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Stell dir vor, du triffst einen Bekannten in der U-Bahn, der Sätze sagt wie „Tom behält alle Zahlen im Kopf, er wird Fangfragen abwehren, Tom ist konzentriert und fokussiert, Tom lässt seinen Charme spielen, Tom ist richtig gut drauf“. Gerade, als du dich peinlich berührt abwenden willst, erkennt er dich und strahlt dich an: „ich bin unter den letzten drei! Heute Mittag hat Tom den Job, ich meine, dann habe ich den Job!“

Du willst ihm viel Glück wünschen und schnell das Weite suchen. Aber schon erzählt er dir von einer Studie, die belegt, dass sich Selbstgespräche positiv auf unseren Erfolg auswirken. Nachweislich vor allem dann, wenn nicht die Ich-Form, sondern die distanzschaffende Form in 3. Person Singular verwandt wird.

Tom steigt an der nächsten Station aus. Du aber bleibst gedankenverloren zurück. Als du aussteigst, hast du die Studienergebnisse bereits überflogen und drei Entscheidungen getroffen: Du wirst deine Selbstgespräche künftig weniger selbstkritisch führen sondern dich anspornen und ermutigen „…wäre doch gelacht, wenn ich das nicht schaffen würde …“

Du wirst das Gespräch mit dir wie gehabt in deinem Tagebuch fortsetzen, aber auch hier auf einen respektvollen Umgang mit dir selbst achten, vielleicht etwas weniger jammern und stattdessen dein Tun und Lassen wohlwollend kommentieren „… toll hingekriegt, bin die Heldin des Tages …“

Du wirst immer dann, wenn du besonders gestresst oder emotional angefasst bist, den Trick mit der Distanzierung anwenden und statt der Ich-Perspektive einen personalen Erzählstil ausprobieren „…sie weiß nicht mehr, wie sie ihre Liste in time schaffen soll, ist schon ganz kurzatmig, ja, sie fühlt sich gehetzt, sie kämpft gegen die Zeit. Gegen die Zeit kämpfen – was für ein Irrsinn! …“

Notiz am Rande: Dies ist kein Plädoyer für Persönlichkeitsspaltung, sondern vor allem die Empfehlung, im Tagebuch, dem Ort für das Ich, mit unterschiedlichen Perspektiven zu experimentieren und durch den Abstand zu neuer Handlungsfähigkeit zu gelangen.

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Tagebücher leiden unter der Hitze. Das Hirn ist träge, die Gedanken krümeln sich durch die Windungen. Das Leben, der Alltag, die Geschehnisse – sie dümpeln dumpf vor sich hin. Was soll man da bitte aufschreiben?! 
In Zeiten von Umbruch oder heftiger emotionaler Bewegungen fließen die Worte schwallartig aufs Papier bzw. in die Tasten. Aber bei Stillstand? Was dann? Lieber in den Biergarten oder ziellos im Netz surfen?

Meistens enden ambitionierte Tagebuchvorhaben, wenn das Leben scheinbar unspektakulär verläuft und die Einträge an „Liebes –Tagebuch-heute-war-wieder-nichts-los“ erinnern. Schade eigentlich. Denn auch und gerade dann, wenn nichts Dramatisches passiert, steigen Bläschen aus dem Unbewussten an die Oberfläche. Aber nur dann, wenn man ihnen eine Chance gibt.

Zum Beispiel durch die Konzentration auf den Moment. Auf das, was jetzt gerade wahrnehmbar ist. Ohne Wahrnehmung wird das Schreiben zur leeren Hülle. Also wahrnehmen, was die Sinne anbieten. Den Geruch von Hitze oder den Moment nach dem Gewitter. Wie der Duft von nassem Hund in die Nase steigt, wie der Asphalt sein Aroma aus Staub, Schlamm und Befahrenwerden absondert. Wie Frösche den Abend einquaken, wie die offenen Fenster das Leben in den Wohnungen nach draußen twittern. Gelächter, Tellergeklapper, Fernsehgeräusche, Liebesstöhnen, Erziehungsmaßnahmen aus dem Untergeschoss, „wie oft habe ich dir gesagt … jetzt ist aber Schluss … du lässt das jetzt, Jonas …?!“ usw. usf. . 
Dann der Blick auf den Himmel, der sich rötlich färbt, während schwarze Wolken sich davor aufbauen wie Kulissen im Theater. Die Himmelsbühne. Immer was los draußen. Dann der Blick nach innen. Ein Atemzug. Noch einer, stimmt, ganz vergessen, den ganzen hitzigen Tag lang die Luft angehalten. Warum eigentlich? Was macht es so schwer, unter Druck weiterzuatmen? Woher kenne ich das? Ach ja, ich erinnere mich …

