches die eigenen Stärken entfalten und die eigenen Schattenseiten beleuchten, so daß man sich nicht immer selbst blockiert.
Ich habe mit vielen Menschen von 15 bis 70 gesprochen, die Tagebuch schreiben. Ich empfehle auch das Tagebuchschreiben parallel zu einer Beratung oder Coaching. Es gibt strukturierte Schreib- Übungen, die gezielt einen solchen Prozess begleiten können oder auch im Alleingang Hilfestellung zur Problemlösung und Entscheidungsfindung geben.
Tagebuchschreiben wird nie unmodern – auch nicht im Zeitalter von Blogs und Internet-Tagebüchern. Ein Buch für neue und erfahrene Tagebuchschreiber, mit vielen praktischen Anregungen und Übungen für kreatives Schreiben. Neu u.a.: Kapitel über Blog und Tagebuch […]

Dass Blogs und Notizbücher sich nicht widersprechen beweist natürlich auch das Notizbuchblog, und das Thema „Tagebuch“ ist im Blog sehr beliebt. Das Buch ist für knapp 10 EUR bei amazon erhältlich:

Falls schon jemand von euch das Buch gelesen hat, freue ich mich über einen Kommentar zu diesem Artikel.

Ähnliche Artikel in der gleichen Kategorie:


Kategorie: schreiben  Tags: ,

Leserin Iris macht mich auf die Literaturbeilage der aktuellen Ausgabe der ZEIT aufmerksam. Darin wird das Thema Tagebuch ausführlich behandelt und Schriftsteller werden zu ihren Gewohnheiten mit Tagebüchern befragt: Wer bin ich, und wenn ja, wie viel schreibe ich davon auf?. Dazu gibt es den Artikel Tagebücher – Alibi der Wirrköpfe oder Heimat der Wahrhaftigen?, in dem darüber nachgedacht wird, ob Inhalte von Tagebüchern wahrhaftig sind.

In den Interviews / Berichten sind einige sympathische Begründungen zu finden, wie etwa die von Martin Mosebach

Ist es nicht tatsächlich eine geradezu unsittliche Verschwendung der Lebensfülle, die unübersehbare Zahl von Ereignissen und Gedanken, von Gesprächen und Eindrücken, Fundstücken und Erfindungen, die jedenfalls den Alltag eines zur Wahrnehmung trainierten Menschen ausmachen, einfach verrauschen und versinken zu lassen, ohne wenigstens einen kleinen Teil davon schriftlich fixiert zu haben?

Dabei gibt er zu, durchaus faul zu sein, was das Führen des Tagebuchs angeht. Das kann man von Hanns-Josef Ortheil nicht behaupten. Er hat nach eigener Aussage wohl 1000 Kladden vollgeschrieben, da er seit seinem achten Lebensjahr alles detailliert festhält:

Die täglichen Aufzeichnungen waren daher Versuche, alles, was ich sah und hörte, festzuhalten und zu speichern. Ab und zu las ich Teile meiner Aufzeichnungen durch und war jedes Mal etwas berauscht von der Fülle all dessen, was ich registriert hatte und ohne dieses Registrieren hoffnungslos für immer vergessen hätte.

Ich bin mir sicher, dass jedes Notizbuch automatisch ein Tagebuch ist – ob man das will oder nicht. Jede Aufzeichnung dokumentiert das eigene Leben: Ideen, Prosaeinträge, Aufgabenlisten, Protokolle, Zeichnungen, etc. . Schriftsteller haben natürlich eine ganz eigene Herangehensweise an Tagebücher und setzen sie sicher auch anders ein.
Wenn ihr selbst ein Tagebuch führen wollt, kann ich nur empfehlen, euch damit nicht unter Druck zu setzen: Man muss kein explizites Tagebuch führen, etwa jeden Tag im Prosastil Gedanken festhalten. Schreibt, wann ihr Lust dazu habt. Schreibt, was ihr wollt. Mischt eure klassischen Tagebucheinträge direkt mit Aufgabenlisten und Zeichnungen und Ideenskizzen. Nummeriert eure Notizbücher und ihr erhaltet eine chronologische Dokumentation eurer schriftlich festgehaltenen Gedanken.

Ähnliche Artikel in der gleichen Kategorie:


Kategorie: schreiben  Tags:

Leider schon zu Ende ist die Ausstellung Tagwerke – Vom Tagebuch zum Weblog, die vom Frankfurter Museum für Kommunikation und dem Sonderforschungsbereich „Erinnerungskulturen“ der Uni Gießen organisiert wurde:

Ausgangspunkt unserer Überlegungen zu Tagebuch und Weblog ist die spezifische Form selbstbezogener Kommunikation als einer alltäglichen Kulturpraxis. Der Untertitel „Vom Tagebuch zum Weblog“ ist nicht chronologisch gemeint, vielmehr wird versucht, die Bandbreite des täglichen persönlichen Schreibens darzustellen.

Der letzte Eintrag im Blog stammt vom Juli 2009 – es enthält aber interessante Artikel zum Thema öffentliche vs private Sphäre oder zu Themen wie „Lebe lieber digital. Was bleibt im Netz privat?“
Interessant auch die Linkliste, die etwa zu das Tagebuch im Unterricht (hier speziell das von Anne Frank) führt.

Hier das Logo / Titelbild der Homepage:


© Tagwerke

Ähnliche Artikel in der gleichen Kategorie:


Kategorie: schreiben  Tags: , ,