Tag-Archiv für » Handschrift «

Wie oft habe ich schon getwittert „Notizbücher sind Avantgarde“? Ich weiß es nicht. Bestätigt sehe ich mich bei Artikeln zu Stift und Papier, wenn diese in amerikanischen Tech-Blogs erscheinen. So neulich wieder geschehen bei TheNextWeb in Does your to-do list make you sad? Here’s how to change that. Der Autor erzählt von seiner Erfahrung mit digitalen Aufgabenlisten und wie diese ihn einfach irgendwann überfordert haben. Und was macht der gute Mann? Nein, er schreibt nicht eine neue App, was die übliche Reaktion amerikanischer Technologiefreaks ist, sondern:

[…] I switched back to something I used throughout grade school – a pen and a notebook. […]

Erst mit Papier und Stift hatte er das Gefühl, die Kontrolle über sein Tun zurückzugewinnen:

[…] When I started writing my to-dos down on paper, I felt a sense of control. […]

Er zitiert etwas Literatur, nach der zu viele geöffnete Apps und Software die eigene Leistungsfähigkeit reduzieren, weil sie Aufmerksamkeit beanspruchen, auch wenn sie nur im Hintergrund laufen. Und wenn man permanent (wie ich auch) im digitalen Raum arbeitet, ist die Trennung der Selbststrukturierung (analoge Welt) vom Arbeitsraum (digitale Welt) sehr hilfreich. Im Artikel heißt es

[…] Each tab or app you have open is a form of interruption. Moving your to-do list to a different medium from where you do work helps separate it from your working memory. […]

Und zuguterletzt hilft Papier, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren:

[…] Writing your to-do list on paper has it’s limits, but that’s not always a bad thing. Researchers at Princeton and UCLA recently found that taking notes by hand versus on a laptop helped students retain more information because taking notes forces you to actively listen and decide what’s important. […]

Die zitierte Studie findet sich unter The Pen Is Mightier Than the Keyboard. Die knappe Zusammenfassung:

[…] In three studies, we found that students who took notes on laptops performed worse on conceptual questions than students who took notes longhand. […]

„longhand“ heißt „mit der Hand“ bzw. „Handschrift“. Außerdem betont er, dass das Abhaken der Aufgaben eine tolle Motivation ist, wie er auch mit dem Vortrag Teresa Amabile: Track Your Small Wins to Motivate Big Accomplishments belegt.

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Leser Judith schickte mir den Link auf den Artikel Aus erster Hand in der Welt am Sonntag. Darin geht es um das alte Thema Schreibschrift in der Grundschule oder nicht? In diesem Artikel werden wieder mehrfach Studien erwähnt, die die Vorteile der Handschrift und auch der Schreibschrift betonen. Allerdings sind die Studien nicht verlinkt.
Erschreckend finde ich die Tendenz, dass manchen Kindern nicht mehr mehr die Handschrift beigebracht wird – und dazu muss man nur ins Nachbarland Niederlande gehen:

[…] In den Niederlanden hat der Unternehmer Maurice de Hond 2013 sieben sogenannte Steve-Jobs-Schulen eröffnet, in denen die Kinder zwar „selbstverständlich Stifte und Papier zu sehen kriegen“ (was auch immer das im Schulalltag heißt), aber der Unterricht doch von Anfang an vor allem mit dem iPad stattfindet. […]

In den USA gibt es natürlich ähnliche Konzepte. Dabei sind die Vorteile der Handschrift erforscht, etwa bei Studenten:

[…] Laut den Psychologen Pam A. Mueller von der Universität Princeton und Daniel M. Oppenheimer von der University of California lernen Studenten besser, wenn sie Notizen mit der Hand machen statt per Computer […]

Hoffe, dass uns das in Deutschland noch lange erspart bleibt.

