Archiv für die Kategorie »Tagebuch «

Ein unglaublich inspirierendes Buch ist Haben oder Sein (Werbelink) des Soziologen Erich Fromm (Wikipedia). Man muss gar nicht alle Gedanken und Ideen teilen, um fast auf jeder Seite einen Denkanstoß zu bekommen. Das Buch ist eine Gesellschaftskritik, die man in vielen Bereichen anwenden kann. Gerne zitiert bei Themen wie Konsumkritik (Haben), der Sharing Economy (nix haben), etc.
Wie Wikipedia richtig bemerkt, ist das Werk in meinen Augen immer noch aktuell (es stammt aus dem Jahr 1976):

[…] Ersetzt man die von Fromm verwendeten und für die damalige Zeit aktuellen maschinenfixierten Beispiele durch computerfixierte, so ist das Werk zum größten Teil noch immer hochaktuell. […]

Nicht nur deshalb lese ich es alle paar Jahre wieder, zumindest abschnittsweise. Es sieht mittlerweile gebraucht aus, ist voller Notizen und oben schauen diverse Lesezeichen aus Zeitungsschnipseln raus. Beim neuerlichen Lesen stieß ich mehrfach auf Hinweise, die mit dem Thema Schreiben und Notieren zu tun haben. So heißt es etwa in meiner Ausgabe auf Seite 41:

[…] Eine weitere Form entfremdeten Erinnerns ist, wenn ich mir aufschreibe, was ich im Gedächtnis behalten möchte. Indem ich es zu Papier bringe, erreiche ich, daß ich die Information habe – ich versuche nicht, sie meinem Gehirn einzuprägen. Ich bin meines Besitzes sicher, es sei denn, ich verliere die Aufzeichnungen und damit auch das zu Erinnernde. Meine Erinnerungsfähigkeit hat mich verlassen und meine Notizen – eine Datenbank – spielen die Rolle eines veräußerlichten Teils von mir. Angesichts der Unmenge von Daten, die der moderne Mensch im Gedächtnis behalten muß, ist es unmöglich, ganz ohne Notizen und Nachschlagewerke auszukommen […]

Wie ihr euch vorstellen könnt, ist in dem Buch das “Sein” die gute Seite der Macht, das “Haben” eher böse. Und hier sind die Notizen böse, den man “hat” sie, wenn man sie niederschreibt. Trotzdem kann man aus dem Buch ein paar Dinge etwa zum Tagebuchschreiben oder zum Notizbuchführen generell mitnehmen.

Ein Gedanke dazu: Menschen, die zum ersten Mal mit einem Notizbuch starten, fragen oft (wie oft lese ich das bei Twitter …), was sie nun mit dem neuen Notizbuch machen sollen. Tagebuchschreiber fühlen sich überfordert, weil sie nicht wissen, wie sie das Erlebte des Tages und all ihre Gedanken effizient festhalten sollen – es ist alles zu viel. Die Antwort ist, dass man nicht an das “Haben” denken soll. Es geht nicht darum, alle Gedanken und Ideen festzuhalten, nur um sie zu besitzen und im Buch zu haben. Es geht darum, die für das eigene “Sein” relevanten Themen aufzuschreiben. Es geht nicht so sehr um die Quantität und Vollständigkeit der Inhalte, es geht um die Qualität und Tiefe der Einträge. Die tiefen eigenen Gedanken bringen das eigene “Sein” weiter.

Wenn ihr euch den Frühling intellektuell versüßen wollt, lest Haben oder Sein (Werbelink).

Ich habe das Buch übrigens als PDF im Netz gefunden.

