Leserin und Kollegin Petra schickt mir einen Link auf ein sehr schönes YouTube Video mit dem Titel What is that? (Τι είναι αυτό;) 2007. Ich möchte die Handlung und die Pointe nicht verraten, nur so viel: es geht um einen Vater, einen Sohn und das Tagebuch des Vaters. Schaut selbst (Griechisch mit englischen Untertiteln). Auch für solche Momente kann Tagebuchschreiben nützlich sein …
Auf der Suche nach einem Kunstbuch stöberte ich auf der Seite von TASCHEN, den meisten von euch sicher als Verlag für tolle Kunst- und Designbücher bekannt. Zufällig fiel mir ein Link auf Philipp Keel’s Simple Diaryâ„¢ ins Auge:
[...] In a world where products are out as soon as they’re in, where communicating without wires doesn’t come without strings, and even our accessories need accessories, we need simple tools. A book that helps us look inside because we are overloaded outside. [...] I hope you find a true friend, a great place or some wisdom through this book. That would make me happy. [...]
Heute morgen gab es im Blog den Hinweis auf den Podcast, in dem auch das Deutsche Tagebucharchiv in Emmendingen vorkommt.
Im Deutschen Tagebucharchiv (DTA) im südbadischen Emmendingen werden seit 1998 private Tagebücher, Lebenserinnerungen und Briefwechsel aus dem gesamten Bundesgebiet gesammelt und archiviert. Die persönlichen Lebenszeugnisse werden der Wissenschaft und der Allgemeinheit für Recherchezwecke zugänglich gemacht. Jeder und jede Interessierte kann hier autobiographische Texte abgeben.
Die Homepage kommt etwas altbacken daher, aber man kann online in einem alten Tagebuch von 1576 blättern: Bohnenberger 1576. Das Archiv wurde 1998 von Frauke v. Troschke gegründet und hat bereits einige Referenzen und Preise aufzuweisen.
War einer von euch schon einmal dort?
Dr. Elisabeth Mardorf hatte in “Tagebuchschreiben für ein erfülltes Leben” über ihre Erfahrungen mit Tagebüchern berichtet, die sie in einem Buch (Werbelink) verarbeitet hat. Jetzt stießen meine Internetsuchen auf den Podcast Liebes Tagebuch … bei SWR1, in dem sie ein Interview gibt. Die Sendung “Am Abend” befasst sich weitergehend mit dem Thema “Tagebuch schreiben” und es kommen auch Hörer zu Wort.
Sie haben Schlüssel und Schleifen und ihr Inhalt ist oft streng geheim: Tagebücher. 13-jährige Mädchen schreiben sie ebenso wie 83-jährige Schriftsteller. Aber auch wenn in Tagebüchern oft die banalsten Dinge festgehalten werden, können sie zu wichtigen zeitgeschichtlichen Dokumenten werden das Tagebuch der Anne Frank ist dafür das beste Beispiel. Und Blogs, in denen nichts mehr geheim ist sind sie die moderne Form des Tagebuchs? Was ist das Besondere am Tagebuchschreiben? Welche Formen gibt es und was verrät es über den Schreiber?
Leider lässt sich der Podcast nicht in die Seite einbetten. Ihr könnt euch die Sendung direkt auf der podcast.de Seite anhören, oder als MP3 herunterladen (Rechtsklick, “Speichern unter”). Sehr interessante Radiosendung.
My life story heißt das ultimative Tagebuch aus England, das verspricht, ein ganzes Leben zu fassen:
A 100 year diary for you to record the events of a lifetime. To help you remember the special moments you never want to forget – the people you’ve loved; the friends you’ve made; the places you’ve visited; the places that have become home. [...] 1080 pages [...]
Ob das Buch mit über 1000 Seiten wirklich handlich ist, weiß ich nicht. Es sieht aber gar nicht so schlecht aus, wenn man dem Screenshot unten Glauben schenken darf. Es hat die Anmutung einer Bibel. Das Buch kostet £35.00 und kann über direkt auf der Seite bestellt werden.
Würdet ihr mit dem Buch auskommen? Das kann ich mir fast nicht vorstellen, da ich weiß, wie begeistert meine Leser Tagebuch schreiben und wieviele Bücher sie im Jahr kaufen.
Der Guardian berichtet im Artikel Keeping a diary makes you happier von pschologischen Untersuchungen, wonach Tagebuchschreiben enorm hilft, Emotionen zu verarbeiten (danke an @reku für den Tipp) . Dazu wurden Gehirnscans durchgeführt, um die Gehirnaktivität entsprechender Tagebuchschreiber zu untersuchen.
[...] “Writing seems to help the brain regulate emotion unintentionally. Whether it’s writing things down in a diary, writing bad poetry, or making up song lyrics that should never be played on the radio, it seems to help people emotionally,” Dr Lieberman said. [...]
Man bat außerdem zwei Gruppen jeden Tag 20 Minuten zu schreiben. Die eine Gruppe schrieb über Gefühle, die andere über neutrale Themen. Die Gehirnaktivitäten der beiden Gruppen unterschied sich deutlich – die “emotionale” Gruppe schien in den Gehirnregionen aktiver, die für die Gefühlskontrolle zuständig sind. Zudem schien Tagebuchschreiben bei Männern einen größeren Effekt zu haben als bei Frauen :
[...] “Men tend to show greater benefits and that is a bit counterintuitive. But the reason might be that women more freely put their feelings into words, so this is less of a novel experience for them. For men it’s more of a novelty,” Lieberman said. [...]