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Heute ist zwar Tagebuchdienstag, aber vielleicht lasst ihr heute mal Tagebuch Tagebuch sein und schreibt einen Liebesbrief. Oder ihr unterstützt das Projekt Support One Million Lovely Letters bei Kickstarter. Von der Leidenschaft, Briefe zu schreiben, habe ich schon berichtet. Da ging es um ein ähnliches Projekt. Und im Februar habe ich euch ebenfalls aufgefordert, Briefe zu schreiben. Bei Jodis Projekt bei Kickstarter, könnt ihr rein finanziell helfen:

[…] Whatever you are going through big or small, a handwritten letter to remind you that you are loved and you are […]

Lest euch die Geschichte von Jodi auf der Kickstarter-Seite durch. Es ist beachtlich, wie die Frau nach all ihren persönlichen Rückschlägen aus einer kleinen Idee ein riesen Projekt gemacht hat. Nach schwerer Krankheit war sie ans Bett gefesselt und stellte eine kleine Webseite online (onemillionlovelyletters.com), über die sich Leute melden konnten, die einen Brief von ihr wollten. Der Erfolg ist gigantisch.

Mit dem Geld, das sie nun bei Kickstarter einsammeln will, möchte sie Briefmarken kaufen (!) und ein paar Helfer finanzieren, denn die Briefmengen gehen mittlerweile in die Tausende.

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In Schreibschrift – ja oder nein? hatten wir bereits 2011 im Blog über das Thema diskutiert. Nun habe ich bei der FAZ den Artikel Umstrittene Reform der Lehrpläne – Schreibschrift stirbt aus gelesen. Dabei wird argumentiert, dass mir der Schreibschrift eine Kulturtechnik verloren geht und dass die Schreibschrift eine flüssigere Niederschrift erlaubt. Interessant finde ich die Tatsache, dass Studien scheinbar die Vorteile von Schreibschrift benennen:

[…] In den Vereinigten Staaten und Kanada erbrachten mehrere Studien, dass Schüler, die eine Verbundschrift beherrschen, sich Texte besser merken und ihren Sinn besser erfassen können. So entdeckten Forscher der Universität Montreal bei Schreibschriftlern bessere feinmotorische Abläufe sowie größere Fähigkeiten in der Wort- und Text-Konstruktion. […]

Der Streit über die in der Grundschule zu lehrende und zu lernende Schrift wird schon länger geführt wie mein Artikel oben, aber auch der FAZ Artikel Druckschrift statt Schreibschrift – Politische Handschriften zeigt (2011).
Generell zur Handschrift, aber auch mit Fokus auf die Schreibschrift ist das ausführlichen Video France – Teaching Handwriting empfehlenswert, das ich zufällig über @rohdesign entdeckt habe.

Was meint ihr? Das letzte Mal wurde im Blog ausführlich diskutiert. Und wen die Meinungen der FAZ-Leser interessieren, dem empfehle ich die Lektüre der mehrere Seiten füllenden Kommentare zum Artikel Schreibschrift – ja oder nein?.

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Leser Manfred schickte mir den Link auf eine tolle Initiative in Lübeck: Handys aus! Postkarten statt SMS. Wie so oft entstand die Aktion aus einem persönlichen Erlebnis:

[…] Erst wenige Wochen ist es her, da besuchte Jana Nitsch die Kneipe Gang 56 in der Marlesgrube. „Dort kamen drei Mädchen herein, die feiern wollten“, sagt die 29-Jährige. „Tatsächlich saßen sie dann aber nur mit ihren Smartphones am Tisch und haben kein Wort miteinander geredet.“ Eine Szene, die die Goldschmiedin, die ein Atelier in der Kanalstraße betreibt, zum Nachdenken brachte. […]

Das Nachdenken führte zur Idee, die ich für kopierenswert halte (aber Achtung: der Name „Tintenpoet“ ist bestimmt schon geschützt):

[…] „Und langsam wuchs die Idee in mir: Warum nicht mal einen Abend in der Kneipe nur Postkarten statt SMS schreiben?“ […]

So entstand die „Tintenpoeten“-Idee, die sogar von Leuchtturm1917 unterstützt wird:

[…] Der Verlag Leuchtturm 1917 hat sich bereit erklärt, Adressbücher mit dem Tintenpoeten-Logo zu erstellen. […]

Nun lassen die Lübecker Kneipengänger ihre Handys öfter mal aus und schreiben Postkarten und die Motivation für das Analoge ist die gleiche wie immer: Haptik und Optik:

[…] „Das werden Kurznachrichten, an denen sich der Empfänger haptisch und visuell erfreuen kann“, sagt Nitsch. Die geschriebenen Postkarten können dann direkt in die extra vor Ort aufgestellten Postkästen eingesteckt werden. Ehrenamtliche Boten holen die Kästen anschließend ab, um die Fracht gesammelt zur Post zu bringen. […]

Sehr schöne Idee finde ich. Es gibt in Kneipen ja auch häufig die Freecards, die allerdings werbemotiviert sind und nicht mit einem speziellen Briefkasten zum direkten Mitmachen animieren.