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Manche tun es, manche reden nur darüber und viele hängen im Niemandsland dazwischen. Dort im Niemandsland, wo die Hoffnung mit der Enttäuschung und die Energie mit der Lethargie tanzt – und wenn sie nicht gestorben sind, tanzen sie noch immer. Wovon rede ich eigentlich? Von Ewigen Projekten.
Den Begriff habe nicht ich mir ausgedacht sondern die Damen und Herren von der ZEIT. Auf der Onlineplattform werden LeserInnen aufgerufen, ihre Ewigen Projekte vorzustellen: „Haben Sie auch so ein Projekt, das Sie seit Jahren begleitet und von dem Sie mittlerweile ahnen, dass Sie es nie beenden werden? Von dem Sie mittlerweile vielleicht gar nicht mehr wollen, dass es je zum Ende kommt, weil es Ihnen ein liebgewonnener Begleiter geworden ist oder seine ganz eigene Dynamik und Schönheit entwickelt hat? Dann erzählen Sie uns davon – und zwar jetzt gleich!“ (ZEIT):
Da kommen recht wunderliche Projekte zum Vorschein. Patchworkhäkeldecken, die nicht fertig werden, der ultimative Spickzettel für Englisch-Tests in der Schule bis hin zu Wortneuschöpfungen, die das Thema Aufschieben in ein anderes Licht rücken wollen: Das Morgensagen, Zeitverlegen, Alibihandeln uvm. Besonders beeindruckend fand ich das Ewige Projekt des Fotografen Frederik Busch:

[…] In den 24 Jahren, die ich mein visuelles Tagebuch nun führe, habe ich rund 20 Aktenordner mit Tausenden von Farb- und Schwarz-Weiß-Negativen gefüllt. Ich habe das Tagebuch-Projekt irgendwann “das kleine Glück” getauft. Bis heute fotografiere ich analog, mit Kleinbild- und Mittelformat-Kameras. Regelmäßig lege ich neue Ordner an und sortiere um, mal nach Jahren, mal nach Themen. […]

Was er mit seinen Bildern macht, können Menschen, die über Jahre hinweg Tagebuch führen, unterstreichen (ich jedenfalls ☺), weil die Übersetzung des eigenen Lebens in Bild oder Wort in späteren Zeiten beglückend ist:

[…] „Wenn es mir nicht gut geht oder ich an mir selbst zweifle und mich zu verlieren drohe, dann hilft es mir, mich über meine Negative zu beugen. Meistens bekomme ich schnell wieder ein Gefühl für mich selbst und denke: Du solltest stolz auf dich sein. Selbst wenn ich nie ein Buch publiziere: Mein ganzes Leben steckt in diesem Archiv. Ich kann meine Freunde und mich selbst jederzeit wiederfinden. Und das ist ein großes Glück.“ […]

(Frederik Busch)

Dazu passt ein Zitat des berühmten Diaristen Victor Klemperer (1881-1960):

[…] „Nur Leben sammeln. Immer sammeln. Eindrücke, Lektüre, Gesehenes, alles. Und nicht fragen wozu und warum. Ob ein Buch daraus wird oder Memoiren oder gar nichts, ob es in meinem Gedächtnis haftet oder verdirbt wie eine schlechte photographische Platte. Nicht fragen, nur sammeln.“ […]

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Mashable ist ein bekannter Tech-Blog, der immer wieder abgedrehte neue Ideen vorstellt. Eine davon ist in Wearable Book Creates Sensory Reading Experience beschrieben:

[…] The project, called “Sensory Fiction,” comes out of the MIT Media Lab. The reader wears a vest-like contraption that uses effects such as ambient lighting, vibration, temperature and compression to produce physical sensations that represent setting and emotion described in a story. […]

Digitales Feedback für analoge Lesevorgänge gibt es häufiger in Kinderbüchern. Ich mag diese Dinger gar nicht und bin da eher altmodischer Buchpurist. Bei der Idee oben dachte ich aber spontan an Tagebücher. Tagebücher sind ein Hort von Gefühlen, Emotionen, Meinungen; von Persönlichem, Geheimem und Sehnsuchtsvollem. Oft werden beim Lesen die alten Gedanken und Gefühle induziert, die man bei der Niederschrift hatte. Mit dem “sonsory reading” könnte das Notizbuch direkte physische Rückmeldung geben. Wenn man das noch mit Geruch und Geräusch versehen würde, wäre das eine umfassende Erfahrung. Mir persönlich wäre das zu viel. Es ist zwar ein schwieriges Unterfangen, aber ich versuche stets an mich selbst so zu schreiben, dass ich beim Lesen in einigen Jahren auch die Erinnerungen an die Gefühle und Umstände hervorrufe. Das gelingt mir nicht immer, aber Übung macht den Meister.
Das “wearable Buch” hat vorprogrammierte Reaktionen, aber ich bin mir sicher, dass man das auch über einen E-Book-Reader automatisch hinbekommt, indem man einen Computer die Inhalte interpretieren lässt; vorausgesetzt, das Tagebuch ist maschinenlesbar.