Das ist der zweite Tipp für flaue Zeiten. „Ich erinnere mich“. Mit diesem Satzbeginn lassen sich Seiten füllen. Einzige Bedingung: laufen lassen. Den Satz so lange ergänzen, bis überraschende Erinnerungen aufsteigen. So wie der Geruch von nassem Asphalt.

Es gibt kein langweiliges Leben. Oder wie Sting es in einem seiner Songs ausdrückt: There is a deeper world than this…

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Wer Interesse an einer kleinen Erholungsreise mit angeschlossenen Seminar rund um das Thema Tagebuch hat, der sollte einen Blick auf Das Tagebuch als Oase im Alltag – Tagebuchtage auf dem Darß werfen. Der besondere Knaller ist aber, dass Angelika das Seminar hält, so dass ihr jetzt schon wisst, dass ihr eine ausgewiesene Expertin vorfindet, die ihr schon aus dem Notizbuchblog kennt.
Die Notizbuchtage finden vom 17.-20. Mai 2014 im Carpe Diem in Prerow (auf dem Darß) statt. Was erwartet euch?

[…] 3 ÜN incl. vollwertiges Frühstück aus Bioprodukten
• Vegetarische Küche
• Kostenlose Nutzung der Saunen und des Wellnessbereiches
• Massagen und Anwendungen zusätzlich buchbar
• Aufwärmübungen und die Überwindung von Schreibhindernissen. Tipps für den souveränen Umgang mit dem inneren Kritiker.
• Inspirationen von den großen Diaristen aus Vergangenheit und Gegenwart und Einblick in die unterschiedlichen Formen und Stile des Tagebuchführens.
• Ausprobieren und Erfahrungen sammeln mit unterschiedlichen Schreibmethoden, um herauszufinden, welcher Stil des Tagebuchschreibens am besten zur eigenen Person und ins eigene Leben passt. […]

Für alle, die im Mai keine Zeit haben: das Seminar soll im November wiederholt werden!

Was haltet ihr von der Idee? Habt ihr Anregungen, Wünsche, Kommentare zu einer Veranstaltung wie dieser? Würdet ihr teilnehmen? Oder nicht? Freue mich über eure Kommentare und Angelika liest sicher mit … :-)

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(via mashable) The Daily Muse berichtete in Do You Have an Ostrich Problem on Your Hands? über den Effekt, dass wir oft wie die Strauße (Strauß = engl. ostrich) den Kopf in den Sand stecken und Angst davor haben, den Fortschritt unserer eigenen Arbeit zu sehen, weil wir Angst haben, dass er nicht unseren Erwartungen entspricht.
Ein Artikel bei 99u erweitert das Thema um die Frage der Motivation: “”The Ostrich Problem” and The Danger of Not Tracking Your Progress”. Und hier kann langsam auch das Notizbuch ins Spiel kommen:

[…] The Ostrich Problem is problematic because there’s so much research showing that realistic progress monitoring is beneficial to achieving our goals. Evidence comes from diverse sources including students who keep progress diaries succeeding better at math homework, and patients who monitor their progress being more likely to adopt beneficial exercise routines. […]