Die Studie zeigte auch, dass es einen Unterschied macht, wie man über seine Gefühle schreibt: eine eher abstrakte Sicht war hilfreicher als die Verwendung lebendiger Sprache, die in der Regel Emotionen schüren dürfte.
Im Notizbuchblog werden die Themen rund um Tagebücher sehr gern gelesen. Vielleicht findet ihr in den alten Artikeln zum Thema noch ein paar Artikel, die euch interessieren.
[...] Ich schreibe seit meinem 13. Lebensjahr Tagebuch, und ich bin bis heute begeistert davon. Tagebuchschreiben entlastet und kann helfen, Struktur ins Chaos zu bringen, Probleme zu lösen, Pläne zu entwickeln und Entscheidungen zu fällen. Man kann mit Hilfe des Tagebuches die eigenen Stärken entfalten und die eigenen Schattenseiten beleuchten, so daß man sich nicht immer selbst blockiert.
Ich habe mit vielen Menschen von 15 bis 70 gesprochen, die Tagebuch schreiben. Ich empfehle auch das Tagebuchschreiben parallel zu einer Beratung oder Coaching. Es gibt strukturierte Schreib- Übungen, die gezielt einen solchen Prozess begleiten können oder auch im Alleingang Hilfestellung zur Problemlösung und Entscheidungsfindung geben.
Tagebuchschreiben wird nie unmodern – auch nicht im Zeitalter von Blogs und Internet-Tagebüchern. Ein Buch für neue und erfahrene Tagebuchschreiber, mit vielen praktischen Anregungen und Übungen für kreatives Schreiben. Neu u.a.: Kapitel über Blog und Tagebuch [...]
Dass Blogs und Notizbücher sich nicht widersprechen beweist natürlich auch das Notizbuchblog, und das Thema “Tagebuch” ist im Blog sehr beliebt. Das Buch ist für knapp 10 EUR bei amazon erhältlich:
Falls schon jemand von euch das Buch gelesen hat, freue ich mich über einen Kommentar zu diesem Artikel.
Kennt ihr das Gefühl auch? Man hat sich ein neues Notizbuch gekauft, das einem viel zu schade für alle die profanen Aufgabenlisten, Notizen und Kritzeleien ist, die bald als Inhalt folgen werden. Dieses Gefühl beschreibt Martine im Textloft:
Es gibt gute Gründe dafür, sie nicht anzurühren. [...] Ich berühre sie, befühle sie, der unbändige Schreibdrang stellt sich ein … und lege sie beinahe erschrocken und erleichtert zugleich an ihren Platz zurück, als hätte ich um ein Haar eine Sünde begangen.
Irgendwann kann man sich dann nicht mehr zurückhalten – und dann passiert es: das Buch wird beschrieben. Wer den inneren Kampf von Martine verfolgen möchte, kann sich den Artikel “Das private Tagebuch” durchlesen.
Tagebücher und das Schreiben eines Tagebuchs sind in letzter Zeit häufiger Themen im Notizbuchblog. Doro Ottermann schickt mir letzte Woche eine Mail zum Ankreuztagebuch. Sie hat diesen Typ Buch erfunden und wird ihn ab 01. April 2010 in den Handel bringen. Nähere Informationen findet ihr in ihrem Blog dorobot. Bereits im Dezember hatte ich in Ein Tagebuch für Faule über die Idee berichtet. Damals hat sie das Buch noch bei dawanda verkauft, jetzt wird es von Droemer Knaur verlegt. Das nenne ich eine Karriere:
Was für ein Tag! War das Glas halb voll oder halb leer? Mit wie vielen Menschen habe ich gesprochen und über wie viele habe ich mich geärgert? Fühlte ich mich schön, lustig, protzig oder faul? Und wie hat mir der Tag insgesamt gefallen? Ganz viel erlebt, aber wenig Zeit zum Tagebuchschreiben? Hier kommt die Lösung: einfach Datum eintragen, Gefühlszustand und Wetterlage ankreuzen, eine kleine Notiz zum Höhepunkt des Tages, fertig!
Das Buch gibt es in den Farben rot und blau auch bei amazon zu kaufen. Preis: 10 EUR. Klickt einfach auf eines der beiden Bücher links und rechts, um zu amazon zu gelangen (Werbelinks).
Das Buch hat einen Flexcover Einband und 208 Seiten – Lesebändchen ist auch vorhanden. Und hier noch ein paar Fotos der Bücher von außen und von innen:
[...] Irgendwann konnte ich keine Tagebücher mehr schreiben. Da war ich Autorin. Ich sammle zwar meine Terminkalender, um nachträglich wichtige Ereignisse rekonstruieren zu können. Sie dienen mir auch als Rechercheunterlage, weil ich, völlig absurd, täglich die Wetterlage notiere und das Aufblühen besonderer Pflanzen [...]
Besonders interessant finde ich aber ihre Art, verschiedene Bücher für verschiedene Zwecke zu führen bzw. Notizen in einer bestimmten Art und Weise zu gruppieren. So führt sie ein Heft mit dem Titel “Das pralle Leben” oder bewahrt seltene und schöne Wörter in einer “Wort-Schatzkiste” auf. Eine Schublade namens “Aufmöbelkiste” hilft beim Motivieren. Das “Schwammbuch” ist ein stets griffbereites Notizbuch, um alle spontanen Einfälle festhalten zu können. Schöne Inspiration!