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Nach der Lektüre von Need to get focused? First go analog habe ich mich in einer Klick-dich-durch-die-Links-Orgie in den Tiefen des Internets verloren, bis ich irgendwann bei der Medienarchäologie kultureller Übertragungstechniken gelandet war, wo der Stift eine „Prothese des Menschen“ ist:

[…] Wenn zwischen Hand und Schrift keine bloße Prothese des Menschen mehr tritt, wie es der Stift für die Finger an der Hand ist, sondern eine Appartur dazwischentritt, welche die Handschrift buchstäblich übersetzt, kommt ein distanziertes, insofern medienarchäologisch faßbares Verhältnis zu Buchstaben als diskreten Elementen in all ihrer signifikanten Arbitrarität zustande. Hier findet also das Verhältnis von Medium und Übertragung – das Thema dieser Vorlesung – auf einer mikrophysikalischen Ebene statt. […]

Aber zurück. Wie das Wall Street Journal in How Handwriting Trains the Brain schreibt, belegen mehrere Studien, dass Handschrift großen Einfluss auf das Lernen und andere Gehirnfunktionen hat:

[…] Using advanced tools such as magnetic resonance imaging, researchers are finding that writing by hand is more than just a way to communicate. The practice helps with learning letters and shapes, can improve idea composition and expression, and may aid fine motor-skill development. It’s not just children who benefit. Adults studying new symbols, such as Chinese characters, might enhance recognition by writing the characters by hand […]

Es wirkt also auch bei Erwachsenen und nicht nur bei Kindern! Die Gründe für die positiven Effekte der Handschrift liegen im sequentiellen Charakter des Schreibens – man muss mehrere Linien für einen Buchstaben ziehen, statt ihn nur mit einem Druck auf der Tastatur zum Leben zu erwecken:

[…] Virginia Berninger, a professor of educational psychology at the University of Washington, says handwriting differs from typing because it requires executing sequential strokes to form a letter, whereas keyboarding involves selecting a whole letter by touching a key.
She says pictures of the brain have illustrated that sequential finger movements activated massive regions involved in thinking, language and working memory—the system for temporarily storing and managing information. […]

Am Ende des Artikels werden auch noch „Apps“ erwähnt, bei denen man die Buchstaben mit dem Finger „malen“ muss. Auch so kann man lernen. Aber ganz ehrlich: warum digital, wenn analog viel einfacher und günstiger möglich ist? Wegen des „Gamificiation“ Effekts: die Kinder meinen, das Schreiben ist ein Spiel und lernen dann angeblich lieber schreiben als bei der scheinbaren Pflichtveranstaltung „Schreiben auf Papier“.

Das Schreiben und Kritzeln von Hand wirkt auch bei mir immer wieder sehr positiv: ich werde ruhiger, konzentriere mich besser, strukturiere mich besser selbst und zwinge mich, klarer und präziser zu sein. Aber das funktioniert nicht bei jedem, wie man etwa in Why I’m Eschewing the Analog Workflow lesen kann (eschew = scheuen / meiden).

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In Graphologie als Pseudowissenschaft hatten immerhin 52 % der Leser gesagt, dass sie es durchaus für möglich halten, dass die Handschrift etwas über die Persönlichkeit des Schreibenden aussagt. In Your Handwriting: A Tool for Manifesting fand ich einen Hinweis auf die Interpretation der Schreibhöhe des oberen Querstrichs im kleinen „t“. Das Blog beschäftigt sich – wie der Name schon sagt – ausschließlich mit „Handwriting Analysis“. Zum kleinen „t“ und seinem Querstrich lautet die Analyse:

[…] The higher you cross the ‚t‘, the more confident you are in your ability to accomplish your goals. […]

Interessante Idee. Und sehr einprägsam. Aber warum sollte das stimmen?