Was meint ihr? Würdet ihr ein Buch wie das oben beschrieben kaufen? Würdet ihr euch eine “Erweiterung” für euer Tagebuch wünschen, die auch physisch Rückmeldung zur Lektüre gibt?

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Ist es mein Tunnelblick oder nimmt die Zahl an berühmten Persönlichkeiten, die entweder öffentlich Tagebuch schreiben oder über deren Tagebücher in der Öffentlichkeit berichtet wird, tatsächlich zu?
Zum einen sind es Literaten, die für alle lesbar das verarbeiten, was das Leben ihnen aufbürdet. Nach Wolfgang Herrndorf (siehe auch Herrndorfs Tagebuch) macht jetzt Henning Mankell Schlagzeilen, weil er öffentlich über seine Krebserkrankung schreiben will. Auf seiner Website heißt es:

„Sehr früh entschied ich mich zu versuchen, über diese Dinge zu schreiben. Letztlich geht es ja um Schmerzen und Leiden, die viele Menschen empfinden – allerdings auch um eine erstaunliche medizinische Wissenschaft und ein Licht, das oftmals durch den Nebel dringt. Ich will genau so schreiben, wie es ist. Über den schweren Kampf, den das immer bedeutet.“

Vom Schauspieler Philip Seymour Hoffman, der am 2. Februar starb, wird berichtet, man habe seine Tagebücher gefunden, in denen Hoffman sich mit seiner Drogensucht auseinandersetzt. Und last but not least fiel mir heute eine Notiz in die Hände, dass Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones ihrer Ehekrise unter anderem mit einem gemeinsamen Tagebuch zu Leibe rücken wollen. Bei vip.de wird ein Insider zitiert mit den Worten:

“Sie arbeiten daran, wie sie ihre Gefühle ausdrücken können – dazu gehören auch Tagebücher. Sie zeigen sie sich gegenseitig, wenn es schlecht zwischen ihnen läuft, das ist ein Mittel, wie sie Dinge zum Ausdruck bringen können.”

Ich finde an diesen Beispielen gar nicht so interessant, dass auch VIPs Tagebuch führen, sondern vielmehr, dass zunehmend darüber kommuniziert wird. Meine These: das Tagebuchschreiben – insbesondere in Krisenzeiten – wird salonfähig. Stimmt ihr dieser These zu? Oder hat es mehr mit meinem oben erwähnten Tunnelblick zu tun?

Auf Diskussion darüber freut sich: Angelika.

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Ihr kennt das: man ist unterwegs mit dem Notizbuch und achtet für einen Moment nicht so auf das Notizbuch. Es liegt in der Tasche, im Koffer oder sonst wo und trägt seine Spuren davon. Auf Dawanda habe ich dieses nette Gadget entdeckt – eine Holzhülle für das Notizbuch.

 

Die Herstellerin manubrium schreibt über die Hülle folgendes:

 

Ich liebe es, auf Reisen ein Tagebuch zu führen, habe mich aber immer geärgert, wenn das Buch am Ende der Reise nur noch „solala“ aussah.
So entstand die Idee, ein bewegliches, praktisches Buch mit einem ästhetisch ansprechenden Schutz zu machen.

Die Buchhülle ist aus echtem Holz, Olivesche. So fein ausgeschliffen, daß es ein echter Handschmeichler ist. Man möchte es gar nicht mehr aus der Hand legen.

Das Buch hat ein von mir selbst designtes Cover auf der Vorderseite, die Rückseite habe ich unifarben blau, den Buchrücken passend in grün gefasst.
Es besteht aus 144 naturweißen Seiten, säurefrei, chlorfrei gebleicht, fadengeheftet.

Das Set ist ein idealer Reisebegleiter, denn das flexibel gebundene Buch lässt sich komplett öffnen, so kann man über beide aufgeklappte Seiten hinweg schreiben und skizzieren.

Durch die feste Hülle aus Holz ist das Buch immer geschützt, unschöne Eselsohren sind Vergangeheit. Man kann es irgendwo im Koffer verstauen ohne daß es geknickt wird und ein paar Wassertropfen machen ihm auch nichts mehr aus. Beim Tragen hält der in der Hülle fest möntierte Gummi das Buch, so rutscht es nicht raus.