Wenn man also regelmäßig seinen Fortschritt feststellt und festhält, also den Straußeneffekt vermeidet, hilft das signifikant seine Ziele besser zu erreichen. Dabei kann ein Notizbuch helfen, das in Form eines Tagebuchs oder in Form von Aufgabenlisten genutzt wird, in denen man regelmäßig die erreichten Schritte abhakt.
Der eine schreibt vielleicht täglich, wie weit er gekommen ist. Der andere hakt Listen ab, in denen er die Schritte bis zur Zielerreichung festhält. In der Software-Entwicklung gibt es viele Prozesstechniken, die die Aufgaben z.B. auf Post-Its festhalten und auch das Wandern der Klebezettel von der “Zu erledigen”-Liste in die “Erledigt”-Liste so sehr schön visualisieren. All das hilft dabei, den eigenen Fortschritt zu überwachen und sich zu vergegenwärtigen.
Ich könnte mir vorstellen, dass es hilft, sich dabei nicht zu verkünsteln. Je leichter man es sich macht, den Fortschritt ohne großen Aufwand stetig festzuhalten, desto leichter tut man sich wahrscheinlich damit, es auch tatsächlich zu tun. Vielleicht ist das auch ein Grund für die vielen Fitness-Apps und Tracking-Armbänder, die man heute sieht: sie helfen auf einfache und unaufwendige Weise den Fortschritt der eigenen Bewegung zu messen und zu visualisieren und führen uns so vor Augen, ob wir uns ausreichend bewegen oder nicht.

Ich bleibe lieber bei meinem Notizbuch und meinen Aufgabenlisten, die mich Richtung Ziel führen, denn Abhaken macht glücklich. Aber bei aller Eigenvermessung und Selbstoptimierung: übertreibt es nicht. Manchmal ist der Weg das Ziel und das permanente Visualisieren, dass man einfach nicht alles schaffen kann, kann auch mal demotivierend sein.

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Bei Twitter schrieb @stirboderlebe diesen interessanten Tweet:

Da ist was Wahres dran. Ich schreibe fast nichts über meine Kinder digital, aber dafür viel analog. In meinem Tagebuch und teilweise in ein spezielles Tagebuch. Aber viele andere Eltern schreiben und zeigen viel online über und von ihren Kindern. Vielleicht ist mein Gefühl altmodisch, aber wenn die Kinder irgendwann ein digital durchdrungenes Leben führen, freuen sie sich vielleicht darüber, auf romantisch-antiquierte Art meine alten Notizbücher zu lesen. Wenn ihnen die Notizen nicht gefallen, können sie die Bücher verbrennen. Das geht nicht, wenn sie alte Tweets, Babyfotos oder Videos finden, von denen Sie vielleicht gar nicht wollen, dass die seit Jahren über sie im Netz “kursieren”. Vielleicht wollen sie irgendwann gar nicht, dass sie als Kinder bereits im Netz existierten.

Hoffentlich wird nicht jeder alles über seine Kinde twittern, sondern wie ich bei den guten alten Notizbüchern bleiben.

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Ich selbst bin eher eine Wörter- als eine Bilderfrau. Selten finden Skizzen den Weg in mein Tagebuch. Sehr zu meinem Bedauern, aber ich fühle mich am wohlsten, wenn ich Wörter und Sätze finde, die beschreibend, erklärend, verklärend, verstörend … usw. mein gelebtes (manchmal auch zu lebendes) Leben zu Papier bringen. Zu meinen Zeichnungen habe ich ein eher distanziertes Verhältnis, weil krikelkrakel …

Ganz anders Matthias Bogdan. Der Künstler aus Fürstenwalde begann am 1. Januar 2013 damit, jeden Tag eine Zeichnung, ein Bild zu produzieren: auf 10 x 10 cm, jeden Tag das, was ihn beschäftigte, was ihm widerfuhr. Die typischen Tagebucheinträge. Nur eben als Zeichnung, nicht als Text. Jetzt hängen die 365 Tage des vergangenen Jahres in der Dom Galerie von Fürstenwalde, zu sehen noch bis 28. Februar. Teilweise sind die Bilder sehr persönlich – sonst wäre es kein Tagebuch –, aber er vertraut auf den Respekt der Besucher und letztlich weiß nur er, was hinter jedem Bild verborgen ist. Jeden einzelnen Tag des Jahres 2013 wird er dank seiner konsequenten Zeichenfreude erinnern können, jeden guten und jeden schlimmen Tag.