[…] The upper zone of your handwriting relates to your thoughts and beliefs. Crossing the ‚t‘ more than half-way up the stem means your thoughts are directed toward high goals. The lower you cross the ‚t‘, the more you will settle for less than you really desire because you are influenced by fear of failure, fear of change, and fear of the unknown. […]

Im Artikel steht weiter, dass man sein Selbstbewusstsein aktiv steigern kann, wenn man den Strich im „t“ weit nach oben setzt. Ob das funktioniert?

Wenn ihr auch mal eine Analyse probieren wollt, versuch mal http://www.graphologies.de/ – die Seite habe ich neulich zufällig gefunden.

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Wertschätzung und menschliche Nähe durch Handschrift heißt ein Artikel im Blog der Messe Frankfurt für die paperworld. Darin wird über ein Interview mit Stefanie Hanfstingl-Kariger berichtet. Sie ist die Vorsitzende der Initiative Schreiben:

[…] Freude an der eigenen Handschrift – das ist der Ursprung aller Schreiblust und Schreibkompetenz. Die INITIATIVE SCHREIBEN steht für die Förderung des Kulturguts Handschrift. Mit unserem Programm versammeln wir gemeinsam mit unseren Projektpartnern eine begeisterte Schreib-Gemeinschaft. […] Die INITIATIVE SCHREIBEN ist ein Verein mit der Zielsetzung der Förderung von Schreibkompetenz. Dazu führt sie gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern bundesweite und regionale Programme und Aktionen mit hoher Öffentlichkeits- und Medienwirksamkeit durch. […]

Ihr findet die Homepage auch unter http://www.initiative-schreiben.de/. In besagtem Interview sagt Frau Hanfstingl-Kariger:

[…] Die Handschrift drückt Aufmerksamkeit aus für die eigenen Gedanken, die eigene Individualität. Handschrift – das ist aber zugleich Wertschätzung und menschliche Nähe. Wenn wir einen von Hand geschriebenen Brief oder eine Karte erhalten, dann empfinden wir Glück. […]

Das Interview zählt viele Argumente pro Handschrift auf und nennt auch viele Aspekte, die man mit dem Thema Handschrift verbindet.

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Christians Artikel Briefe schreiben: Anachronistischer Zeitvertreib oder wertvolles Ritual? kam sehr gut bei euch an. Ich habe ja auch schon einmal darüber nachgedacht, warum wir Papier lieben. Passend zum Thema Handschrift und Papier solltet ihr euch bei Twitter @LetterMonth oder online http://lettermo.com/ anschauen. Die Initiatorin Mary hat eine spannende Herausforderung für euch:

[…] I have a simple challenge for you.
In the month of February, mail at least one item through the post every day it runs. Write a postcard, a letter, send a picture, or a cutting from a newspaper, or a fabric swatch. Write back to everyone who writes to you. This can count as one of your mailed items. […] All you are committing to is to mail 23 items. Why 23? There are four Sundays and one US holiday. In fact, you might send more than 23 items. You might develop a correspondence that extends beyond the month.
Write love letters, thank yous, or simply notes to say that you miss an old friend. Send a fabric swatch from your new dress. A feather you picked up while on a walk. Whatever it is, let yourself step away from the urgency of modern life and think about an audience of one.[…]

Es geht also darum, jeden Tag im Februar einen handschriftlichen Brief zu verfassen. Für euch ist der Wettbewerb jetzt einfach, denn der Februar hat nicht mehr so viele Tage. Also: los gehts!

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Leser Stephan schickte mir den Link auf den Spiegel-Artikel 130 Jahre Federhalter – „Wer mit Füller schreibt, macht ein Statement“. Darin gibt Herr Timter, seines Zeichens Redaktionsleiter des Magazins „Kult“, ein Kurzinterview zum Thema Füller in einer von digitalen Helfern beherrschten Welt. Er sagt, dass der Füller ein Statement ist und grenzt ihn vom Kuli ab:

[…] Vor allem junge Leute schreiben immer weniger per Hand – und wenn, dann eher mit dem Kugelschreiber. Das geht schneller. Das macht den Füllhalter aber auch zu etwas Besonderem: Wer im Meeting mit Füller schreibt, macht ein Statement. Ich würde es bewusstes Notieren nennen: Man überlegt sich eher, was man schreibt, weil man mit dem Füller nicht so schnell ist wie mit dem Kuli. Außerdem kann ein schicker Füllhalter auch ein modisches Statement sein. […]

Kennt jemand von euch das Magazin „Kult“?

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