„Und übrigens! Das Gewicht ist kein Problem, die Hülle ist leichter als das Buch.“

Ein anderer Titel oder ein leeres Schildchen ist kein Problem, einfach beim Einkauf angeben.

Demnächst biete ich auch lose Bücher zur Buchhülle an, für die 2., 3. … Reise.

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2011 stellte euch Angelika das Buch der Tagebücher vor. Leser Markus hat nun herausgefunden, dass es davon nur noch wenige Exemplare gibt, die exklusiv beim Piper Verlag bestellt werden können. Danke an Markus, der hier sehr aufmerksam war und bei seinen Recherchen an euch alle gedacht hat.

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Das Hamburger Abendblatt widmete am Wochenende eine ganze Seite dem Thema Tagebuch und verweist damit auf ein hochkarätig besetzte Veranstaltung im Literaturhaus, Liebes Tagebuch, heute war wieder so ein Tag…. Im Text dazu ein Absatz, den ich mit dem Verfasser Thomas Andre teile, den ich gern auch mit den Notizbuchbloglesern teile:

[…] „Im Tagebuch geht es nicht immer um Erhebliches, das über seinen Verfasser hinausweist. Es geht noch nicht einmal unbedingt um das, was die Wendepunkte eines Lebens berührt, denn diese sind eher selten. Es geht meistens um das, was vom Tage übrig blieb – und das auch oft bei den großen Geistern. Tagebücher haben eine Entlastungsfunktion, sie sorgen für Katharsis; in ihnen werden Dinge erledigt, einfach indem sie benannt werden. Unter den Vorzeichen der digitalen Wende haben sich auch die Voraussetzungen für das Tagebuchschreiben verändert. Das Tagebuch der Gegenwart ist unter Umständen öffentlich, manchmal sogar schon, während es entsteht: Als Blog oder auf Facebook. Letzteres berichtet in Jetztzeit aus den Leben seiner User, Ersteres ist seit Rainald Goetz (“Abfall für alle”) und Wolfgang Herrndorf (“Arbeit und Struktur”) eine nobilitierte Form von Literatur.“
[…]

Wer am 11. Februar abends noch nichts vorhat und in Hamburg lebt: wir sehen uns im Literaturhaus! EIN TAGEBUCH-ABEND.

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Dass regelmäßiges Schreiben klärend und entlastend wirken kann, wissen wir längst. Immerhin lässt sich therapeutisches Schreiben zurückverfolgen bis mindestens Aristoteles, der um die Katharsis und ihre heilende Wirkung des Wortes auf den Menschen wusste.

Jetzt aber finden australische Forscher heraus, dass sogar Postings auf Facebook den Usern dazu verhelfen, ihr eigenes Handeln zu reflektieren, es zu verstehen und an sich selbst zu arbeiten, siehe Artikel in der Computerwelt!

Mhm. Fällt mir gerade schwer, den therapeutischen Nutzen von Facebook zu schlucken, noch schwerer, das Posten von Selbstinszenierung mit dem Tagebuchschreiben zu vergleichen. 
Mit viel gutem Willen folge ich der These, dass Schreiben über sich und sein Leben grundsätzlich nützlich ist, nicht nur im analogen Tagebuch, dem digital diary sondern meinetwegen auch auf Facebook. Aber Selbsterkenntnis und Reflexion des eigenen Handelns???
Jetzt frage ich einfach mal in die Runde: liebe facebook-user und blog-Leser, arbeitet ihr an euch selbst, wenn ihr postet und geliked werdet? Gibt es einen Vorher-Nachher-Effekt in Eurer Persönlichkeitsentwicklung? Sollte, wer zehn Jahre lang keine Neigung verspürt hat, bei Facebook mitzumischen, doch noch schwach werden? Wegen des therapeutischen Nutzens?