Das neue Jahr ist nicht mehr taufrisch, aber auch jetzt kann man noch einsteigen und regelmäßig einen Moment innehalten, um in Wort oder Bild auszudrücken, was diesen Tag von anderen Tagen unterscheidet.

Das passende Video findet ihr hier.

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Der Countdown läuft. 
Bin ich die Einzige, die erst in der Dezembermitte beginnt, nach passenden Geschenken zu fahnden? 
Kaum. An dieser Stelle ein paar Tipps von der Tagebuchfront für Menschen, die nicht nur gerne lesen, sondern auch schreiben, egal, ob Tagebuch, Geschichten, Gedichte, Essays, den Jahrhundertroman, Drehbücher für Hollywoodfilme und was noch mehr.

Meine Einstiegsdroge in das Kreative Schreiben: Natalie Goldberg, Schreiben in Cafes (Werbelink), Autorenhaus Verlag 2003. So viel Ermutigung, vor allem für das Durchhalten, fürs Scheitern und wieder Aufstehen, habe ich in keinem der anderen Schreibratgeber gefunden. 
Sehr unterhaltsam und – für einen Erfolgs-Gruselautor überraschend persönlich und feinfühlig – sind die Gedanken von Stephen King über Das Leben und das Schreiben, Heyne 2011.

Leichtfüßig geschriebenes Buch über berühmte Diaristen und ihren ganz persönlichen Stil: Michael Maar, Heute bedeckt und kühl (Werbelink), C.H.Beck 2013. Nah dran an dem unverzichten Buch der Tagebücher, zusammengestellt von Rainer Wieldand, Piper 2010.

Beeindruckende Tagebücher, zum Teil schon gelesen, zum Teil begonnen oder auf der Wunschliste, weil sie spannend klingen:
 Wolfgang Herrndorf, Arbeit und Struktur (Werbelink), S.Fischer 2013. Besprochen hier, zurzeit ohnehin in jeder Zeitung, die etwas auf sich hält. 
Paul Auster, Winter Journal (Werbelink) , Rowohlt 2013. Der Autor schreibt über sein Leben. So what, machen viele. Was sein Buch aber spannend macht, ist die Körperlichkeit seiner Autobiografie. Er lässt sein Körpergedächtnis erzählen. 
Auf meiner Wunschliste, auch und gerade für Kenner des Anne-Frank-Tagebuchs: Gesamtausgabe: Tagebücher (Werbelink), S.Fischer 2013.

Habt Ihr auch Lieblingsbücher? Bitte hier mitteilen!

Ich würde mein Buch als Weihnachtsgeschenk für SchreibleserInnen hier anpreisen, weil die mit x17 realisierte Version zum Lesen UND Schreiben etwas Besonderes ist (mein Favorit: cognac vegetabil gegerbtes Leder…), aber das wäre mir jetzt unangenehm.

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Kategorie: Buch, Tagebuch  Tags: , , ,  2 Kommentare

Angelika ist euch als Spezialistin für das Thema Tagebuch bekannt und bietet rund um das Thema auch viele Angebote außerhalb des Notizbuchblogs. Dazu hat sie nun eine eigene Webseite namens http://www.neuerdingstagebuch.de/ eingerichtet. Die Seite ist ganz frisch online, so dass ihr euch beim Stöbern als Entdecker fühlen dürft …

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Angelika von Aufseß, Co-Autorin des Notizbuchblogs und euch bekannt als Bloggerin des “Tagebuchdienstags”, hat ein Buch über Tagebücher geschrieben: “Neuerdings schreibe ich an mich selbst – 26 Arten, ein Tagebuch zu führen”. Spannend ist der Verleger des Buches: Matthias Büttner von X17! Und so gibt es das Buch folgerichtig als A5-Einlage für X17: Konzept: Tagebuch. Auf der Seite heißt es:

[…] Das Buch von Angelika von Aufsess inspiriert. Die Worte und die sanfte Eindringlichkeit der zarten Skizzen von Stefanie Clement umweben Sie mit einer melancholischen Heiterkeit, die Ihnen das Tor zum Tagebuchschreiben weit öffnet. […]

Ich habe eine A5 Ausgabe hier. Die Einlage hat ein sehr schönes Layout und ist mit ansprechenden Zeichnungen garniert. Die 26 Arten, ein Tagebuch zu führen, sind jeweils auf einer Seite dargestellt. Eine Doppelseite des Buches ist auf der linken Seite mit einem passenden Zitat und/oder einer Zeichnung versehen, auf der rechten Seite befindet sich der Text. Die Texte sind Angelika-Texte wie ihr sie kennt: frisch, direkt und unmittelbar verständlich. Euch werden die Angst und die Hemmungen genommen, Tagebuch zu führen, ihr lernt etwas über Varianten von Tagebuchinhalten und über den richtigen Stift und das richtige Notizbuch. Ihr lest, wie andere Menschen und Berühmtheiten ihr Tagebuch führen, und werdet für die eigenen Versuche inspiriert. Das Buch ist keine technische Anleitung oder gar ein Leitfaden, den es Schritt für Schritt zu befolgen gilt. Es ist Seite für Seite ein Motivationsbuch, das Tagebuchschreiben einfach mal zu versuchen und sich selbst von den Vorzügen des Schreibens an sich selbst zu überzeugen.
Das Buch gibt es übrigens auch als bei amazon als Kindle Edition: Neuerdings … schreibe ich an mich selbst (Werbelink) und kostet dort knapp über 5 EUR.

Lest es. Und ihr werdet schreiben.

Unten ein paar Fotos meines Tagebuch Inspirationspaketes von X17. Es handelt sich um ein grünes X17 A5 Buch mit einem grünen Polypropylen Einband (HardSkin). Darin befinden sich zwei Einlagen: das Buch und eine linierte Notizbucheinlage, damit man gleich loslegen kann. Ihr versteht sicher, wenn ich diese Ausgabe nicht im Blog verlose :-)


© mit freundlicher Genehmigung, X17

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Bei galleycat (via @wiredprworks) fand ich den Link auf den Artikel Will social media kill writers’ diaries?.
Heutzutage schreibt ja jeder alles sofort öffentlich online. Egal, ob PRISM oder andere Datensammler aktiv sind, egal, ob es peinlich wird und Fremdschämen auslöst. Die Autorin selbst führt (noch) kein analoges Tagebuch, denn

[...] there’s something deeply satisfying about the instant feedback one can get from social media friends [...]

Aber alles will sie dann doch noch mit den Menschen da draußen teilen:

[...] Yet part of me is intimidated by the idea of sharing all of myself with an audience. The privacy of a good old-fashioned diary for my unfiltered thoughts is incredibly appealing [...]

Das Gefühl, nicht alles teilen zu wollen, eint aber viele Menschen, die schreiben – egal ob als Schriftsteller oder als private Aktivität. Tagebücher sind etwas sehr Intimes und sollten es auch bleiben. U.a. deshalb finde ich die Idee, online mit einem Cloud Dienst Tagebuch zu führen einfach absurd. Ich hätte zum einen große Verlustängste, dass das Geschriebene irgendwann weg sein könnte. Zum anderen möchte ich nicht, dass meine Gedanken einem Hacker zum Opfer fallen oder auf einem modernen Pranger erscheinen (irgendwelche XYZ-Plags oder ähnlich pseudo-Crowd-Wohltaten-Seiten).
Meine Tagebücher haben ihre eigene Form. Freie Assoziationen teilen sich eine Doppelseite mit Gedankensortierungen, klassische Tagebucheinträge (gibt es sowas?) treffen auf Ideenskizzen, Aufgabenlisten stehen neben Gedanken und Geschehnissen, an die ich mich später wieder erinnern will. All das und noch viel mehr möchte ich nur für mich – ohne Rücksicht auf Konsistenz, Analysierbarkeit oder Verwertbarkeit. Manchmal ist Schreiben einfach nur Selbstzweck; selten, kommt aber vor.

Ich glaube nicht, dass Social Media das Tagebuchschreiben obsolet machen. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Gründe fallen mir ein, warum jemand analog für sich schreiben sollte. Was ich von digitalen Tagebüchern halte, wisst ihr spätestens seit Facebook Timeline – Tagebuch der Moderne?.

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