Über Erfahrungen und Kommentare zum Thema freue ich mich und like schon mal prophylaktisch jeden Beitrag!
Übrigens propagiert Stephan Porombka in seinem Buch „Schreiben unter Strom (Werbelink). Experimentieren mit Twitter, Blogs, Facebook & Co“, Duden Verlag, 2011, den etwas anderen Umgang mit den Sozialen Medien. Er ruft auf zu „künstlerischen Zweckentfremdung“, was unter Umständen vielleicht auch einen therapeutischen Nutzen bietet…

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Kategorie: Tagebuch  Tags:  4 Kommentare

Ich selbst bin eher eine Wörter- als eine Bilderfrau. Selten finden Skizzen den Weg in mein Tagebuch. Sehr zu meinem Bedauern, aber ich fühle mich am wohlsten, wenn ich Wörter und Sätze finde, die beschreibend, erklärend, verklärend, verstörend … usw. mein gelebtes (manchmal auch zu lebendes) Leben zu Papier bringen. Zu meinen Zeichnungen habe ich ein eher distanziertes Verhältnis, weil krikelkrakel …

Ganz anders Matthias Bogdan. Der Künstler aus Fürstenwalde begann am 1. Januar 2013 damit, jeden Tag eine Zeichnung, ein Bild zu produzieren: auf 10 x 10 cm, jeden Tag das, was ihn beschäftigte, was ihm widerfuhr. Die typischen Tagebucheinträge. Nur eben als Zeichnung, nicht als Text. Jetzt hängen die 365 Tage des vergangenen Jahres in der Dom Galerie von Fürstenwalde, zu sehen noch bis 28. Februar. Teilweise sind die Bilder sehr persönlich – sonst wäre es kein Tagebuch –, aber er vertraut auf den Respekt der Besucher und letztlich weiß nur er, was hinter jedem Bild verborgen ist. Jeden einzelnen Tag des Jahres 2013 wird er dank seiner konsequenten Zeichenfreude erinnern können, jeden guten und jeden schlimmen Tag.

Das neue Jahr ist nicht mehr taufrisch, aber auch jetzt kann man noch einsteigen und regelmäßig einen Moment innehalten, um in Wort oder Bild auszudrücken, was diesen Tag von anderen Tagen unterscheidet.

Das passende Video findet ihr hier.

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Auch und gerade im Neuen Jahr, dem Jahr des Pferdes, das laut Chinesischem Horoskop, ein Jahr der Ruhelosigkeit und Bewegung ist, sind Tagebücher ein bewährtes Mittel, sich zu zentrieren und das Karussell ein paar Seiten lang anzuhalten.
Das Schreiben über sich und das Leben hat Tradition. Ein schönes Zitat des Philosophen Georg Christoph Lichtenberg, 1742-1799 ist mir kürzlich vor die Füße gefallen, und ich möchte es gern mit Euch teilen. Lichtenberg, der seine Gedankensplitter in ein Tagebuch – nicht zu vergleichen mit dem BILD-Tagebuch einer Sylvie Meis … –, ein sogenanntes Sudelbuch, notiert hat. Da er Philosoph und Naturwissenschaftler war (und kein Model oder Moderator), sind seine Sudelbücher eine Ansammlung von Reflexionen über sämtliche Wissensgebiete, geprägt von kritischer und ironischer Grundhaltung; auch eine Art, Tagebuch zu führen!

»Man soll alle Menschen gewöhnen von Kindheit an in GROSSE Bücher zu schreiben, alle ihre Exercitia, in hartes Schweinsleder gebunden. Da sich kein Gesetz daraus machen läßt, so muß man Eltern darum bitten, wenigstens mit Kindern, die zum Studiren bestimmt sind. Wenn man jetzt Newtons Schreibbücher hätte! Wenn ich einen Sohn hätte, so müßte er gar kein Papier unter Händen bekommen, als eingebundenes, … besudelte er es, so würde ich mit väterlicher Dinte dabey schreiben: dieses hat mein Sohn anno * den *ten besudelt … Der Rand müste gebrochen werden, und auf einer Seite immer die Umstände und zwar sehr unpartheyisch geschrieben werden. Was für ein Vergnügen würde es mir seyn jetzt meine Schreibbücher alle zu übersehen! Seine eigne Naturgeschichte! Man sieht jetzt immer was man ist und sehr schwach was man war.«

(Georg Christoph Lichtenberg, Die Aphorismen-Bücher. Hrsg. v. Albert Leitzmann. Frankfurt: Haffmans bei Zweitausendeins 2005)

In diesem Sinne wünsche ich allen ein bewegtes 2014 und viel Spaß beim Sudeln der eigenen Naturgeschichte in ledergebundene Bücher oder auf loser Blattsammlung oder in bestickte Hefte oder, oder, oder…!

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